Akute infektiöse Gastroenteritis und Enteritis


Infektiöse Diarrhoe 

Durchfallerkrankungen (Diarrhoen) gehören zu den 5 häufigsten Todesursachen weltweit.

Definition

Man unterscheidet einen akuten Verlauf (maximal 14 Tage Dauer) von einem persistierenden Verlauf (über 14 Tage Dauer) und einem chronischen Verlauf (mehr als 30 Tage Dauer).

Die akute Diarrhoe ist definiert als wässriger Stuhlgang über einen begrenzten Zeitraum von maximal 14 Tagen.

Ätiologie/Pathogenese

Akute Diarrhoen sind am häufigsten durch Viren oder Bakterien hervorgerufen und bessern sich meist spontan. Chronische Verläufe haben öfter auch einen nicht-infektiösen Ursprung, hierbei sollten allerdings auch parasitäre Ursachen in Betracht gezogen werden.

Symptome/Klinik

Die folgenden Symptome deuten auf einen schwereren Verlauf und sollten zu einer diagnostischen Abklärung führen:

  • Wässriger Durchfall mit Anzeichen des Volumenmangels 
  • Häufige kleine Stuhlmengen mit Blut- oder Schleimabgang 
  • Blutige Diarrhoe 
  • Fieber über 38.5ºC 
  • Abgang von mehr als 5 ungeformten Stühlen pro Tag 
  • Starke Bauchschmerzen 
  • Diarrhoen nach kürzlichem Gebrauch von Antibiotika 
  • Diarrhoen bei älteren Patienten (≥70 Jahre alt) oder bei Immunsupprimierten  

Ein wichtiger diagnostischer Hinweis ist Fieber, da es sich häufig um Infektionserreger handelt, die die Darmschleimhaut angreifen (z.B. Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Viren, Clostridium difficile oder Amöben). Nach Konsum bestimmter Nahrungsmittel beispielsweise unpasteurisierte Milchprodukte, unvollständig gegarter Fisch oder Fleisch, kann ebenfalls Durchfall auftreten. Im Rahmen von Ausbrüchen durch Noro- oder Rotaviren können zeitnah mehrere Personen betroffen sein, insbesondere in den Wintermonaten.

Diagnose

Stuhlkulturen sollten in den folgenden Situationen gewonnen werden: 

  • Immungeschwächte Patienten
  • Patienten mit schwerer, vermutlich entzündlicher Diarrhoe
  • Patienten mit blutiger Diarrhoe
  • Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) zur Unterscheidung zwischen einem akuten Schub und einer Superinfektion

In bestimmten Situationen muss Stuhl auch mikroskopisch auf Wurmeier und Parasiten untersucht werden. So könnte es sich bei blutiger Diarrhoe nach Reisen in tropische und subtropische Regionen um eine Amöbenerkrankung handeln. Bei langdauernder Diarrhoe kommen neben Amöben noch weitere Parasiten (Lamblien, Cryptosporidien) ursächlich in Betracht. Eine Magen- oder Darmspiegelung zur Abklärung von Durchfällen bleibt Ausnahmefällen vorbehalten, z.B. wenn eine chronisch entzündliche Darmerkrankung von einer infektiösen Durchfallerkrankung unterschieden werden muss, oder wenn Clostridium difficile als Ursache in Betracht kommt. Bei Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung oder bei abwehrgeschwächten Patienten können Durchfälle durch Cytomegalieviren hervorgerufen werden, diese werden mit molekularbiologischen Methoden nachgewiesen. 

Therapie

Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei Durchfallerkrankungen ist eine ausreichende Trinkmenge und Ersatz von Elektrolyten, in schweren Fällen muss die Zufuhr über die Vene erfolgen. Eine Hemmung der Darmaktivität (z.B. durch Loperamid) sollte nur nach Konsultation eines Arztes erfolgen. In den meisten Fällen einer Durchfallerkrankung ist eine ursächliche Therapie durch Gabe von antiinfektiven Substanzen nicht verfügbar bzw. nicht sinnvoll. In bestimmten Fällen, beispielsweise bei einer Erkrankung durch Clostridium difficile, durch Cytomegalievirus und bei verschiedene Durchfallerkrankungen durch Parasiten müssen jedoch spezifische Arzneimittel eingesetzt werden.

Vorbeugung

Im Fall von Durchfallerkrankungen durch Noro-, Adeno-, Rota- oder Astroviren im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen müssen strikte Isolierungsmaßnahmen eingehalten werden. Hierzu zählt das Tragen von Schutzkleidung und eine gründliche Händehygiene.

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