Berufsbild

Historisches und Neuigkeiten



Über die Geschichte der Massage und der
Massageschule am Universitätsklinikum Düsseldorf

In zahlreichen Veröffentlichungen in der entsprechenden Literatur kann man nachlesen, dass die Massage eine der ältesten Behandlungsmethoden in der physikalischen Medizin überhaupt ist,.
Die klassische Technik der Massage hat sich bis in die heutige Zeit kaum verändert, wenn man von einigen speziellen Massagearten absieht.
Im alten China, in Ägypten und Indien war sie genauso bekannt wie bei den Feldärzten Alexander des Großen.
Im Mittelalter verschwand sie, obwohl sie von der großen ärztlichen Autorität GALEN, der 131 in Smirna geboren wurde, in Rom lebte und dort die Gladiatoren betreute, immer wärmstens zur Behandlung von Kranken empfohlen wurde.
Auch bei weniger entwickelten Kulturen war die Massage durchaus geläufig, wie wir in einem Reisebericht des Captain COOK nachlesen können.
Bei seiner 3. Weltreise erkrankte er 1779 auf Tahiti an einer heftigen Ischialgie.
12 tahiatianische Frauen massierten ihn daraufhin von Kopf bis Fuß, besonders im Schmerzgebiet selber.
Er schrieb in sein Logbuch: “Sie massierten mich bis die Knochen knackten und meine Haut wie eine Mumie aussah.“
Die Massage dauerte zwar insgesamt nur eine Viertelstunde, verschaffte dem Captain aber augenblicklich fühlbare Erleichterung.
Der Schwede Per Henrik Ling (1776-1839) gilt als der Massagepionier der Neuzeit. Er systematisierte die bekannten Massagegriffe und beschrieb ihre Abfolge und den gezielten Einsatz bei der Massage. Daher kommt die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Schwedische Massage“.
Die Geschichte der Institute, an denen das Wissen rund um die Massage und ihrer großen dazugehörenden Disziplinen nämlich die der Hydrotherapie (Wasserheil-verfahren) und Balneotherapie (Behandlung mit Bädern) ausgeführt und gelehrt wird, kann ebenfalls auf lange Traditionen zurückblicken. Seit Pfarrer Kneipp in Bad Wörishofen seine Tätigkeit aufnahm und der Anwendung des Wassers zu Heilzwecken große Aufmerksamkeit bescherte, rückten die „Physikalischen Heilmethoden“ in den Focus des Interesses.
Als dann am 1. Juli 1907 in Düsseldorf die Medizinische Klinik in den Bauten XII und XVI untergebracht wurde, gehörte auch das „Hydro -Therapeutische Institut“ dazu.
Hier wurden „insbesondere Balneotherapie und physikalische Behandlungen“ betrieben.
Die Klinik stand unter der Leitung von Prof. Dr. August Hoffmann Facharzt für Innere Medizin und Neurologie.
Unter seinem Nachfolger Prof. Siegfried Thannhauser, der 1927 berufen wurde,
fand auch die Geschichte der Massage im Universitätsklinikum Düsseldorf, wie es heute heißt, im Jahre 1927 ihren Anfang.
1929 konnte dann offiziell eine „Staatlich anerkannte Massageschule“ im Rahmen der Medizinischen Klinik eröffnet werden.
1960 endlich erhielt die Massageschule durch die Mithilfe der „Stadtwerke Düsseldorf“, die an der Ausbildung von Masseuren und medizinischen Bademeistern für ihre Badebetriebe interessiert waren, ein eigenes Gebäude.
Die 1961 vom Chefarzt der Orthopädie Herrn Professor Idelberger gegründete Schule für Krankengymnastik war seit ihrer Gründung Gast in diesem schnell errichteten Holzbau.
Ein Provisorium, dass mehr als zwanzig Jahre halten sollte und 1981 mit dem Umzug beider Schulen in ein wunderschönes neues Gebäude in direkter Nachbarschaft zur alten „Behausung“ endete. (Als Anmerkung: Die Holzbauten stehen immer noch! Sollen aber wohl demnächst abgerissen werden.)
Als Schulleiter der Massageschule seien hier die Herren Dahlem und später Jeschke erwähnt, die jährlich bis zu 26 Schüler aus ganz Deutschland in den Beruf des Masseurs und medizinischen Bademeisters ausbildeten und damit die Schule weit über die Grenzen Düsseldorfs bekannt machten.
1994 wurde der Beruf nach langjährigen Bemühungen der zuständigen Stellen in Regierungen und Politik gründlich reformiert.
Zunächst wurde festgelegt, dass in Deutschland an der Aufteilung in die Berufe des Masseurs und medizinischen Bademeisters und in den Beruf des Krankengymnasten (heute: Physiotherapeut) festgehalten werden sollte.
Die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister sollte von nun an zweijährig in den entsprechenden Schulen installiert werden, satt wie bisher einjährig.
Das 1 (nur Masseur) - 1½ (Masseur und med. Bademeister) jährige Praktikum wurde auf ein halbes Jahr begrenzt und im Gegensatz zu damals lautet heute der Berufsabschluss sofort nach dem bestandenen Staatsexamen „Masseur und medizinischer Bademeister“.
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Praktikum erhält man auf Antrag „Die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung“ durch das zuständige Gesundheitsamt.
Leider konnte sich die damalige Regierung trotz der anmahnenden Worte der meisten Berufs- und Fachverbände nicht dazu entschließen, die Berufsausbildung auf insgesamt drei Jahre zu verlängern, was aus der heutigen Sicht im Vergleich zu allen anderen nichtärztlichen Heilberufen fachlich und gesundheitspolitisch nicht unbedingt vertretbar erscheint. Besonders vor dem Hintergrund, dass in den EG-Ländern die deutsche Ausbildung so nicht oder nur sehr schwer anerkannt wird.
Deutsche Masseure und medizinische Bademeister arbeiten zwar gerade in Österreich, Spanien und der Schweiz und sind als qualifizierte Kräfte sehr gesucht, können sich dort jedoch nicht oder sehr schwer selbständig machen.
Die neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (AprV) für Masseure und medizinischen Bademeister ermöglicht es den Absolventen durch eine Nachqualifikation zum Beruf des Physiotherapeuten durchzusteigen.
Wir sind hier nun schon in der Gegenwart angekommen und damit möchte ich zum nächsten Kapitel überleiten.


Neuigkeiten
Vor wenigen Tagen wurde uns der Jahresbericht 2004 der „Zentrale Fachvermittlung für Kneipp-Bademeister und Masseure“ in Memmingen von der Bundesagentur für Arbeit zugesendet.
Dipl. Verwaltungswirtin Anneliese Schöner, die sich seit vielen Jahren mit großem Engagement um die Belange der Masseure und medizinischen Bademeister kümmert (hier ein herzliches “Großes Dankeschön“ dafür!), beschreibt darin die aktuelle Arbeitsmarktsituation.
Frau Schöner kommt in ihrem Bericht zu den Schlussfolgerungen:
Ohne die inzwischen „üblichen“ Fortbildungen wie mindestens Manuelle Lymphdrainage sind Masseure kaum vermittelbar.
Fehlende „räumliche Flexibilität“ und fehlende Zusatzqualifikationen erschweren eine Vermittlung deutlich, auch bei den behinderten Kollegen.
Grundsätzlich wird eine Marktsättigung z. Zt. im Bereich der Masseure und medizinischen Bademeistern mit jährlich 1100 Absolventen (im Gegensatz zu 6000 Physiotherapeuten) noch nicht gesehen.
Zumal durch den hohen weiblichen Anteil der Massageschüler eine starke Stellenfluktuation bei einer niedrigen Verweildauer von 4 – 4 ½ Jahren im erlernten Beruf gegeben ist.
Wie die meisten der nichtärztlichen Heilberufe muss sich der Masseur und medizinische Bademeister in der veränderten Berufslandschaft neu orientieren.
Der Patient im herkömmlichen Sinne mit ärztlicher Verordnung für Behandlungen durch den Masseur und medizinischen Bademeister, wird in der Zukunft nicht mehr das Hauptbetätigungsfeld sein.
Der sogenannte „Selbstzahler“, der sich eigenverantwortlich um seine Gesundheit kümmert und aus dem Angebot auf dem Gesundheitssektor sehr genau auswählt, was er für sich in Anspruch nehmen möchte, will umworben werden.
Also: Weg vom Patienten – hin zum Kunden und zur Kundenorientierung!
Auf dem expandierenden Sektor der Wellnessbranche vollzieht sich dieser Wandel seit geraumer Zeit.
Nach wie vor besteht also Nachfrage nach hochqualifizierten und gut ausgebildeten Fachkräften im Bereich Massage.
Wir sagen dazu:
Besonders die Doppelqualifikation mit beiden Berufen: Masseur und med. Bademeister plus Nachqualifikation zum Physiotherapeuten ist hoch zu favorisieren.

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 20.10.2016
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