Morbus Gaucher


Definition 

Der Morbus Gaucher ist eine angeborene Stoffwechselkrankheit, die auf einem autosomal-rezessiven Mangel des Enzyms β-Glukocerebrosidase beruht.

 

Ätiologie und Pathogenese 

Durch eine Mutation im Gluco­cerebrosidase-Gen und nachfolgenden Mangel des Enzyms Gluco­zerebrosidase lagern sich Gluco­zere­bro­side (spezielle Moleküle des Fettstoff­wechsels, die insbesondere im Rahmen des Abbaus von Blutzellen entstehen) in Makro­phagen ("Fresszellen") von Leber, Milz, Knochenmark und anderen Organen ab. Die zunehmende Überladung mit Glukozerebrosiden führt zu einer Größenzunahme von Leber und Milz sowie zu einer Verdrängung des blutbildenden Knochenmarks. Folge ist einerseits eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) und roten Blutkörperchen (Erythrozyten), andererseits eine zunehmende Zerstörung von Knochensubstanz. Bei sehr seltenen kindlichen Formen (sog. Typ 2 und Typ 3 der Erkrankungen) treten durch Einlagerung von  Gluco­zere­bro­siden in Nervengewebe auch neurologische Schäden wie Lähmungen und Bewegungsstörungen auf.

Bei den primär neurologischen Formen, der infantilen akut-neuronopathischen Form Typ II und der chronisch-neuronopathischen Form Typ III – der Erkrankung treten durch Einlagerung von Glucocerebrosiden im Nervengewebe schwerste neurologische Schäden wie Lähmungen und Bewegungsstörungen auf.


Symptome/Klinik 

Die betroffenen Patienten weisen Knochenschmerzen, eine Leistungsminderung und Blutungsneigung auf. Je schwerer die Erkrankung ausgeprägt ist, desto früher tritt sie in Erscheinung. Die Patienten zeigen ferner, bedingt durch eine Abwehrschwäche, eine erhöhte Infektneigung. Die Laboruntersuchungen zeigen eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und roten Blutkörperchen (Anämie). Im Ultraschall fallen eine vergrößerte Leber und Milz auf. Im Röntgen oder MRT zeigen sich Knochenveränderungeen mit Zerstörung der Bälkchenstruktur und Knocheninfarkte, die zuerst im Bereich der langen Röhrenknochen der Beine sichtbar werden. Selten findet sich ein Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) durch Einlagerung von Glucozerebrosiden in die Makrophagen der Lunge. Bei klinischem Verdacht und entsprechenden Befunden in Labor, Ultraschall und Röntgen sollte in einem Speziallabor die Chitotriosidaseaktivität und Glucozerebrosidaseaktivität im Plasma bestimmt werden.


Therapie

Es wird das fehlende Enzym, das gentechnisch hergestellt wird, als Infusionstherapie in der Regel alle vierzehn Tage über einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden intravenös verabreicht. Derzeit sind in Deutschland zwei Präparate zugelassen: Imiglucerase und Velaglucerase. Die bei Beteiligung des zentralen Nervensystems vorhandenen neurologischen Symptome werden durch die Therapie nicht beeinflusst. Nach Zulassung eines Vorgängerpräparats, Miglustat, im Jahr 2003 erfolgte vor kurzem die Zulassung der sog. Subtratreduktionstherapie mit Eliglustat, die ähnlich effektiv zu sein scheint wie die Therapie der Erkrankung mit Imiglucerase oder Velaglucerase.

Durch die Therapien kann eine deutliche Verbesserung der Symptome, der ossären und der hämatologisch-viszeralen Manifestationen erreicht werden. Die Therapie muss lebenslang durchgeführt werden. Neurologische Symptome der Krankheit sprechen nicht auf die Therapie an.

 
Links: 

Gaucher Gesellschaft Deutschland e.V.: www.ggd-ev.de


Studien
 

Patienten, die in der Düsseldorfer Gaucher-Ambulanz betreut werden, haben die Möglichkeit, an Studien zu in der klinischen Prüfung befindlichen neuen Medikamenten teilzunehmen.

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 02.03.2016
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