Kanadische Delegation an der PT-Schule des UKD

 

Treffen zwischen BMGS, ZVK und der Canadian Alliance of Physiotherapy Regulators

Anerkennung deutscher PT-Abschlüsse in Kanada – die Chancen wachsen


Am 2. Juni 2003 fand ein interessantes Meeting zwischen ZVK, der kanadischen Regulierungsbehörde (The Canadian Alliance of Physiotherapy Regulators), und dem Bundesministerium für Gesundheit und Soziales (BMGS) statt. Ziel des Gespräches war es, die deutsche Physiotherapie-Ausbildung für die „Alliance“ transparenter und somit verständlicher zu machen, denn bis heute erhalten in Deutschland ausgebildete Physiotherapeuten in Kanada keine Chance, als anerkannter Physiotherapeut zu praktizieren. Gründe sind u.a. der Bildungsgrad (Mittlere Reife) und die nicht-akademische Ausbildung. Die Anerkennung der in Deutschland ausgebildeten Physiotherapeuten, um in der EU oder weltweit zu praktizieren, wird immer schwieriger.
Heinz Christian Esser, Geschäftsführer des ZVK, deutete - wie in der Vergangenheit häufig vom ZVK geschehen - auf die gegenwärtigen Forderungen des ZVK bezüglich der Öffnungsklausel im Gesetz über die Berufe in der Physiotherapie - Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG) vom 26. Mai 1994 hin. Eine Änderung des Berufsgesetzes der Physiotherapeuten würde in Deutschland ermöglichen, dass die Physiotherapie-Ausbildung auch an Hochschulen stattfinden kann und zusätzlich zum akademischen Grad auch die Berufsanerkennung erworben wird.
Das BMGS verwies auf die noch immer ablehnende Haltung der Länder gegenüber einer Öffnungsklausel im Berufsgesetz. Eine Gesetzesänderung werde in naher Zukunft nicht angestrebt, zumal erst andere Berufsgesetze zu novellieren seien. Nicht eben ein Hoffnungsschimmer für die Physiotherapeuten, da der Arbeitsmarkt im Ausland, insbesondere in Kanada für in Deutschland ausgebildete Physiotherapeuten noch schwieriger zu werden droht. Denn ab 2010 wird in Kanada anstelle des Bachelors nur noch der Master als akademischer Abschlussgrad für Physiotherapeuten vergeben – ähnlich auch in den USA.
In Kanada sind 12 Jahre Schulausbildung die Regel; das Abitur ist eine Grundvoraussetzung für den Zugang zum Physiotherapie-Studium an den Universitäten (insgesamt 13 Bachelor-Studiengänge mit 700 Studenten, 3 Master-Studiengänge mit 180 Studenten); die Physiotherapie ist als Fakultät ein Bereich der medizinischen Fakultät; die Dozenten besitzen zu 80 Prozent einen Dr.-Titel; die Curriculumentwicklung wird permanent evaluiert, ebenso die Lehrmethoden und die Qualifikation der Lehrer; alle Studiengänge werden regelmäßig akkreditiert. Physiotherapeuten übernehmen in Kanada nicht selten eine Führungsrolle im medizinischen Team. Die 16 000 zugelassenen Physiotherapeuten in Kanada sind dem Arzt zwar in der Hierarchie nicht gleichgestellt, doch dürfen Patienten auch ohne ärztliche Verordnung einen Physiotherapeuten aufsuchen. Der Physiotherapeut darf eine eigene Diagnostik erstellen. Häufig gehen jedoch die Patienten aus Unkenntnis noch immer den Weg über den verordnenden Arzt. Unverkennbar ist, dass der Professionalisierungsprozess der Physiotherapeuten in Kanada längst schon Tradition hat.

Anerkennungsverfahren in Kanada
Die kanadische Regulierungsbehörde fordert im Sinne der Qualitätssicherung und der Sicherung der Patientenrechte, dass Physiotherapeuten, die an Universitäten mit unterschiedlichen Studieninhalten im In- und Ausland ausgebildet werden, ein gemeinsames vergleichbares Examen machen. Das sogenannte PCE (Physiotherapy Competency Examination) findet in Form eines schriftlichen und klinischen Testes in den jeweiligen Provinzen an einem festgelegten Datum statt. Erst nach erfolgreichem Bestehen wird man als Physiotherapeut registriert und erhält die Erlaubnis zur Ausübung seines Berufes. Ohne PCE ist eine praktische Tätigkeit nicht möglich. In allen kanadischen Provinzen (mit Ausnahme von Quebec) wird von ausländisch ausgebildeten Physiotherapeuten das PCE verlangt.
Doch bevor man zum PCE zugelassen wird, müssen alle Physiotherapeuten ihr Examen bei der zuständigen Regulierungsbehörde der jeweiligen Provinz zunächst auf Gleichwertigkeit (gebührenpflichtig!) prüfen lassen. Die Ausbildung wird genauestens mit dem kanadischen Standard inhaltlich verglichen. Im Bedarfsfall wird bestimmt, welche Kenntnisse an einer kanadischen Universität kostenpflichtig (!) noch zu erwerben sind. Wissenschaftliches Arbeiten, Assessmentverfahren, Evidence-Based-Practice, Clinical reasoning, Kommunikationsfähigkeiten, Ethische Aspekte im Umgang mit dem Patienten sind u.a. wesentliche Themenschwerpunkte, die bei der Bewertung der Ausbildung durch die kanadische Regulierungsbehörde und bei der evtl. folgenden Nachqualifizierung eine Rolle spielen. Nach erfolgreich absolvierter Nachqualifizierung ist zunächst die Gleichwertigkeit des Ausbildungsstandes gegeben und man wird voraussichtlich von den Behörden zum PCE zugelassen.
Aus Mangel an Physiotherapeuten scheint Kanada nun ganz aktuell ausländischen Physiotherapeuten doch eine größere Chance der Anerkennung einzuräumen.

Besuch der kanadischen Delegation in der staatlich anerkannten Schule für Physiotherapie am Universitätsklinikum in Düsseldorf
Der ZVK arrangierte im Anschluss an das Gespräch im BMGS noch zusätzlich einen Besuch an der staatlich anerkannten Schule für Physiotherapie am Universitätsklinikum in Düsseldorf. An dieser Stelle sei insbesondere Renate Kropp-Olbertz (Schulleiterin) noch einmal für das gelungene Treffen gedankt.


Frau Kropp-Olbertz im Gespräch mit Susan Glover Takahashi
(Executive Director Canadian Alliance of Physiotherapy Regulators)

Schüler des 3. Semesters der Physiotherapie-Schule hielten eine kurze englische Begrüßungsrede und führten einen kreativen modernen Tanz „hinter versteckter Maske“ in der Turnhalle der Physiotherapie-Schule auf. Diese Einlage wurde von den drei kanadischen Delegierten begeistert und mit Beifall aufgenommen.
Während des dreistündigen Aufenthaltes an der Schule für Physiotherapie stellte sich ein Teil des Lehrerkollegiums der Schule
(Andreas May, Regine Schmidt, Guido Meyers, Petra Wörösch) zum Fachgespräch am runden Tisch zur Verfügung. Anschließend erhielt die kanadische Delegation Gelegenheit, den Unterricht in Physiologie, Manuelle Therapie und Krankengymnastik im Bewegungsbad kurzzeitig zu besuchen. Fragen zur Methodik und Didaktik des Lehrens, zu Lernmethoden, zum wissenschaftlichem Arbeiten, zur Forschung sowie zur regelmäßigen Überprüfung des Unterrichtes und der Akkreditierung der Schulen ließ schnell erkennen, dass die Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen ist, das noch jede Menge Pflege benötigt.


Fachgespräch am runden Tisch
von links nach rechts:
Renate Kropp-Olbertz, Guido Meyers, Tabasom Eftekari, Susan GloverTakahashi
Petra Kammereck-Wörösch, Regine Astrid Schmidt, Lesley Bainbridge, Andreas May

Mit großem Interesse nahm die kanadische Delegation zur Kenntnis, dass seit 2001 auch in Deutschland die Möglichkeit besteht, den akademischen Grad als Physiotherapeut zu erwerben. Zu hoffen ist, dass die deutschen Studiengänge die Chance für Physiotherapeuten erhöhen, von den kanadischen Regulierungsbehörden ohne größere Nachqualifizierung zum PCE zugelassen zu werden.
Dennoch bleibt abschließend zu sagen, dass für unsere Ausbildung noch viel zu bewegen und politische Überzeugungsarbeit zu leisten ist, um deutschen Physiotherapeuten die Anerkennung und schließlich eine praktische Tätigkeit als Physiotherapeut in Kanada oder anderswo auf der Welt zu ermöglichen.
Auf alle Fälle sind gute Kontakte nach Kanada geknüpft, die mit Sicherheit auch in Zukunft von praktischer Relevanz sein können. Und wieder einmal sieht der ZVK sich bestätigt, als Berufsverband die Akademisierung zur Professionalisierung der Physiotherapie-Ausbildung voranzutreiben.
Birgit Kienle
Referatsleiterin Aus-, Fort- und Weiterbildung im ZVK

Frau Birgit Kienle

Bilder: Martina Görlich
Bearbeitung: Andreas May

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 20.10.2016
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