E-Zigarette zur Tabakentwöhnung - Tabakkonsum ist einkommens- und bildungsabhängig

Düsseldorf - 05.04.18

VON: SUSANNE DOPHEIDE

Alle zwei Monate wird in einer repräsentativen Stichprobe das Rauchverhalten von 2.000 Personen deutschlandweit erhoben. Im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichen die Autoren des Instituts für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nun die Ergebnisse zum Rauchverhalten und zur aktuellen Nutzung von E-Zigaretten in Deutschland seit Juni/Juli 2016.


Dampfen statt rauchen: Die E-Zigarette wird auch als Mittel zur Tabakentwöhnung benutzt, Foto: Fotolia

Danach liegt der Tabakkonsum in Deutschland im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern wie Italien, dem Vereinigten Königreich und skandinavischen Ländern insgesamt sehr hoch. Und: Je niedriger Haushaltseinkommen und Bildungsgrad desto mehr Tabak wird konsumiert.

Die Daten der DEBRA Studie sollen auch als Grundlage für politische Entscheidungen zur Tabakkontrolle dienen. Die Gefahren des Rauchens, von Krebserkrankungen, allen voran der Lungenkrebs, bis hin zu Herz- und Gefäßerkrankungen sind hinlänglich bekannt. Trotzdem greifen in Deutschland immer noch 28,3 Prozent der Menschen zur Zigarette oder anderen Tabakprodukten. Zwischen den Bundesländern gibt es allerdings deutliche Unterschiede: Nordrhein-Westfalen liegt mit 30 Prozent im oberen Drittel, Spitzenreiter beim Tabakkonsum ist Brandenburg mit 42,6 Prozent und mit 18,1 Prozent wird in Hessen am wenigsten geraucht. Der höhere Tabakkonsum in Bevölkerungsschichten mit niedrigerem Schulabschluss und Haushaltsnettoeinkommen trägt letztlich zu den ohnehin gesundheitlich nachteiligen Lebensbedingungen in dieser Bevölkerungsschicht bei.

Die Suchtforscher/innen Prof. Dr. Daniel Kotz, Dr. Sabrina Kaustaun und Dr. Melanie Böckmann haben auch Methoden der Tabakentwöhnung und ihre Verbreitung erhoben. 28,1 Prozent der Rauchenden hatten im letzten Jahr den Versuch unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Häufigste Methode war die E-Zigarette (9,1 Prozent). Nachgewiesen hilfreiche Methoden der Tabakentwöhnung, wie ärztliche Kurzberatung oder pharmakologische Therapien, z.B. Nikotinpflaster, wurden nur von 6 bzw. 7 Prozent genutzt.

„Hier ist deutlich Luft nach oben“, sagt Prof. Dr. Daniel Kotz, „nur wenige Entwöhnungsversuche werden in Deutschland durch solche Methoden unterstützt, - im Gegensatz z.B. zu England, wo Rauchstoppversuche mit ärztlicher Beratung, Verhaltenstherapie oder Nikotinersatztherapie deutlich häufiger begleitet werden.“ Deutschland ist auch das einzig verbliebene Land in Europa, das noch Tabakaußenwerbung erlaubt. Auch beim Nichtraucherschutz könnte Deutschland aufholen: In Italien, Irland und Finnland sind z.B. Rauchverbote in Autos, in denen Kinder mitfahren, längst eingeführt. „Wir haben in Deutschland deutlichen Bedarf an weiteren Maßnahmen“, ist Daniel Kotz überzeugt.

Die DEBRA Studie wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW im Rahmen des „NRW-Rückkehrerprogramms“ gefördert.

 

Kontakt: undefinedProf. Dr. Daniel Kotz, Institut für Allgemeinmedizin, Schwerpunkt Suchtforschung und klinische Epidemiologie, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tel.: 0211 / 81-1 63 27


 
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  • Zuletzt aktualisiert am 18.09.2015
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