Klinik für Neurochirurgie

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Epilepsie

Mehr als 800.000 Bundesbürger leiden unter Epilepsie. Die Anfälle - bekannte Begleiterscheinung dieser Nervenkrankheit - entstehen durch spontane elektrische Entladungen in bestimmten Hirnarealen. Die Ursache ihrer folgenschweren Erkrankung ist jedoch bei rund 70 % aller Betroffenen unbekannt. Gegenwärtig existieren zahlreiche Epilepsieformen, die gegen medikamentöse Behandlung resistent und offenen epilepsiechirurgischen Maßnahmen nicht zugänglich sind.

Tiefe Hirnstimulation (DBS)

Basierend auf den Erfolgen der chronischen tiefen Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS), insbesondere im Nucleus subthalamicus (STN), bei der Behandlung von Bewegungsstörungen, sowie auf Tiermodellen, konnte gezeigt werden, dass das nigrale System auch die neuronale Übertragung bei Epilepsien moduliert. Da der STN eng mit dem nigralen System verbunden ist, sind bereits erste Versuche unternommen worden, verschiedene therapierefraktäre Epilepsieformen durch eine DBS-Operation zu beeinflussen. In Einzelfällen konnte eine Reduktion der Anfallsfrequenz von bis zu 80% erzielt werden. Die Operation erfolgt analog zu den routinemäßig durchgeführten Eingriffen bei M. Parkinson und anderen Bewegungsstörungen.

Vagusnervstimulation (VNS)

Für Patienten mit komplexen Epilepsie Formen gibt es eine weitere Therapiemethode der Neuromodulation: die Implantation eine Schrittmachers am Vagus Nerven im linken Halsbereich. Voraussetzung für die Behandlung der Betroffenen ist, dass bei ihnen weder eine medikamentöse Behandlung anschlägt noch ein operatives Entfernen des Krampfherdes möglich ist. Die Behandlungskosten werden von den Krankenkassen getragen.

Ähnlich einem Hirnschrittmacher wird ein Impulsgeber (batteriebetriebener Neurostimulator) unter die Haut im Brustbereich implantiert. Ein dünnes, ebenfalls unter der Haut verlaufendes, Kabel verbindet den Schrittmacher mit drei Elektroden am linken Vagus-Nerven am Hals. Die Impulse werden von dort in die Hirnregion weitergeleitet, in der die anfallsverursachenden Entladungen auftreten. Durch die Kollision dieser gegensätzlichen elektrischen Impulse kann sowohl die Anfallsfrequenz als auch die Dauer der epileptischen Anfälle in vielen Fällen deutlich gesenkt werden. Zusätzlich kann der Patient, wenn sich ein Anfall ankündigt mittels eines Magneten, der kurz über den Impulsgeber gehalten wird, eine zusätzliche Stimulation auslösen, die den drohenden Anfall vielfach verhindern kann.

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