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Schädigung bei MS-typischer Entzündung: neues Medikament stärkt körpereigene Reparatur-Prozesse

Düsseldorf - 1. March 2017 VON: UNIV.-PROF. DR. MED. O. AKTAS

Die Multiple Sklerose (MS) beginnt bei den meist jungen Betroffenen typischerweise mit einer Entzündung des Sehnervs. Im Krankheitsverlauf weitet sich die Erkrankung auf andere Bereiche des Gehirns und des Rückenmarks aus und stellt damit hierzulande die wichtigste Ursache bleibender neurologischer Behinderung bei jungen Erwachsenen dar.

Bislang existieren keine Möglichkeiten, die geschädigten Hirnareale zu reparieren. Offensichtlich hängt das mit der Einschränkung körpereigener Regenerations-Mechanismen im Gehirn zusammen: zwar sind in den geschädigten Bereichen hirneigene Stammzellen vorhanden, die aber eine Reparatur nicht erfolgreich umsetzen können.

Daher erfolgte die Entwicklung von Opicinumab, eines Medikaments, das über den molekularen Schalter LINGO-1 (Leucine rich repeat and Immunoglobin-like domain-containing protein 1) auf hirneigene Stammzellen wirkt und damit körpereigene Reparatur-Prozesse stärkt. Aktuell wurden die Ergebnisse der randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Phase II („proof of concept“)-Studie RENEW in der führenden Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlicht. Opicinumab wurde bei Patienten mit einer erstmaligen Sehnervenentzündung geprüft und zeigte bei regelmäßiger Einnahme eine günstige Wirkung auf die Funktion des Sehnervs. Die Klinik für Neurologie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, FRCP) war an der internationalen multizentrischen Studie maßgeblich beteiligt: Univ.-Prof. Dr. Orhan Aktas (Leitung des MS-Zentrums) ist einer der Ko-Autoren der jetzt erschienenen Publikation, und PD Dr. Philipp Albrecht (Stv. Leitung des MS-Zentrums) war an den weitergehenden Analysen der Sehfunktion im Rahmen der RENEW-Studie beteiligt.

„Die Übertragung dieser Erkenntnisse in den Behandlungsalltag ist noch weit entfernt, aber die Studie ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert“, so Prof. Aktas. So konnte erstmals eine multizentrische – auf Reparatur ausgerichtete – Studie mit wegweisender Methodik und Resultaten durchgeführt werden. Außerdem wurde der Stellenwert der Sehnerven-Entzündung (Optikusneuritis) als Modell für künftige Reparatur-Studien bei der MS herausgearbeitet. Denn die bislang existierenden zahlreichen Immuntherapien der MS zielen vornehmlich auf die Entzündungsreaktion ab, während die RENEW-Studie den Blick auf die Reparatur geschädigter Hirnareale lenkt.  

Originalveröffentlichung:  

Cadavid D, Balcer L, Galetta S, Aktas O, Ziemssen T, Vanopdenbosch L, Frederiksen J, Skeen M, Jaffe GJ, MD, Butzkueven H, Ziemssen F, Massacesi L, Chai Y, Xu L, Freeman S, for the RENEW Study Investigators. Safety and efficacy of opicinumab in acute optic neuritis (RENEW): a randomised, placebo-controlled, phase 2 trial. Lancet Neurology 2017, 16: 189-199. Link  

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Orhan Aktas, Email senden
Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, FRCP, Email senden

Weiterführende Literatur:

Aktas O, Albrecht P, Hartung HP. Optic neuritis as a phase 2 paradigm for neuroprotection therapies of multiple sclerosis: update on current trials and perspectives. Current Opinion in Neurology 2016, 29:199-204. PubMed

Kremer D, Göttle P, Hartung HP, Küry P. Pushing Forward: Remyelination as the New Frontier in CNS Diseases. Trends in Neurosciences 2016, 39:246-63. PubMed


 
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  • Zuletzt aktualisiert am 01.09.2016
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