Das Organ Blut
Das Organ Blut
Blut ist ein Organ, das größte unseres Körpers. Es macht ca. 8 bis 10 % unseres Körpergewichtes aus. Auf den ersten Blick wirkt Blut flüssig, auf den zweiten Blick – etwa unter dem Mikroskop – entdecken wir bereits in einem Mikroliter mehrere Millionen fester Teilchen, die Blutzellen, die mit dem flüssigen Anteil des Blutes, dem Plasma, in unserem Gefäßsystem zirkulieren. Wir kennen drei Arten von Blutzellen: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutzellen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Das ausgeklügelte, sich gegenseitig ergänzende Zusammenspiel der einzelnen Blutbestandteile bewirkt, dass Blut eine Vielzahl lebenswichtiger Funktionen für unseren Körper übernimmt. Es nährt, wärmt, kühlt, entsorgt und verteidigt unseren Organismus. Es repariert und schützt.
Zusammensetzung des Blutes, Blutbestandteile
| Erythrozyten sind für die Sauerstoffversorgung verantwortlich. Sauerstoff ist eine der wichtigsten Energiequellen unseres Körpers. Die Erythrozyten transportieren Sauerstoff (O2) von der Lunge zu den einzelnen Organen. Auf ihrem Rückweg von den Organen zur Lunge entsorgen die roten Blutkörperchen Kohlendioxyd (CO2). Diese Funktion können Erythrozyten erfüllen, da sie Hämoglobin enthalten, ein eisenhaltiges Eiweißmolekül. Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff der Erythrozyten, gibt unserem Blut seine Farbe. Er verleiht uns den rosigen Teint und lässt Menschen mit Mangel an roten Blutkörperchen und damit auch an Hämoglobin (Anämie) blass erscheinen. Je nach Sauerstoffgehalt des Blutes ändert sich übrigens auch seine Farbe: sauerstoffreiches (arterielles) Blut ist hellrot, sauerstoffarmes (venöses) Blut hingegen dunkelrot. Leukozyten setzen sich aus verschiedenartigen Zelltypen (Granulozyten, Monozyten, Lymphozyten) zusammen. In ihrer Gesamtheit bilden sie ein raffiniertes Abwehrsystem, die Verteidigungsarmada unseres Organismus. Dringen z.B. Bakterien in den Körper ein, steigt die Zahl weißer Blutkörperchen deutlich an. Es besteht dann eine Leukozytose als Ausdruck des Infekts. Thrombozyten sind winzige Zellpartikel. Gleichwohl ist ihre Bedeutung enorm. Sie sorgen für die Blutstillung, verhindern, dass wir bei einer Verletzung verbluten und tragen zur Wundheilung bei. Findet der Prozess der Blutstillung innerhalb eines Gefäßes statt, kann es zu einer Thrombose kommen. Plasma, der flüssige Bestandteil des Blutes, ist bernsteinfarben und besteht zu 90 % aus Wasser. Im Plasma sind Salze, Kohlenhydrate, Fette, Hormone, Vitamine, vor allem über 100 verschiedener Eiweiße gelöst, darunter auch Abwehrstoffe. Diese Antikörper, auch Immunglobuline genannt, werden von spezialisierten weißen Blutkörperchen, den Plasmazellen, gebildet und schützen unseren Körper vor eindringenden Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze). | ![]() |
Sind Antikörper gegen bestimmte Bakterien oder Viren im Blut nachweisbar, z.B. gegen die Erreger von Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Masern, erkennt der Arzt, dass der Patient Abwehrstoffe gegen diese Krankheiten besitzt. Übrigens, Impfung bedeutet, dass unser Körper zur Bildung von Abwehr-stoffen angeregt wird (aktive Immunisierung) oder dass Abwehrstoffe übertragen werden (passive Immunisierung).
Funktionen des Blutes
Blut – Energielieferant und Entsorgungssystem. Blut ist beweglich, es fließt und erreicht jeden Winkel unseres Körpers. Aufgrund dieser Eigenschaften erfüllt es zwei wesentliche Funktionen für unseren Organismus: es ist Transportmittel von Energiestoffen, und es ist Entsorgungssystem anfallender Stoffwechselprodukte.
Blut – eine Klimaanlage
Blut versorgt den Körper mit Wärme. Wegen der feinen Verzweigung der Gefäßbahnen ist es für diese Funktion geradezu ideal. Ein gut durchbluteter Körper ist warm und rosig. Umgekehrt schützt das System vor Überhitzung, etwa bei schwerer Arbeit oder Sport. Dann weiten sich die Venen, und der Körper gibt angestaute Wärme nach außen ab. Im Winter schützen die Gefäße den Körper vor Wärmeverlust, indem sie sich zusammenziehen. Blut, Kreislaufsystem und Gefäße funktionieren also als körpereigene Klimaanlage.
| Blut – ein raffiniertes Abwehrsystem Eine Vielzahl von Erregern, etwa Viren, Bakterien oder Pilze, attackieren und belagern täglich unseren Köper. Obwohl winzig, können sie uns erheblich schaden. Wie kommt es, dass wir verhältnismäßig selten an solchen unliebsamen Eindringlinge erkranken? Unser Organismus hat einen wirksamen Abwehrapparat gegen die gefährlichen Winzlinge errichtet, das Immunsystem. Es erkennt die fremden Eindringlinge und bekämpft sie. Der Hauptaustragungsort des Abwehrkampfes ist – wie könnte es anders sein – das Blut. Die Akteure dieses Abwehrapparats sind spezialisierte weiße Blutzellen und Antikörper. Blut – Lieferant des Wundkitts Wir schneiden uns mit einem Messer, die Wunde fängt an zu bluten. Nach kurzer Zeit verklebt die verletzte Stelle, die Blutung ebbt ab. Blut wirkt als körpereigener Wundkitt. Diesen mit dem bloßen Auge wahrnehmbaren Prozess hat jeder an sich selbst oft erlebt. Den meisten Menschen ist die Blutstillung (Hämostase) eine Selbstverständlichkeit. Wir vertrauen tagtäglich auf die reibungslose Funktionsfähigkeit unseres Hämostasesystems. Was so unkompliziert erscheint, setzt in Wirklichkeit ein kompliziertes Zusammenspiel von Blutplättchen, Gerinnungsfaktoren und Gefäßwandkomponenten voraus. Hierbei hat jeder auch noch so kleine Bestandteil seine unverzichtbare Funktion. Fehlt z.B. nur ein Baustein, etwa ein Gerinnungsfaktor, treten schwerwiegende Störungen auf (Bluterkrankheit). | ![]() |




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