OP Techniken

Da es sich bei der Schädelbasis anatomisch um eine Grenzregion handelt, die Gehirn von Gesichtsschädel und Hals trennt, überschneiden sich in diesem Gebiet auch verschiedene medizinische Disziplinen. Die Behandlung von komplexen Prozessen der Schädelbasis setzt daher einen interdisziplinären Ansatz voraus. Nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und aus der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, sowohl in der Diagnostik, Therapieplanung als auch in der operativen Versorgung, ist eine Versorgung auf höchstem Niveau zu erreichen. In wöchentlichen Fallkonferenzen werden Krankheitsbilder interdisziplinär besprochen und ein gemeinsames Vorgehen festgelegt.

Nachdem eine ausreichende Diagnostik vorliegt wird das operative Vorgehen in Abhängigkeit von vielen Faktoren (Lage und Größe des Prozesses, Beteiligung von angrenzenden Strukturen, erforderliche Rekonstruktion, etc.) festgelegt. Je nach Zielpunkt steht eine Vielzahl von verschiedenen Zugangswegen zur Verfügung. Außerdem gibt es verschiedene operative Techniken die zur Anwendung kommen.

Endoskopische Chirurgie der Schädelbasis

Da die Nasennebenhöhlen, vor allem die Siebbein- und Keilbeinhöhle, nur durch eine dünne Knochenlamelle von der Schädelhöhle getrennt sind, ist ein Zugang zur vorderen Schädelbasis transnasal möglich. Dazu wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen der HNO-Klinik ein Schnitt im inneren der Nase angelegt, durch den die Nasennebenhöhlen erweitert werden, um dann mit einem starren Endoskop die Schädelbasis von unten darzustellen. Durch eine hochmoderne HighDefinition Kamera lässt sich die vordere und mittlere Schädelbasis detailliert einsehen und sogar bis zum oberen Ansatz der Wirbelsäule (Dens axis) erreichen. Zudem kann durch gewinkelte Endoskopoptiken auch hinter Strukturen gesehen werden, ohne dass eine direkte Manipulation beispielsweise von empfindlichen Nerven erforderlich ist.

Weitere Vorteile sind zudem, dass Druck oder Zug auf das Hirngewebe unterbleibt, wodurch das Risiko eine Druckschädigung des Hirns unter Operation reduziert wird. Nicht zuletzt ist bei dieser Operationsmethode kein Hautschnitt notwendig, so dass es postoperativ keine Narbenbildung gibt.

Einige, aber nicht alle Erkrankungen lassen sich auf diesem Wege erreichen und behandeln. Ob eine endoskopische Operation in Frage kommt wird interdisziplinär diskutiert und entschieden.

 

Endoskopisch assistierte Chirurgie

Wenn eine Operation mittels Endoskop durch die Nase nicht sinnvoll erscheint oder nicht möglich ist, kann dennoch ein Endoskop intraoperativ unterstützend eingesetzt werden. Bei einem Zugang durch die Schädelkalotte (transcraniell) kann ein gewinkeltes Endoskop, z. B. mit einer 30°, 45° oder 70° Optik wertvolle Einsichte ermöglich, um zum Beispiel an schwer zugänglichen Stellen eine bessere Übersicht zu bekommen. Hierbei wird das Endoskop also als zusätzliches Instrument der Visualisierung verwendet.

Offene transcranielle Resektion

Viele Pathologien der Schädelbasis sind aufgrund der Lage, Größe, oder der komplexen Ausdehnung nur über angepasste Eröffnungen des Schädels erreichbar. Mitunter sind auch Zugänge über die Halsseite oder sogar über das Gesicht erforderlich. Hierfür ist die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Disziplinen von entscheidender Bedeutung, um eine sichere Behandlung und ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Welche Behandlungsstrategie in Frage kommt ist von vielen Faktoren abhängig. Für jeden Patienten wird interdisziplinär ein genaues Therapiekonzept erstellt, in dem auch das operative Vorgehen abgestimmt ist. Neben operativen Verfahren ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Erkrankungen der Schädelbasis (insbesondere Tumore) die zielgenaue Bestrahlung. Genau wie bei der Planung einer Operation wird hierbei individuell die Art der Bestrahlung festgelegt und der Zielbereich definiert. Die Bestrahlung wird dabei zum Beispiel vor einer Operation angewandt um einen Tumor in der Größe zu reduzieren, um nach einer Operation einen Resttumor zu behandeln oder ein Nachwachsen zu verhindern, in einigen Fällen aber auch anstatt einer klassischen Operation, wenn es Gründe gibt, die gegen eine offene Entfernung sprechen.

Operative Ausstattung

Für offene transcranielle Operationen und mikrochirurgisch-transnasale Operationen stehen uns ein hochmodernes Operationsmikroskop zur Verfügung. Endoskopische Eingriffe werden mit Endoskopen verschiedener Länge und Blickrichtung (0°, 30°, 45°, 70°) in HighDefinition Auflösung durchgeführt.

Zur genauesten Lokalisation von anatomischen Strukturen und Pathologien nutzen wir ein Neuronavigationsgerät, mit dem Bildinformation aus MRT und CT Bildern zusammengeführt und auf die reale Operationssituation übertragen werden können. Geeignete Bilddatensätze werden präoperativ angefertigt.

Zum Monitoring von Hirnnerven während der Operation verwenden wir ein 32-Kanal Ableitungssystem, mit dem sowohl evozierte Potentiale abgeleitet werden können, als auch Nerven gezielt stimuliert und gemessen werden können.

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