Schilddrüse
Überschrift

Die Hashimoto Thyroiditis (HT) ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Demgegenüber steht das papilläre Schilddrüsenkarzinom (PTC), welches unter anderem durch eine lymphozytäre Infiltration gekennzeichnet ist.
In unserem aktuellen Übersichtsartikel tragen wir die aktuellen Erkenntnisse bezüglich der Immunreaktion bei der HT zusammen und diskutieren den potenziellen immunologischen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen. Folgende Fragen stehen dabei im Vordergrund: 1. Existiert zu Beginn eine Autoimmunerkrankung, die im Folgenden zur Entstehung eines Tumors führt? 2. Existiert zu Beginn ein kleiner Tumor, der eine Immunreaktion hervorruft? Wird diese Immunreaktion dann fehlgeleitet, sodass eine Autoimmunerkrankung entsteht? 3. Existiert eine immunologische Toleranz, die die Entstehung eines Tumors möglich macht, trotz einer vorhandenen (Auto)Immun-Reaktion?

Bild:Kreuzreaktion

Die Abbildung verdeutlicht eine potentielle Kreuz-Reaktion zwischen anti-Tumor-Immunität und Autoimmunität

Linke Seite: Eine zielgerichtete anti-Tumor-Immunität (unter Beteiligung einer Reihe von Immunzellen: Plasmazelle, zytotoxische Zelle (CTL), regulatorische T-Zelle (Treg) und T-Helfer 17 Zelle (th17) gegen z.B. kleine Karzinome (Mikrokarzinome) könnte fehlgeleitet werden. Als Folge könnten gesunde Bereiche der Schilddrüse angegriffen und zerstört werden, was zur Entstehung einer Autoimmunerkrankung führen könnte (rechte Seite). Es ist aber ebenso möglich, dass eine existierende Autoimmunerkrankung (rechte Seite), die Entstehung eines Tumors erleichtern könnte (linke Seite). Ein Grund hierfür könnte die Beeinflussung bestimmter Mechanismen durch die Autoimmunerkrankung sein, wie z.B. Zelltod, Proliferation (Vervielfältigung der Zellen), Gefäßbildung und auch Dauer der Entzündung.

Immunreaktion

Eine aktuell abgeschlossene Studie befasst sich mit der Frage, ob und in wiefern eine erhöhte Jodzufuhr den immunologischen Prozess einer Autoimmunthyroiditis (AIT) in genetisch prädisponierten Individuen beeinflusst. Die Arbeitsgruppe von Prof. Schott konnte zeigen, dass eine erhöhte Jodzufuhr zwar leichte immunologische Veränderungen hervorruft (Veränderung der Frequenz einiger Immunzellen sowie der Zytokin-Produktion, siehe Abbildung), aber vermutlich nicht den Krankheitsverlauf im genetisch prädisponierten Individuum verändert, da die klinischen Symptome einer AIT (z.B. Gewichtszunahme) unverändert blieben.

Jod Abbildung

Ein breites Spektrum an immunologischen Zellen und Botenstoffen wurde in der Studie untersucht. Diese Abbildung zeigt exemplarisch die Resultate für proinflammatorische Zellen. Eine moderate und erhöhte Jodzufuhr führte zu einer erhöhten Anzahl an CD8 positiven T Zellen in der Schilddrüse (A). Eine repräsentative histologische Färbung der T Zellen (weiße Pfeile) im Schilddrüsengewebe ist in Abbildung B zu sehen.

Autoimmun

Die Arbeitsgruppe von Prof. Schott hat in einer publizierten Arbeit erstmals immunregulatorische NK-Zellen identifiziert. Diese Zellen sind in der Lage, aktivierte zytotoxische CD8+ T-Zellen abzutöten. Diese Resultate sind entscheidend für das Verständnis von Autoimmunerkrankungen aber auch der Antitumorimmunität. Zugleich wird ein Link zwischen dem angeborenen und erworbenen Immunsystem hergestellt. 

regulatorische NK Zellen

Abbildung A zeigt, dass aktivierte CD8+ T-Zellen von immunregulatorischen (c-kit+) NK-Zellen abgetötet werden können (PD-1L-abhängig). In Abbildung B ist eine immunhistologische Färbung von Langerhans' Inseln zu sehen, die mit PD-1L exprimierenden CD8+ T-Zellen infiltriert werden.

 

Hashimoto Thyroiditis und TPO und Tg

In der Anfang 2012 veröffentlichten Arbeit konnte erstmals gezeigt werden, dass im peripheren Blut und in der Schilddrüse von Patienten mit einer Hashimoto Thyroiditis CD8+ Lymphozyten nachweisbar sind, die die Thyreoperoxidase (TPO) und das Thyreoglobulin (Tg) als Antigene erkennen. Schon zum Zeitpunkt der Erstdiagnose der Erkrankung werden beide Antigene vom Immunsystem erkannt. Dies ist relevant, da man bisher glaubte, dass die TPO das Hauptantigen darstellt. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass die Anzahl der TPO- und Tg-spezifischen CD8+ T-Zellen während des Krankheitsverlaufs zunimmt.

Anzahl der TPO- und Tg-Spezifischen T Zellen im HT-Patienten

HLA-A2 positive Hashimoto Thyroiditis Patienten zeigen eine signifikant höhere Frequenz an TPO- und Tg-spezifischen CD8+ T-Zellen als HLA-A2 positive Struma Patienten und gesunde Kontrollen.

cd8

In der Arbeitsgruppe werden verschiedene Studien zur Pathogenese, Diagnostik und Therapie von autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen durchgeführt. Wesentliche Arbeiten beschäftigten sich mit Stellenwert der TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) -Bestimmung für die Diagnostik und Prognoseabschätzung des Morbus Basedows. In einer multizentrischen, internationalen Studie wurde auch ein neuer, automatisierter TRAK-Assay getestet, der vergleichbar gute Resultate wie die herkömmlichen manuellen Assays zeigt. Weitere Studien befassen sich mit immunologischen Fragestellungen bei der Hashimoto-Thyreoiditis als auch dem Stellenwert von Spurenelementen wie zum Beispiel Selen.

 

Litstelle
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  • Ehlers M, Thiel A, Papewalis C, Domroese A, Stenzel W, Bernecker C, Haase M, Allelein S, Schinner S, Willenberg H, Feldkamp J, Schott M: Enhanced iodine supplementation alters the immune process in a transgenic mouse model for autoimmune thyroiditis. Thyroid. 2014 Jan 24. [Epub ahead of print]
  • Ehlers M, Papewalis C, Stenzel W, Jacobs B, Meyer KL, Deenen R, Willenberg HS, Schinner S, Thiel A, Scherbaum WA, Ullrich E, Zitvogel L, Schott M: Immunoregulatory Natural Killer Cells Suppress Autoimmunity by Down-Regulating Antigen-Specific CD8+ T Cells in Mice. Endocrinology. 2012 Sep;153(9):4367-79. Epub 2012 Jun 25.
  • Ehlers M, Thiel A, Bernecker C, Porwol D, Papewalis C, Willenberg HS, Schinner S, Hautzel H, Scherbaum WA, Schott M:
    Evidence of a combined cytotoxic thyroglobulin and thyroperoxidase epitope-specific cellular immunity in Hashimoto's thyroiditis. J Clin Endocrinol Metab. 2012 Apr;97(4):1347-54. Epub 2012 Jan 18
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  • Hermsen D, Liu C, Domberg J, Graeber C, Feldkamp J, Duan y, Xu K, Liu C, Mao X, Scherbaum WA und Schott M: Comparison of a solid phase human versus porcine thyrotropin receptor-based immunoassay for the measurement of thyrotropin receptor antibodies in patients with thyroid diseases. Exp Clin Endocrinol Diab 2008, 116: S59-63
  • Liu C, Hermsen D, Domberg J, Graeber C, Hautzel H, Duan Y, Xu XF, Liu CP, Nao XD, Cupisti K, Scherbaum WA und Schott M: Comparison of M22-based ELISA and Human-TSH-Receptor-based Luminiscence Assay for the Measurement of Thyrotropin Receptor Autoantibodies in Patients with Thyroid Diseases. Horm Metab Res 2008, 40: 479-483
  • Domberg J, Chao L, Papewalis C, Pfleger C, Xu K, Willenberg HS, Hermsen D, Scherbaum WA, Schloot NC und Schott M: Circulating chemokines in patients with autoimmune thyroid diseases. Horm Metab Res 2008, 40: 416-21
  • Schott M, Scherbaum WA und Morgenthaler NG: TSH-receptor autoantibodies in Graves’ disease: Recent developments in the diagnosis and therapy monitoring. Trends Endocrinol Metab 2005, 16:243-8
  • Schott M, Morgenthaler NG, Fritzen R, Feldkamp J, Scherbaum WA und Seissler J: Levels of autoantibodies against human TSH receptor predict relapse of hyperthyroidism in Graves’ disease. Horm Metab Res 2004, 36(2):92-96

 

     Laborleiterin     

 

       

Dr. rer. nat. Margret Ehlers

Postdoc

Tel: +49 (0)211 81 17818

margret.ehlers@uni-duesseldorf.de

 

         Mitarbeiter

 

       

Roswitha Charko

Medizinisch-technische Assistentin

Tel: +49 (0)211 81 17866

roswitha.charko@uni-duesseldorf.de

 

      

Ursula Dötter

Medizinisch-technische Assistentin
Tel.: +49 (0)211 81 18521

Ursula.Doetter@med.uni-duesseldorf.de

 


 
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  • Zuletzt aktualisiert am 05.07.2016
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