Motorik
Motorfunktionelle Tests detektieren subklinisch eine spätere HIV-1-assoziierte Encephalopathie
... und sind bei HIV-Patienten prädiktiv für negative Krankheitsverläufe, schwere Demenz und Tod.
(Arendt et al. 1989, 1990 u. 1994; Sacktor et al. 1996)
Die motorische Testserie, ursprünglich zur Er- fassung von Basalganglienstörungen entwickelt, zeigt bei HIV-Patienten sehr früh Ähnlichkeiten zu definierten Basalganglienerkrankungen wie Morbus Parkinson, Morbus Wilson und der Chorea Huntington auf.
Defizite der Feinmotorik gehen Substratläsionen um 3 - 5 Jahre voraus.
Daher stellen die Ergebnisse der Motorikmessungen wichtige Verlaufs- und Therapieparameter in der Routinekontrolluntersuchung des HIV-Kranken dar.
Pathologische Veränderungen dieser Messungen können auch bei niedriger Plasmaviruslasteine eine antiretrovirale Therapie bedingen. Testdauer: ca. 20 Minuten.
Messung der Feinmotorik
- Tremorpeakfrequenz (TPF)
- most rapid alternating movement (MRAM)
- most rapid voluntary isometric index finger extension
- Reaktionszeit (RT)
- Kontraktionszeit (CT)
Messung des Tremors der Hand
Ein Leichtgewicht-Accelerometer wird auf den Fingernagel des rechten, anschließend des linken Zeigefingers fixiert. Der Patient hält den Arm in horizontaler Position in der mittelsagittalen Ebene, den Unterarm dabei in Pronationsstellung, die Finger vollständig ausgestreckt. In der off-line Analyse wird der dominante Peakwert als Tremor-Peak-Frequenz (TPF) ermittelt.

Messung der MRAMs (most rapid voluntary alternating movement)
Die MRAMs werden mit oben beschriebenem Accelerometer in gleicher Fixation am Zeigefinger gemessen. Der Patient platziert die Hand möglichst komfortabel und hält den Zeigefinger dabei in Streckposition. Der Versuchsleiter zeigt, wie der Zeigefinger in höchstmöglicher Frequenz bewegt werden soll, dabei wird im Metacarpophalangeal- Gelenk flektiert und extendiert (hin- und herbewegt). Dieser Test wird nicht geübt, da die höchstmögliche Frequenz nur einige Sekunden lang durchhaltbar und die 30s lange Messdauer zur Ermittlung der Höchstfrequenz ausreichend ist.
Messung der MRC (most rapid voluntary isometric index finger extension)
Der Zeigefinger des Patienten wird zur isometrischen Kraftmessung im Bereich der mittleren bzw. Endphalange in einem Plastikring variablen Durchmessers fixiert, der an einen Kraftaufnehmer angeschlossen ist. Aufgabe des Patienten ist es, nach dem Hören eines akustischen Signals von 50ms Dauer so schnell wie möglich mit einer kurzen kräftigen Kontraktion nach oben zu reagieren. In der offline Analyse der Kontraktionen werden Reaktionszeit RT (Zeitspanne zwischen Beginn des akustischen Signals und Beginn der Kontraktion) und Kontraktionszeit CT (Zeitspanne zwischen Beginn der Kontraktion und deren Maximum), sowie die Kraftamplitude (AM) und die Geschwindigkeit des Spannungsanstiegs RRT (RRT=AM/RT) berechnet.



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