Zielsetzung


Leberkrankheiten sind aufgrund hoher Morbidität und Mortalität von außerordentlichem sozio­öko­no­mischem Interesse; in Deutschland übersteigt die Zahl chronisch Leber­kranker eine Million. Von besonderer Bedeutung sind dabei nicht nur viral-, alkohol- und autoim­munbedingte Leberschäden, sondern in zunehmendem Maße auch Leberschäden auf dem Boden eines geänderten Ernährungsverhaltens in Zivilisationsländern. Unabhängig von ihrer Ursache verlaufen Leberkrankheiten meist chronisch und sind durch eine langsam progrediente Funktionseinschränkung der Leber, die Folgen einer gestörten Leberhämody­namik und vielfältige Rückwirkungen auf die Funktion anderer Organsysteme (z.B. Niere, Gehirn, Herz-Kreislauf, Endokrinium) gekennzeichnet. Ein Beispiel hierfür ist die hepatische Enzephalopathie, ein wenig verstandenes neuropsy­chi­atrisches Krankheitsbild wechselnder Schwere, welches bei 30-70 % der Leberzirrho­sepa­tienten nachweisbar ist.
Gemeinsames Ziel aller am SFB 575 beteiligten Teilprojekte ist es, mit Hilfe grundlagenwissenschaftlicher Methoden neue Erkenntnisse über die Funktion der normalen Leber zu erarbeiten sowie die molekularen Mechanismen zu untersuchen, die im Gefolge von Leberschädigungen zu klinisch relevanten Störungen führen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen soll eine Grundlage zur Entwicklung neuer therapeutischer Strategien bei Leber­krankheiten geschaffen werden. Ein besonderes Augenmerk verdienen dabei die komplexen Kommuni­kations- und Signalmechanismen innerhalb der Einzelzelle und  zwischen den verschiedenen Leberzelltypen untereinander.Angesichts der Komplexität von Leberaufbau und -funktion und des breiten Spektrums chronischer und akuter Leberkrankheiten mit ihren vielfältigen intra- und extrahepatischen Manifestationen verfolgt der SFB eine thematische Fokussierung, die sich in der Gliederung in drei Projektbereiche mit Schwerpunktsetzungen auf Transport und Stoffwechsel (Projektbereich A), Mechanismen der Leberschädigung und -protektion (Projektbereich B) und Pathogenese der hepatischen Enzephalopathie (Projektbereich C)  widerspiegelt. Dabei stehen projektbereichsübergreifend die Themen Signalübermittlung und Crosstalk, Proteinmodifikation, Bedeu­tung der Zellhydratation für physiologische und pathophysiologische Abläufe, Zytoprotektion und die Regulation der Genexpression im Vordergrund. Ebenfalls projektbereichsübergreifend kommt ein breites Spektrum bildgebender Verfahren (Einzelzellfluoreszenz, konfokale Laserscanningmikroskopie, intravitale Fluores­zenzmikro­sko­pie, Fluoreszenzresonanzenergietransfer, Magnetencephalographie und Positronenemissionstomo­graphie) zum Einsatz, was zusammen mit zell- und molekularbiologischen Methoden die integrative Bearbeitung des Themas an experimentellen Systemen steigender Komplexität erlaubt.Diese Merkmale:

  • Fokussierung auf Signalübertragung, Zellhydratation und Zellfunktion,
  • Integration experimenteller Systeme zunehmender Komplexität,
  • Einsatz aufwendiger bildgebender Verfahren,

ziehen sich wie ein roter Faden durch die Gesamtinitiative und bedingen vielfältige the­matische und methodische Interaktionen zwischen den Teilprojekten und Projektbe­reichen, so dass eine intensive multidisziplinäre Bearbeitung hepatologischer Fragestellungen durch den SFB gewähr­leistet ist.

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