Was ist Fertilitätsprotektion?

Fertilitätsprotektion, gleichbedeutend mit dem Erhalt der weiblichen / männlichen Fruchtbarkeit, meint die indizierte Anwendung von medizinisch-labortechnischen und/oder pharmakologischen Methoden zum Schutz der Keimzellen (Medical Freezing).


Weibliche Fruchtbarkeit

Die Fertilität der Frau ist sehr besonders. Sie besteht - gemessen an der Lebenszeit - nur begrenzt, weil sie erst mit der Pubertät einsetzt und etwa drei Jahrzehnte später erlischt. Dies passiert dann zu einem Zeitpunkt, zu dem die Frau sich heute normalerweise erst in der Mitte ihres Lebens befindet. Die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau besteht auch nicht direkt ab der Geburt, sondern erst nach einem vorhergegangenen Reifungsprozess, bis in der Pubertät die Phase der Geschlechtsreife eintritt, die bei der Frau mit der ersten Menstruation (Menarche) meist zwischen dem 12. bis 16. Lebensjahr beginnt. Die Fortpflanzungsfähigkeit endet mit der letzten Menstruation ungefähr zwischen dem 45. bis 55. Lebensjahr der Frau (Menopause). Dies liegt daran, dass bei der Frau die Keimzellen (Eizellen oder Oozyten) nicht, wie beim Mann durch vorhandene Stammzellen nachproduziert werden können, sondern dass während der embryonalen Entwicklung alle Eizellen auf einmal entstehen, und diese dann im Laufe der reproduktiven (fruchtbaren) Phase (= Fertilität) aufgebraucht werden. Die Gesamtheit aller Eizellen, die sich in den Eierstöcken der Mädchen und Frauen befinden, wird deshalb als „Eizellreserve" bezeichnet. Der Höhepunkt dieser Eizellreserve findet sich beim sechs Monate alten weiblichen Embryo - also noch im Mutterleib. Es wird geschätzt, dass bis zur Geburt bereits 5 bis 6 Millionen Eizellen zugrunde gehen, so dass nach der Geburt noch ein "Pool" mit circa 1 bis 2 Millionen Eizellen vorhanden ist. Noch bevor es jedoch zu einer ausgereiften Eierstockfunktion kommt, verringert sich dieser Eizellpool noch einmal drastisch, so dass beim Eintritt der Mädchen in die Pubertät nur noch ungefähr 300.000 bis 400.000 Eizellen vorhanden sind. Nach dem Einsetzen der ersten Menstruationsblutung sterben jeden Monat zusätzlich circa 40 bis 100 Eizellen ab, so dass die Eizellreserve mit ansteigendem Alter immer kleiner wird - die Fertilitätsreserve sich verringert. Jede äußere Einwirkung (z.B. ein ungesunder Lebenswandel - aber eben auch notwendige medikamentöse Therapien und/oder Bestrahlungstherapien) kann zu einer beschleunigten Verringerung der Eizellreserve führen, wodurch die Dauer und Intensität der fruchtbaren Lebensphase abnimmt (eingeschränkte Fertilität) und die Wechseljahre vorzeitiger als erwartet eintreten (Unfruchtbarkeit).

Männliche Fruchtbarkeit

Obwohl die männlichen Geschlechtsorgane zum Zeitpunkt der Geburt bereits vollständig angelegt sind, findet die Ausdifferenzierung dieser erst im Verlauf der Pubertät durch entsprechende Geschlechtshormone statt. Man spricht bei einem gesunden männlichen Heranwachsenden vom Beginn der Geschlechtsreife ab der sogenannten Spermarche (männliches Äquivalent gegenüber der weiblichen Menarche = medizinischer Fachausdruck für den Beginn der Spermienproduktion in den Hoden) und zeitgleich nach dem ersten Samenerguss (der sogenannten Ejakularche). Die Fruchtbarkeit steigert sich ab diesem Zeitpunkt mit Zunahme der aktiven Sexualität, durch eine kontinuierliche Mehrproduktion der Spermienanzahl und -qualität im Ejakulat sowie der Menge des Seminalplasmas - bis zu einem individuell sehr unterschiedlichen Maximum. Weiterführend können die Spermien, im Unterschied zur Frau, durch vorhandene Keimzellen regelmäßig nachproduziert werden und zusätzlich sind diese Keimzellen in der Lage, sich durch Zellteilung ständig zu erneuern. Das bedeutet: solange gesunde Keimzellen vorhanden sind, können neue Spermien produziert werden. Auch beim Jungen und beim Mann können allerdings äußere Einwirkungen (wie z.B. ein ungesunder Lebenswandel - aber eben auch notwendige medikamentöse Therapien und/oder Bestrahlungstherapien) zu einer Fruchtbarkeitsminderung bis hin zur Unfruchtbarkeit führen.

Zum Schutz der weiblichen und männlichen Fruchtbarkeit stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die je nach Notwendigkeit individuell angewandt oder auch kombiniert werden können. Für eine individuelle Beratung zur Fertilitätsprotektion kontaktieren Sie uns bitte hier.

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