Sehr geehrte Patientinnen und Patienten,

wir möchten Sie herzlich auf der Internetseite der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf begrüßen. Als Klinik der Maximalversorgung bieten wir Ihnen exzellente medizinische Versorgung in den verschiedensten Bereichen unsers Faches. So freuen wir uns Ihnen auch eine Spezial-Sprechstunde für Botulinumtherapien anbieten zu können. Verschiedene medizinische und ästhetische Indikitationen können eine Botulinumtherapie notwendig und sinnvoll machen. Unsere zertifizierten Ärzte beraten Sie gerne in einem persönlichen Gespräch über Ihre individuellen Therapieoptionen.

 

Was ist Botulinum?

Botulinumtoxin  A  ist ein Protein, welches durch seine Wirkung an Nervenzellen zu einer Hemmung der Erregungsübertragung führen kann. Somit wirkt das Medikament wie ein hochpotenter Neuromodulator. Seine Wirkung entfaltet Botulinum über die Hemmung am Membranprotein SNAP25, wodurch die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin verhindert wird. Ohne Acetylcholin fehlt jedoch die Signalübertragung des Nerven zur Muskelfaser, wodurch die muskuläre Aktivität gehemmt wird. Doch nicht nur am Muskel, sondern auch an Schweiß- oder Speicheldrüsen wirkt Botulinum über SNAP25 erregungshemmend und führt somit zu  einer Verminderung übermäßiger Schweiß- bzw. Speichelproduktion.

Die Wirkung ist reversibel, da der Nerv innerhalb von ca. 3 Monaten neue Nervenendigungen bildet, die wiederum zu einer vollen Aktivität beitragen (Sprouting).

Auf diesem Mechanismus beruht somit der weitläufige Nutzen von Botulinum in der Medizin, zum Beispiel bei der Anwendung von muskulären Bewegungsstörungen, bei übermäßiger Speichel- oder Schweißsekretion, aber natürlich auch zur ästhetischen Behandlung von Gesichtsfalten.

 

Zu den angebotenen Behandlungsindikationen zählen:

 

Wie lange wirkt Botulinum?

Der Behandlungseffekt tritt in den meisten Fällen nach 48 - 72 Stunden ein, der maximale Effekt wird nach 1 - 2 Wochen erreicht. Die Blockade an der Übertragungsstelle zwischen Nerv und Muskel hält in der Regel 4 - 6 Monate.

 

Welche Nebenwirkungen können bei Botulinum auftreten?

Generell sind unerwünschte Nebenwirkungen einer Botulinumtherapie selten und in der Regel reversibel. Dennoch kann es zu seltenen Komplikationen wie Blutergüssen, Schwellungen, lokalen Entzündung, Unwohlsein, Müdigkeit oder Kopfschmerzen kommen.

Extrem selten kommt es zu allergischen Reaktionen, Juckreiz oder Hautausschlag, das vorübergehende Herabhängen der Augenbraue, des Oberlides oder des Mundwinkels oder zu kurzfristigen Sehstörungen.

 

Welche Kosten erwarten mich?

Einige medizinische Indikationen können nach Antrag bei der Krankenkasse von dieser übernommen werden. Die Kosten für die rein medizinischen Indikationen errechnen sich dabei nach Bedarf der injizierten Menge.

Die Kosten einer Therapie oder eventueller behandlungsbedürftiger Komplikationen bei einer kosmetischen Anwendung werden nicht von der Krankenkasse erstattet. Für kosmetische Indikationen, wie die Behandlung von Falten, erlauben wir uns zudem eine Beratungspauschale in Höhe von 30,00€ in Rechnung zu stellen. Sollten sie sich für eine Behandlung durch uns entscheiden, wird die Beratungspauschale mit den Therapiekosten verrechnet.

 

Was muss ich beachten?

Vor der Behandlung:

Bevor es zu einer Botulinuminjektion kommt, steht zu Beginn ein ausführliches Beratungsgespräch, in welchem gemeinsam die Wünsche und Ziele, aber auch potentielle Risiken und Nebenwirkungen besprochen werden.

Im Fokus steht hierbei die medizinische Botulinuminjektion bei Erkrankungen im Kopf-Hals-Bereich, hierfür muss im individuellen Fall die benötigte Menge des zu injizierenden Botulinums berechnet und ein Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse gestellt werden.

Auch bei Wunsch nach kosmetischer Botulinuminjektion erfolgt zunächst ein Beratungsgespräch und eine Fotodokumentation, um bestmöglich den Vorher- / Nachhereffekt festhalten zu können. In der Regel werden kosmetische Botulinuminjektionen von den Krankenkassen nicht übernommen.

Bei Botulinuminjektionen bei Hyperhydrosis (übermäßigem Schwitzen) kann ein Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse gestellt werden. In Einzelfällen können die Kosten übernommen werden.

Des Weiteren sollten Sie beachten, dass es unter der Einnahme von Gerinnungshemmern (zB Aspirin, Clavix, Clopidogrel u.w.) oder bei bestehenden Gerinnungsstörungen zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen kann, was das Hämatomrisiko nach Injektion erhöht. Ob und in welcher Form eine Botulinuminjektion unter laufender Antikoagulation erfolgen kann, wird für jeden Fall individuell gemeinsam mit dem Patienten entschieden.

Außerdem darf eine Botulinumbehandlung nicht durchgeführt werden:

  • Bei bestimmten Muskel- und Nervenerkrankungen (z. B. Myasthenia gravis)
  • Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen
  • Bei der Einnahme bestimmter Antibiotika (Aminoglykosid-Antibiotika wie Streptomycin, Neomycin, Gentamicin)
  • Bei Allergien gegen die Inhaltsstoffe
  • Bei Hautinfektionen im Behandlungsareal
  • In der Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Behandlung:

Vor Injektion des Botulinums erfolgt das Einzeichnen der Injektionsstellen und eine ausgiebige Hautdesinfektion. Die Injektion erfolgt im Sitzen oder Liegen.

Nach der Behandlung:

Nach kurzer Nachbeobachtungszeit können Sie die Ambulanz bereits verlassen. Leichte Rötungen im Bereich der Injektionsstellen und Schmerzen am Tag der Behandlung können auftreten.
Auf sportliche Betätigung sollte am Tag der Injektion verzichtet werden.

Wir empfehlen eine Wiedervorstellung, sobald die volle Wirkung des Botulinums sich entfaltet hat (nach 14 Tagen), um eventuelle Korrekturen vornehmen zu können und die Fotodokumentation zu vervollständigen.

 

Vereinbaren Sie gerne einen Termin zur persönlichen Beratung:

Hals-Nasen-Ohrenklinik

Universitätsklinikum Düsseldorf

Telefon: 0211-81- 17571

Freitagsvormittag oder nach Vereinbarung

Sekretariat-hno@med.uni-duesseldorf.de

 

 

Erweiterte Informationen zu den Behandlungsindikationen:

 

 

Blepharospasmus (Lidspasmus)

Als Blepharospasmus wird ein ein- oder beidseitiger Lidkrampf bezeichnet, der durch eine Dauerkontraktion des Augenringmuskels (Musculus orbicularis oculi) entsteht. Dieser kann idiopathisch, also ohne erkennbare Ursache, oder viel seltener nach Verletzungen im Bereich der Augen auftreten. Die zugrundeliegenden Ursachen eines Lidspasmus sind noch nicht bekannt. Häufig steigern sich die Symptome im Verlauf des Tages, so dass es sogar zu stundenweisen Phasen des dauerhaften krampfartigen Lidverschlusses kommen kann.
Die Botulinumtherapie wirkt hier über die Hemmung der Muskelaktivität des Augenringmuskels.

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Bruxismus (Zähneknirschen)

Als Bruxismus bezeichnet man das üblicherweise unbewusste Zähneknirschen. Diese kann sowohl tagsüber als auch nachts auftreten und zu einem Abschleißen der Zähne, Spannungsschmerzen und Funktionseinschränkungen des Kiefergelenks führen. Durch eine gezielt eingesetzte Botulinumtherapie kann die Muskelaktivität des Kiefergelenks gesenkt und dadurch das Knirschen reduziert werden.

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Frey-Syndrom (Gustatorisches Schwitzen)

Das Frey-Syndrom (auch genannt gustatorisches Schwitzen oder aurikulotemporales Syndrom) bezeichnet eine durch Geschmacksreize und durch die Kaubewegung des Mundes hervorgerufene Schweißsekretion im Bereich der Wange vor dem Ohr nach vorausgegangener Operation der Ohrspeicheldrüse (Glandula Parotis) oder seltener nach Kiefergelenksbruch. Hierbei kommt es zu einer Fehlverschaltung der Nervenendigungen der Ohrspeicheldrüse, die nun beim Essen an die Haut und die Schweißdrüsen den Befehl zur Schweißsekretion schicken.
Durch einen Jod-Hauttest zur genauen Identifizierung des betroffenen Areals und eine gezielte Botulinuminjektion kann die Schweißproduktion gehemmt werden.

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Hemifazialer Spasmus

Der Hemispasmus facialis ist eine Bewegungsstörung der Gesichtsmuskulatur und tritt meistens einseitig auf. Hierbei kommt es zu einem unwillkürlichen Anspannen der Gesichtsmuskulatur, was zum Beispiel bei langer Dauer zu starken Schmerzen im Gesicht führen kann. Durch die Botulinuminjektion können die betroffenen Muskeln gezielt therapiert und in ihrer spastischen Muskelaktivität gehemmt werden.

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Hyperhydrosis (übermäßiges Schwitzen)

Übermäßiges Schwitzen kann vor Allem im beruflichen, aber auch privatem Alltag zu einer starken psychischen Belastung führen. In besonders ausgeprägten Fällen kann daher eine Botulinumtherapie sinnvoll sein, um die übermäßige Schweißproduktion zu hemmen.

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Kopfschmerzen

Kopfschmerzen können viele verschiedene, zum Teil auch lebensgefährliche, Ursachen haben. Daher gilt es zunächst neurologische Ursachen für den Schmerz auszuschließen. Ein großer Anteil der Bevölkerung leidet an einem stressinduzierten Spannungskopfschmerz, der sich mittels gezielter Botulinuminjektion lindern lässt.

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Narbenprophylaxe

Besonders im Kopf- Halsbereich und somit für alle Augen sichtbar, ist eine intensive Narbenpflege für die meisten Betroffenen extrem wichtig. Durch eine Botulinuminjektion in das umliegende Narbengewebe (zum Beispiel bei Narben im Bereich der Stirn) kann die Muskelaktivität im Umkreis um die Narbe gehemmt und die Wundheilung dadurch optimiert werden.

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Torticollis spasmodicus (Schiefhals)

Beim spastischen Schiefhals (Torticollis spasmodicus) kommt es zu spastischen Kontraktionen drei verschiedener Hals- und Nackenmuskeln (Musculus sternocleidomastoideus, obere Teil des Musculus trapezius, Musculus splenius capitis) und hierdurch zu unwillkürlichen Bewegung des Kopfes zur Seite und nach hinten, wobei auch die Schultern angehoben werden. Die Spastik führt zu einer großen Bewegungseinschränkung des Kopfes und zu starken Schmerzen im Nacken- / Schulterbereich. Durch die Botulinumtherapie können die betroffenen Muskeln in ihrer Aktivität gehemmt und damit die Bewegungseinschränkung behoben werden.

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Synkinesien und Dyskinesien

Als Synkinesien werden Bewegungsstörungen bezeichnet, bei denen es zu unwillkürlicher Mitbewegung nicht an der beabsichtigten Bewegung beteiligter Muskeln bzw. Muskelgruppen kommt (z.B. Blinzeln beim Kopfdrehen). Als Dyskinesien bezeichnet man allgemeiner unwillkürliche und unphysiologische Bewegungsabläufe (zum Beispiel ungewolltes Zungenpressen, Wangensaugen, Wangenbeißen, Lippensaugen oder –pressen). Als Ursache von Syn- und Dyskinesien können zum Beispiel vorausgegangene Verletzungen und dadurch Fehlverschaltete Nervenbahnen sein. Durch eine gezielte Botulinuminjektion können die unwillkürlichen Bewegungen durch Hemmung der jeweiligen Muskelaktivität vermindert werden.

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