Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen in Kürze

Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen misst einen wichtigen Aspekt von Arbeitsstress. Er resultiert aus dem erfahrenen Missverhältnis zwischen erbrachter Verausgabung und hierfür erhaltener Belohnung (Bezahlung, Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit und Aufstiegschancen). Obwohl damit die subjektiven Erfahrungen der Mitarbeitenden erfasst werden, haben zahlreiche wissenschaftliche Studien deren Bedeutung für die körperliche und seelische Gesundheit nachgewiesen1)

In der Kurzskala werden mit 10 Aussagen die beiden Skalen ‚Verausgabung‘ (3 Aussagen: ERI 1-3) und ‚Belohnung‘ (7 Aussagen: ERI 4-10) anhand 4-stufiger Antworten gemessen. Es ist wichtig, dass alle 10 Aussagen beantwortet werden.

 

Link zum Fragebogen: https://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Fuer-Patienten-und-Besucher/Kliniken-Zentren-Institute/Institute/Institut_fuer_Medizinische_Soziologie/Forschung/D_ERI_SHORT_NOV2012.pdf

 

Eine einfache Möglichkeit der Auswertung ist die Berechnung des Summenwerts für jede Skala und der Vergleich dieses Werts mit Referenzgrößen. Achtung: Die Kodierung der Aussagen ERI 5,6,7 muss umgedreht werden: 4=1, 3= 2 usw.). Der Summenwert für ‚Verausgabung‘ kann dann zwischen 3 (niedrig) und 12 (hoch) liegen und bei ‚Belohnung‘ zwischen 7 (niedrig) und 28 (hoch). Der Mittelwert beträgt in der deutschen Vergleichsstichprobe für die Skala ‚Verausgabung‘8 Punkte und für die Skala ‚Belohnung‘18 Punkte1). Liegt somit der Mittelwert der Befragten einer Organisation oder einer Abteilung wesentlich höher als 8 (Verausgabung) und wesentlich tiefer als 18 (Belohnung), dann ist dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Maß and Arbeitsstress.

Um ein mögliches Risiko für die Gesundheit der befragten Personen abzuschätzen, sollte anhand der Verteilung der Summenwerte jeweils das Drittel mit den höchsten Werten ‚Verausgabung‘ sowie das Drittel mit den niedrigsten Werten ‚Belohnung‘ ermittelt werden. Nur wenn bei Befragten mindestens einer dieser beiden Werte im kritischen Bereich liegt, wird von einer Stressbelastung gesprochen. Dies bedeutet jedoch lediglich, dass in diesen Fällen die Arbeitssituation und der Umgang mit ihr sorgfältig abgeklärt werden sollte.

Dass auch die arbeitende Person zu Arbeitsstress beitragen kann, wird mit einer zusätzlichen Skala mit 6 Aussagen (OC1-6) erfasst. Dieser ergänzende Aspekt ist für die wissenschaftliche Analyse wichtig, kann aber für praktische Zwecke unberücksichtigt bleiben. Auch in diesem Fall wird ein Summenwert gebildet (6-24 Punkte; Mittelwert 8 Punkte) (Achtung: Die Kodierung der Aussage OC3 muss umgedreht werden). Hier deuten Werte im Drittel mit den höchsten Punktwerten auf eine übersteigerte persönliche Verausgabungsneigung hin, die zur Erfahrung von Arbeitsstress beiträgt.

Eine ausführliche Beschreibung des Modells und weitere Versionen des Fragebogens finden Sie hier: https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/institut-fuer-medizinische-soziologie/forschung/the-eri-model-stress-and-health

1)      Li J, Leineweber C, Nyberg A, Siegrist J (2019) J Occup Environ Med 61 (11): 894-904.

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