Nase und Nasennebenhöhlen

Allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen)

Die allergische Rhinitis (AR) ist die häufigste Immunkrankheit und eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt – mit weiterhin ansteigender Tendenz. Fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland und Europa ist hiervon betroffen. Die Erkrankung beginnt meist in der Kindheit und hat vielfältige Auswirkungen auf die Patienten, beispielsweise auf das Sozialleben, die schulische Leistungsfähigkeit und die Arbeitsproduktivität.

Viele andere Erkrankungen können durch die allergische Rhinitis ausgelöst werden bzw. begleiten diese (sogenannte Komorbidität), unter anderem Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergie, atopisches Ekzem (Neurodermitis), Sinusitis etc. So ist z. B. das Asthma-Risiko bei erwachsenen Patienten mit allergischer Rhinitis um den Faktor 3,2 höher als bei Gesunden. Dies kommt unter anderem in der Initiative Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ausdruck.

Die durch die allergische Rhinitis und ihre Komorbiditäten hervorgerufenen sozioökonomischen Folgen sind erheblich. Die allergische Rhinitis wird immer noch weitgehend unterschätzt, unterdiagnostiziert und untertherapiert!

Definition

Die allergische Rhinitis wird klinisch definiert als eine symptomatische Erkrankung der Nase, hervorgerufen durch eine IgE- vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut nach Allergenkontakt. Früher konnte sie klinisch unterteilt werden in eine saisonale (nur zu einer bestimmten Saison vorkommende), perenniale (ganzjährige) oder berufsbedingte Form, wobei diese Einteilung nicht durchgehend angewendet werden kann. Heute können auch in Deutschland saisonale Allergene beinahe das ganze Jahr präsent sein. Zudem zeigen perenniale Allergene saisonale Schwankungen ihrer Menge in der Atemluft über das Jahr.

Daher wurde von einer Arbeitsgruppe der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Klassifizierung vorgeschlagen, die die Dauer der Symptomatik in den Vordergrund stellt. Die Schwere der Symptomatik soll anhand ihrer Ausprägung und anhand der Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten definiert werden.

Klassifizierung der allergischen Rhinitis (mod. nach WHO/ARIA)

Dauer der Symptomatik
intermittierend persistierend
weniger als 4 Tage pro Woche oder weniger als 4 Wochen mehr als 4 Tage pro Woche und mehr als 4 Wochen
Schwere der Symptomatik
gering mäßig bis schwer
Symptome sind vorhanden Symptome beeinträchtigen die Lebensqualität nicht Symptome sind vorhanden und belastend Symptome beeinträchtigen die Lebensqualität

Lebensqualitätsparameter: Schlafqualität, schulische oder berufliche Leistungen, Alltagstätigkeiten, sportliche Aktivitäten

Symptomatik

Typischerweise beginnt die Pollenallergie mit Beschwerden wie Juckreiz in der Nase und Rötung und Fremdkörpergefühl in den Augen. Je nach Intensität des Pollenflugs beginnt dann oftmals schlagartig das Vollbild der Erkrankung mit weißlich-wässrigem Sekretfluss, massivem Juckreiz, anfallsartigen Niesattacken und Nasenatmungsbehinderung sowie Rötung und Juckreiz der Augenbindehäute und Tränenfluss. Gemeinsam mit den Beschwerden tritt oftmals ein allgemeines Krankheitsgefühl mit z.B. Schwäche, Müdigkeit, Schlafstörungen und Abgeschlagenheit auf.

Die pollenbedingte Rhinitis zeichnet sich vor allem durch Niesen, Sekretion und Begleitkonjunktivitis aus, während ganzjährige Rhinitiden als wichtigstes Symptom eine verstopfte Nase verursachen. Bei der persistierenden Rhinitis nach neuer Definition sind alle Symptome gleichermaßen stark ausgeprägt.

Heute findet man nur noch bei etwa 20% der Patienten einen reinen Heuschnupfen (intermittierende Rhinitis), während 40% eine ganzjährige Symptomatik und weitere 40% Mischformen aufweisen.

Die Stärke der Reaktion der Nasenschleimhaut auf einen Allergenkontakt ist vom Entzündungszustand der Schleimhaut abhängig und variiert über das Jahr. Eine gesteigerte Reaktion aufgrund vorangegangenem wiederholten Kontakt zum Allergen wird als “Priming” bezeichnet.

Wichtig ist, dass auch ein nur vorübergehender Allergenkontakt in einer Pollensaison zu einer andauernden Entzündung der Schleimhäute führen kann (persistierende Entzündung). Somit kann der Entzündungszustand in der Nasenschleimhaut unbemerkt bestehen bleiben, auch wenn die Patienten weitgehend symptomfrei sind.

Dies wird heute als wichtiger Mechanismus der Ausbildung einer chronischen Schleimhautentzündung angesehen.

Die unspezifische nasale Hyperreaktivität ist ein weiteres Merkmal der allergischen Rhinitis. Sie ist definiert als eine verstärkte Antwort (Niesen, Nasenverstopfung, Naselaufen) auch auf unspezifische Reize (Tabakrauch, Stäube, Geruchsstoffe, Temperaturänderungen und Anstrengung) und bildet sich meist nach länger bestehender Erkrankung aus.

Die Komorbiditäten der allergischen Rhinitis sind vielfältig und für die Patienten oftmals sehr belastend. Die durch die allergische Rhinitis bedingten Störungen der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit reichen von Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit bis hin zur Verminderung der Lernfähigkeit bei Kindern. Von den Kindern mit saisonaler allergischer Rhinitis (AR) leiden 80% an begleitender Pharyngitis, 70% an Konjunktivitis, 40% an Asthma bronchiale und 37% am atopischen Ekzem. Insbesondere das Asthma wurde in einigen Studien als wichtige Komorbidität der allergischen Rhinitis erkannt, bei Kindern mit 32 % und bei Erwachsenen mit 16 %. Umgekehrt leiden über 80% der Asthmatiker auch unter AR. Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) ist mit einer Koinzidenz von 25 % eine weitere wesentliche Erkrankung, die zur Morbidität der Patienten beiträgt und in die Differenzialdiagnose der allergischen Rhinitis einbezogen werden muss. Auch häufige Mittelohrentzündungen bei Kindern oder ein chronischer Paukenerguss sind überzufällig häufig mit einer Allergie verbunden. Zumindest für Kinder besteht zudem ein nachgewiesener Zusammenhang mit Schnarchen und obstruktiver Schlafatmungsstörung.

Symptome und Komorbidität der allergischen Rhinitis

Primäre Symptome Sekundäre Symptome Komorbidität
Niesen Juckreiz Sekretion Obstruktion Husten Halsschmerzen Lidödeme Mundatmung/Dyspnoe Schlafstörungen nasale Hyperreaktivität Konjunktivitis Sinusitis Asthma atopisches Ekzem Nahrungsmittelallergie rezidivierender Paukenerguss Gedeihstörung eingeschränkte Leistungsfähigkeit

Diagnostik

Die Diagnose der allergischen Rhinitis basiert auf einer typischen Krankheitsgeschichte (Anamnese) mit allergischen Symptomen und den Ergebnissen diagnostischer Tests, die am Patienten (in vivo) und in Labortests (in vitro) erfolgen. Die klinische Untersuchung umfasst die innere Nase (Rhinoskopie), die äußere Nase und die Augen sowie die umgebende Hautregion. Standard der nasalen Untersuchung ist heute die Nasenendoskopie mit starren oder flexiblen Endoskopen.

Als Hauttests eignen sich der Prick-Test sowie der Intrakutantest mit kommerziell erhältlichen, standardisierten Allergenextrakten. Bei besonderen anamnestischen Hinweisen werden auch andere Hauttests wie Reibtest, Prick-zu-Prick-Test und Scratch-Test eingesetzt.

Im Labor erfolgen der Nachweis von Antikörpern vom Typ IgE und evtl. Funktionstests an Zellen des Immunsystems. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen einer Sensibilisierung im Haut- und Labortest und einer klinisch relevanten Erkrankung. Insbesondere bei ganzjährigen Allergenen kann eine Sensibilisierung ohne klinische Bedeutung vorliegen. Zur Bestätigung der klinischen Bedeutung dient insbesondere der nasale Provokationstest (der Nachweis der Schleimhautreaktion an der Nase nach Allergenkontakt).

Im Einzelfall wird der Test auch eingesetzt, um bei negativem Hauttest bzw. fehlendem Nachweis allergenspezifischer IgE-Antikörper eine Reaktion der Nasenschleimhaut auf ein vermutetes Allergen aufzuzeigen (lokale IgE-Produktion).

Therapie

Die Therapie der allergischen Rhinitis hat die Beseitigung der Symptome, die Aufhebung der Entzündungsreaktion, die Gesundung der Schleimhäute und der Funktionen der Nase und die Normalisierung der Lebensqualität des Patienten zum Ziel. Sie besteht aus

  • Karenzmaßnahmen zur Vermeidung allergischer Auslöser
  • der Behandlung mit Medikamenten
  • sowie einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
  • in Einzelfällen auch der Beseitigung chronisch gewucherter Schleimhaut.

Die vollständige Karenz des auslösenden Allergens stellt die beste Behandlungsform allergischer Erkrankungen dar, ist jedoch für die meisten Allergene, wie z. B. Pollen und Milben, nur eingeschränkt möglich.

Die medikamentöse Behandlung umfasst meist Antihistaminika und topische nasale Steroide. Moderne Vertreter dieser Medikamente zeichnen sich gegenüber älteren und früher verwendeteten durch eine bessere Wirksamkeit bei gelichzeitig seltener auftretetenden Nebnewirkungen aus.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist neben der Allergenkarenz die einzige kausale Therapie allergischer Erkrankungen und sollte möglichst früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit ist ausreichend belegt. Neben dem therapeutischen Aspekt ist bei der Indikationsstellung auch der präventive Aspekt einer SIT zur Vermeidung von Neusensibilisierungen und der Entwicklung eines Asthma bronchiale und der weiteren o.g. Folge- und Begleiterkrankungen der allergischen Rhinitis zu beachten. Die SIT kann auch bei gleichzeitig bestehendem Asthma eingesetzt werden und reduziert die nasalen und bronchialen Symptome.

Hinsichtlich der immunologischen Wirkmechanismen, der Standardisierung und Herstellung von Allergenextrakten, der praktischen Durchführung, der sublingualen Immuntherapie und der Behandlung unerwünschter Wirkungen wird auf das Positionspapier der deutschen allergologischen Gesellschaften verwiesen.

Sonstige Therapieansätze

Humanisierte Anti-IgE-Antikörper wurden in mehreren Studien zur allergischen Rhinitis eingesetzt. Möglicherweise hat diese Therapieform eine additive Wirkung zusammen mit einer Immuntherapie; die mögliche Rolle von Anti-IgE-Antikörpern bei der allergischen Rhinitis muss jedoch weiter untersucht werden.

Besondere Aspekte bei Kindern

Die allergische Rhinitis ist vor dem zweiten Lebensjahr selten, nimmt aber an Häufigkeit im Schulalter deutlich zu und ist Teil des sogenannten “allergischen Marsches” während der Kindheit. Allergietests können in jedem Alter durchgeführt werden, müssen aber altersbezogen eingesetzt (z. B. Pricktest) und ausgewertet werden.

Die Behandlungsprinzipien sind für Kinder die gleichen wie für Erwachsene. Besondere Sorgfalt muss jedoch auf die Vermeidung von für diese Altersgruppe typischen Nebenwirkungen gelegt werden, die Dosierung der Medikamente muss angepasst werden.

Bei Kindern kann die allergische Rhinitis kognitive Funktionen und die schulische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine weitere Beeinträchtigung durch die Einnahme sedierender oraler H1-Antihistaminika sollte vermieden werden. Intranasale Glukokortikosteroide sind auch im Kindesalter eine wirksame Alternative. Aufgrund des möglichen Effekts einiger topischer Steroide bei Langzeittherapie auf das Wachstum ist auf die Anwendung möglichst sicherer Präparate zu achten.

Hinweis

Aktuelle Informationen zum Pollenflug finden Sie auf der Seite des DWD

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 17.09.2015
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