Mundhöhlenkarzinom

Beim Mundhöhlenkarzinom handelt es sich um eine „Krebserkrankung“ der Mundhöhle, die in der Regel von der obersten Zellschicht der Mundschleimhaut ausgeht.

Prinzipiell kann das Mundhöhlenkarzinom überall in der Mundhöhle auftreten, einige Regionen wie z.B. der Mundboden oder die Zunge sind jedoch statistisch häufiger betroffen.
Das Mundhöhlenkarzinom stellt mit etwa 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr die 7. häufigste bösartige Krebserkrankung in Deutschland dar, wobei Männer häufiger betroffen sind. Weltweit ist ein starker Anstieg dieser Krebserkrankung zu verzeichnen, wobei Frauen zunehmend häufiger daran erkranken.

Neben einer gewissen genetischen Prädisposition (Veranlagung) stellen das Rauchen und der Alkohol die Hauptrisikofaktoren für das Auftreten eines Mundhöhlenkarzinoms dar. Darüber hinaus werden eine schlechte Mundhygiene sowie chronische Irritationen der Mundschleimhaut wie z.B. durch scharfe Kanten insuffizienter Füllungen oder schlecht sitzender Klammerarme von Zahnprothesen mitverantwortlich gemacht. Bei einem Teil der Tumoren kann das humane Papillomavirus (HPV) im Tumorgewebe nachgewiesen werden. In seltenen Fällen tritt diese Erkrankung auch ohne ersichtliche Ursache auf.

Je früher das Mundhöhlenkarzinom erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Wie die Erkrankung verläuft hängt unter anderem von der Größe, der Ausbreitung und der Aggressivität des Tumors ab. Von besonderer prognostischer Bedeutung ist das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen. Lymphknoten dienen als Filterstationen im Körper und sind u.a. für die Abwehr von Erkrankung verantwortlich.  Von  Lymphknotenmetastasen spricht man, wenn ein Tumor sich bereits über das Lymphsystem ausgebreitet („gestreut“) hat und sogenannte Tochtergeschwülste in einem oder mehreren Lymphknoten entstanden sind.  

Wie macht sich Mundhöhlenkrebs bemerkbar?

Grundsätzlich gilt: Jede Veränderung der Mundschleimhaut, die länger als 14 Tage besteht sollte ärztlich oder zahnärztlich abgeklärt werden! Das Erscheinungsbild des Mundhöhlenkarzinoms ist vielfältig und reicht vom Vorhandensein vermeintlich harmlos aussehender, nicht abwischbarer weißlicher oder rötlicher Veränderung der Mundschleimhaut bis hin zu offenen Stellen (Ulzerationen) oder  Geschwülsten (Gewebewucherungen). Zu Beginn der Erkrankung sind die Veränderungen häufig schmerzlos. Nicht selten deuten Betroffene die Schleimhautdefekte auch als Druckstellen oder Bissverletzungen.

Bei folgenden, nicht spontan abklingenden (>14 Tage) Symptomen sollten Sie unverzüglich den Rat eines Spezialisten einholen:

  • Weiße oder rote, nicht abwischbare Flecken oder Areale der Mundschleimhaut
  • Mundschleimhautdefekte (nicht spontan abheilende offene Stellen)
  • Unklare Schwellungen in der der Kopf-/Halsregion
  • unklare Zahnlockerungen
  • Schluck- und/ oder Sprechstörungen
  • Unklare Blutungen in der Mundhöhle
  • Schmerzen bzw. Brennen der Mundschleimhaut

Wie wird das Mundhöhlenkarzinom festgestellt?

Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf ist als zertifiziertes Kopf-Hals-Tumorzentrum der deutschen Krebsgesellschaft spezialisiert auf die Behandlung  dieser Tumoren. Sollten Sie sich zur Abklärung eines der o.g. Symptome in unserer Sprechstunde vorstellen, wird zunächst der Befund durch einen erfahrenen Fach- oder Oberarzt begutachtet. Besteht der Verdacht auf ein Mundhöhlenkarzinom, muss die Diagnose durch eine  Probenentnahme aus dem Tumor gesichert werden. Die Probenentnahme kann als schmerzlose Bürstenbiopsie ohne Anästhesie oder als Gewebebiopsie in  regionaler oder in Vollnarkose durchgeführt werden.

Die Untersuchung der Gewebeprobe erfolgt durch einen Pathologen und soll folgende Fragen beantworten:

  • Handelt es sich bei dem entnommenen Gewebe um Anteile eines Tumors oder um eine seiner Vorstufen?
  • Um welche Art Tumor handelt es sich?
  • Wie aggressiv ist der Tumor?

Welche weiteren Untersuchungen sind notwendig?

Sollte durch die Gewebeuntersuchung ein Mundhöhlenkarzinom bestätigt worden sein, sind weiterführende Untersuchungen notwendig, um das Ausmaß der Erkrankung zu erfassen (Staging).
Die Festlegung des sog. Tumorstadiums ist wichtig, um die Behandlung optimal zu planen.

Zum Tumorstaging gehören neben bildgebenden Verfahren, wie Röntgenuntersuchungen des Ober- und des Unterkiefers (Panoramaschichtaufnahme; OPG), die Computertomographie (CT)  auch die Magnetresonanztomographie (MRT). Welche bildgebende Untersuchung in Ihrem Fall am besten geeignet ist, legt der Arzt fest.

Da in seltenen Fällen das Mundhöhlenkarzinom an mehreren Stellen im Mund- und Nasen- bzw. Rachenbereich gleichzeitig auftreten kann, erfolgt zur Vervollständigung der Staginguntersuchungen eine sog. Panendoskopie in Kurznarkose. Hierbei werden vor allem Bereiche inspiziert, die nur schwer zugänglich sind und es werden gegebenenfalls weitere Gewebeproben entnommen.

Wie wird die Therapie festgelegt?

Nach Abschluss aller erforderlichen Voruntersuchungen wird der Fall in unserem multidisziplinären Kopf-Hals-Tumorzentrum vorgestellt und gemeinsam über das beste und erfolgversprechendste Vorgehen beraten. Das Tumorboard des Kopf-Hals-Tumorzentrums besteht aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen. In den Entscheidungsprozess sind Vertreter der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Radiologie, der Strahlentherapie, der Onkologie und der Pathologie mit eingebunden. Bei Bedarf werden noch zusätzliche Spezialisten anderer Fachgebiete, wie z.B. Neurochirurgie, Gefäßchirurgie oder Augenheilkunde hinzugezogen.

Die endgültige Entscheidung über die Form der Behandlung liegt natürlich bei Ihnen selbst, wobei wir Sie natürlich über alle möglichen Therapieoptionen einschließlich der möglichen Vor- und Nachteile gerne beraten.

Wie wird das Mundhöhlenkarzinom behandelt?

Ziel einer jeden Behandlung ist es den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Der Krankheitsverlauf ist häufig davon abhängig, wie früh das Mundhöhlenkarzinom erkannt und behandelt wird. Entscheidend sind die Größe, die Lokalisation und die Aggressivität des Tumors sowie das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass  sich frühe Stadien von Mundhöhlenkarzinomen (meist T1- und T2-Tumore) mit einer hohen Erfolgsrate chirurgisch und ggf. nachfolgend strahlentherapeutisch heilen lassen. Fortgeschrittene Karzinome der Mundhöhle (T3- oder T4-Tumore) zeigen hingegen durch das höhere Risiko für Rezidive (Wiederauftreten des Tumors) eine schlechtere Prognose. Die chirurgische Therapie sieht die vollständige Entfernung des Tumors mit einem Sicherheitsabstand von mindestens 5 bis 10 mm zum gesunden Gewebe vor. Häufig werden die ableitenden Lymphknoten mit entfernt (Neck dissection). Bei fortgeschrittenen Mundhöhlenkarzinomen und bei Karzinomen, welche mit geringem Sicherheitsabstand reseziert wurden oder welche Lymphknotenmetastasen aufweisen, schließt sich häufig eine postoperative Strahlentherapie, ggf. in Kombination mit einer Chemotherapie an.

Wir verfügen in unserer Klink über eine große Erfahrung in der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren und den hierfür notwendigen Wiederherstellungsverfahren, einschließlich sämtlicher mikrochirurgischer Rekonstruktionstechniken.

Ein Team aus hervorragend ausgebildeten Spezialisten, eingebettet in ein zertifiziertes Kopf-Hals-Tumorzentrum, garantiert Ihnen die bestmögliche Behandlung mit modernsten technischen Geräten an unserem Standort.

Leukoplakie als potentielle Vorstufe (Präkanzerose) eines Plattenepithelkarzinoms der Mundhöhle
Leukoplakie als potentielle Vorstufe (Präkanzerose) eines Plattenepithelkarzinoms der Mundhöhle
Plattenepithelkarzinom im vorderen Mundboden
Plattenepithelkarzinom im vorderen Mundboden
Plattenepithelkarzinom auf dem Kieferkamm des Unterkiefers
Plattenepithelkarzinom auf dem Kieferkamm des Unterkiefers
 
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  • Zuletzt aktualisiert am 07.05.2016
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