Klinische und intraoperative Neurophysiologie

In der klinischen Neurophysiologie werden elektro-chemische Signalvermittlungen im Nervensystem anhand sensibler Messmethoden aufgezeichnet. Die Signale wiederum geben in Echtzeit spezifische und sensitive Informationen über die Funktion der untersuchten Nervenbahnsysteme.

In der klinischen Neurophysiologie können verschiedene Messarten für die Bestimmung unterschiedlicher Parameter genutzt werden:

    • Das Elektroenzephalogramm (EEG) misst die elektrische Aktivität des Gehirns an der Kopfoberfläche. Dies wird vor allem zur Untersuchung und Verlaufskontrolle von Epilepsien eingesetzt.
    • Die Evozierten Potentiale messen hoch spezifisch die Sinnesbahnsysteme des Hörens (Akustisch Evozierte Potentiale), des Sehens (Visuell Evozierte Potentiale), der Tiefensensibilität (Somatosensibel Evozierte Potentiale) und die Motorik (Motorisch Evozierte Potentiale).
    • Im Elektromyogramm (EMG) wird das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln untersucht.
    • Die Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG); sowie besondere, erweiterte Methoden der NLG (F-Welle, H-Reflex) informieren über die Leitfähigkeit der peripheren Nerven.

Alle Methoden werden für die weiterführende Diagnostik ambulanter, stationärer und insbesondere intensivpflichtiger Patienten angeboten.Ein Schwerpunkt der Abteilung ist das intraoperative neurophysiologische Monitoring. Dies ist eine Spezialdisziplin der Neurophysiologie und hat sich in den vergangenen 20 Jahren zunehmend im neurochirurgischen Operationssaal etabliert.

Hierbei können folgende Untersuchungen vorgenommen werden:

    • AEP    Akustisch evozierte Potenziale
    • SSEP  Somatosensibel evozierte Potenziale
    • VEP    Visuell evozierte Potenziale
    • MEP    Motorisch evozierte Potenziale
    • EMG   Elektromyographie
    • EEG    Elektroencephalogramm
    • DCS    direkte kortikale Stimulation
    • DNS    direkte Nervenstimulation

Intraoperatives Neuromonitoring (IOM)

Das „IOM“ ist ein Spezialgebiet der Neurophysiologie, in dem neurophysiologische Methoden intraoperativ angewandt werden. Dies wird verwendet, um während operativer Eingriffe eine Funktionsüberwachung von Hirngebieten, den damit verbundenen Nervenbahnen, dem Rückenmark und der peripheren Nerven durch zu führen. Dies erlaubt eine kontinuierliche Überprüfung der Nervenbahnsysteme. Als Beispiel sei ein Hirntumor in der Zentralregion genannt. Liegt dieser in enger Beziehung zum primär motorischen kortikalen Repräsentationsareal (das ist die essentielle Hirnregion zur Steuerung von Bewegung), so kann mittels kleiner elektrischer Impulse das Gehirn aktiviert werden. Damit kann dann Funktion zunächst genau lokalisiert werden („Mapping“) und dann dauerhaft überprüft werden („kontinuierliches Neuromonitoring“). Dies verwendet der Operateur zur funktionsgesteuerten Resektion des Tumors. Dies stellt quasi ein elektrophysiologisches Instrument für den Operateur dar.

Klinischer Einsatz

Im Folgenden werden die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Neurochirurgen, dem Anästhesisten und dem Neuromonitoring-Team dargestellt.

  1. Tumorchirurgie

Um Hirntumore in der Nähe von primär motorischen (für die Bewegungssteuerung), somatosensiblen (für das Oberflächen- und Tiefenempfinden) und sprachrelevanten Hirnarealen zu entfernen, müssen diese Hirnareale während der Operation sicher dargestellt und lokalisiert werden. Dies geschieht mit dem Verfahren der direkten Hirnstimulation und wird als Mapping bezeichnet. Diese kann sowohl im beim wachen Patienten („Wach-Operation“) oder in Narkose angewandt werden. Wir kombinieren die Verfahren einer kontinuierlichen Überwachung mittels evozierter Potenziale und der Lokalisation. Dadurch kann der Operateur während der Operation in Echtzeit die operative Strategie zu Gunsten der größtmöglichen Tumorentfernung steuern. Gleichzeitig wird die Tumorentfernung dadurch sehr schonend durchgeführt.

monitoring
Darstellung eines kortikalen Mappings der Hirnoberfläche (rechts) und Ableitung der motorisch evozierten Potenziale (MEPs; links)
  1. Neurovaskuläre Eingriffe

Während neurovaskulärer Eingriffe, dazu zählen Aneurysmen der Hirngefäße, durale arteriovenöse Malformationen wird ein neurophysiologisches Monitoring mit evozierten Potentialen und dem Elektroenzephalogramm durchgeführt. Veränderungen in diesen Messmethoden können z.B. auf einen drohenden Hirninfarkt hinweisen, der in diesem Moment noch reversibel, d.h. umkehrbar sein kann und durch eine Änderung der operativen Strategie verhindert werden kann.

  • Monitoring

C.  Mikrovaskuläre Dekompression; Trigeminusneuralgie, Hemispasmus fazialis

Starke einschießende Schmerzen im Gesichtsbereich können durch eine Trigeminusneuralgie hervorgerufen sein. Diese kann durch eine Pulsation eines kleinen Hirngefäßes an den Trigeminusnerv (Gesichtsnerv) entstehen. Ein vergleichbarer Mechanismus unterliegt dem Hemispasmus fazialis. Hier wird der Fazialisnerv, der für die Bewegung des Gesichts sorgt, durch die Gefäßpulsation übererregt. Im operativen Verfahren wird für eine Entlastung („Dekompression“) des Nervs von diesem kleinen verursachenden Gefäß gesorgt. Da dies in direkter Lagebeziehung zum Hörnerv geschieht, wird dieser mit den akustisch evozierten Potenzialen überwacht.

  • Monitoring
  1. Wirbelsäulenchirurgie und Rückenmarkstumore

Operative Eingriffe an der Wirbelsäule, denen degenerative, tumoröse und traumatische Prozesse zu Grunde liegen, können durch die notwendige Manipulation zu einer direkten oder indirekten (Gefäßbeteiligung) Funktionsstörung im Rückenmark führen. Dies findet ebenfalls seinen Einsatz bei Tumoren, die direkt im oder am Rückenmark liegen. Dazu zählen spinale Meningeome und Tumore der spinalen Wurzeln (Neurinome, Schwannome), Ependymome. Eine Sonderstellung nehmen Tumore und Fehlbildungen des Konus und der Kauda. Bei diesen Operationen werden neben der Überwachung der langen Rückenmarksbahnen auch Verfahren der direkten Stimulation und zur Überwachung der Mastdarmfunktion eingesetzt. Mögliche Rückenmarksschäden können so erkannt und vermieden werden.

  1. Periphere Nervenchirurgie

Im Bereich der peripheren Nervenchirurgie findet die direkte Nervenstimulation zur Funktionsüberprüfung und Lokalisation ihren Einsatz. Damit können leitende Nervenanteile von nicht leitenden sicher unterschieden werden. Damit können z.B. potentiell regenerierbare Nervenfaszikel in Nervenläsionen nach Traumen dargestellt werden. Bei Nerventumoren können die leitfähigen Nervenfaszikel geschont werden, sodass postoperativ keine oder nur eine geringe Einschränkung resultiert.

Fortbildung im neurophysiologischen Neuromonitoring

Die Professur für Intraoperatives Neuromonitoring in der Neurochirurgischen Klinik ist eine einzigartige Einrichtung in der Bundesrepublik Deutschland. So ist die klinische Ausbildung interessierter Kollegen und technischer Assistenten ein besonderes Anliegen. Hospitationen sind willkommen.

Wer an Fortbildungen im Bereich des Neuromonitorings interessiert ist, kann entsprechendes in den jährlich stattfindenden Kursen „Intraoperatives Neuromonitoring“ der NCAFW und der DGAI, sowie auf internationaler Ebene der International Society for Intraoperative Neuromonitoring (ISIN; www.neurophysiology.org) finden.

Forschung im neurophysiologischen Neuromonitoring

Die Forschungsschwerpunkte liegen zum einem in der klinischen Evaluation der Methoden, sowie in der Weiterentwicklung und Etablierung von Stimulationsverfahren in der Hirntumorchirurgie. Es werden quantitative Verfahren zur Etablierung von entwickelt werden.

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 06.03.2017
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