Im internationalen Reiseverkehr ist nur noch eine Impfung vorgeschrieben, die Gelbfieberimpfung. Diese Impfung darf nur an hierfür von der zuständigen Behörde ermächtigten Institutionen bzw. Ärzten, durchgeführt werden. Die Tropenmedizinische Ambulanz ist eine dieser autorisierten Stellen. Alle weiteren Impfungen dienen Ihrem individuellen Schutz.
Entgegen der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird in einzelnen Ländern mitunter der Nachweis einer Choleraimpfung verlangt. Das Erkrankungsrisiko für Touristen ist jedoch sehr gering und die derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffe sind nicht zuverlässig. Der beste Schutz vor Cholera liegt in der Einhaltung der Regel des Umgangs mit Lebensmitteln in Ländern mit eingeschränkten hygienischen Bedingungen: "Koch es, schäl es, oder vergiss es!" Versteckte Ansteckungsquellen sind Eiswürfel. Auch zum Zähneputzen sollten im Zweifelsfalle abgefülltes Wasser benutzt werden. Falls dennoch eine Impfung von lokalen Behörden verlangt werden sollte, kann eine orale Choleraimpfung verabreicht werden.
Unabhängig von einer Reise sollte der Impfschutz gegen Diphtherie, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Wundstarrkrampf (Tetanus) bestehen. Diese werden von den Krankenkassen bezahlt. Eine Auffrischung ist erforderlich, wenn die jeweils letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt.
Eine Impfung gegen Hepatitis A ist für alle empfohlen, die nach 1950 geboren und in einem Land mit geringer Durchseuchung aufgewachsen sind. In Ländern mit hoher Durchseuchung findet meist eine stille Feiung im Kindesalter statt. Dies gilt auch für Jahrgänge der Nachkriegszeit in Deutschland. Die Bestimmung von Antikörpern gegen Hepatitis A kann sinnvoll sein, da die Immunität gegen Hepatitis A lebenslang anhält. Diese Untersuchung kann im Rahmen der reisemedizinischen Sprechstunde vorgenommen werden.
Die Indikation einer Impfung gegen Typhus hängt vom Reiseland und Reisestil ab. Orale und parenterale Impfstoffe sind in Ihrer schützenden Wirkung vergleichbar (ca. 70%). Die Injektionsimpfung bietet einen dreijährigen, die Schluckimpfung einen ein bis zweijährigen Schutz.
Reisende mit engem Kontakt zur Bevölkerung, insbesondere in den Sahelgürtel ("Meningitsgürtel") sollten sich gegen die bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) impfen lassen. Auch im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt nach Mekka ("Hadj, Umra") treten Meningitis-Epidemien auf, sodass bei Einreise von Pilgern und Saisonarbeitern nach Saudi-Arabien die Impfung vorgeschrieben ist. Ein wirksamer Impfstoff gegen die Meningokokken-Serotypen A,C,W-135 und Y steht zur Verfügung. Leider ist es noch nicht gelungen einen Impfstoff gegen den in Europa häufigsten auftretenden Serotyp B zu entwickeln.
Die in durch Zecken übertragene virale Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und verwandte "Russian Spring Summer Encephalitis" (RSSE) ist in Teilen Deutschlands, Nord-, Ost-, Südost-Europa, sowie in Nordasien bis incl. China endemisch. Ein aktiver Impfstoff steht für Kinder über zwölf Jahre und Erwachsene zur Verfügung. Die Impfung gegen FSME schützt auch vor der Infektion durch das RSSE-Virus.
In Südasien von Pakistan bis Südostasien besteht insbesondere in ländlichen Gebieten mit Schweinezucht und aktiver Wasserlandwirtschaft (Reisanbau) das Risiko einer Infektion durch die Japanische Enzephalitis. Das Virus wird durch nachtaktive Stechmücken übertragen. Das Infektionsrisiko kann durch entsprechenden Mückenschutz gesenkt werden. Der in den U.S.A. zugelassene Impfstoff steht in der tropenmedizinischen Ambulanz zur Verfügung. Die Immunisierung besteht aus drei Injektionen im Abstand von einer bis sechs Wochen. Aus Sicherheitsgründen muß die letzte Impfung zehn Tage vor Ausreise erfolgt sein.
Impfung gegen die häufig chronisch verlaufende und lebensgefährliche Hepatitis B sind sinnvoll bei Langzeitreisenden und Reisenden mit besonderem Expositionsrisiko: die Erkrankung wird durch Geschlechtsverkehr, durch kontaminierte Injektionsnadeln oder durch Blut- und Blutprodukte übertragen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen und einer Auffrischung nach weiteren fünf Monaten.
Bestimmte Personengruppen (Land- Waldarbeiter, Förster, Jäger, Tierpfleger, Höhlenforscher) mit verstärktem Kontakt mit Tieren ist eine prophylaktische Impfung gegen Tollwut indiziert. Diese besteht aus drei Impfungen im Abstand von je vier Wochen, bzw. am Tag 0,7,21 (beschleunigte Impfung). Im Falle eines Bisses durch ein tollwutverdächtiges Tier oder eines Schleimhautkontaktes muß auch bei bestehendem Impfschutz unmittelbar eine erneute Auffrischung mit einem geeigneten Impfstoff ("HDC, PCEC, Verozell"-Impfstoff) vorgenommen werden. Besteht kein Impfschutz muß eine kombinierte aktive und passive Impfung mit geeignetem Impfstoff so schnell wie möglich herbeigeführt werden. Da der Passivimpfstoff relativ teuer ist, ist er in vielen Entwicklungsländern nicht leicht zu beschaffen. Sollte es nicht gelingen, diesen z.B. über die Botschaftsärzte europäischer oder U.S.-amerikanischer diplomatischer Vertretungen kurzfristig zu besorgen, kann ein sofortiger Rückflug zur Impfung lebensrettend sein. Bisher wurde noch kein menschlicher Tollwutfall ohne tödlichen Ausgang beschrieben. Der Abschluß einer entsprechenden Rücktransportversicherung kann in diesem Zusammenhang besonders sinnvoll sein.
Eine Impfung gegen Malaria gibt es bisher nicht. Die Vorbeugung gegen Malaria beruht daher weiterhin auf dem Schutz vor Stechmücken und der regelmäßigen Einnahme von Malariamedikamenten.
Reiseapotheke
In unserer reisemedizinischen Sprechstunde können Sie auch Tipps für die Zusammenstellung einer Reisapotheke bekommen.
Neben den Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen, sollten Sie, abhängig von der Reisedauer und -ziel, an folgende Medikamente und Hilfsmittel denken:
- Tabletten gegen Reisekrankheit
- Mittel gegen Durchfall
- Mittel gegen Verstopfung
- Schmerz– und Fiebermittel
- Mittel gegen Husten und Schnupfen
- Fieberthermometer
- Verbandpäckchen
- Wunddesinfektionsmittel
- Mittel bei Sonnenbrand, Insektenstichen und Verbrennungen
- Nur nach Absprache mit dem Arzt eventuell ein Antibiotikum
- Denken Sie vor Reiseantritt auch an eine Auslandskranken- und Rücktransportversicherung!



