Ein Schwerpunkt der Klinik für Neurochirurgie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gilt der Diagnose und Therapie von komplexen neurovaskulären Erkrankungen.

Wir verfügen für die Behandlung unserer Patienten über modernsten Technologien und arbeiten für ein optimales Management als Neurochirurgen in einem interdisziplinären neurovaskulären Team zusammen mit den Spezialisten der Bereiche Anästhesie, Neuroradiologie und Neurologie. Unsere Klinik bietet das gesamte Spektrum der Hirnbypass-Chirurgie und übernimmt, neben der operativen Betreuung der Patienten, auch die gesamte präoperative Diagnostik, insbesondere CT und MRT Angiographien können in unserem Zentrum mit Katheterangiographien und Perfusions-CT mit Diamox ergänzt werden.

EC-IC Bypass

Der EC-IC (extrakraniell-intrakraniell) Bypass ist eine operative Therapie, die zur Behandlung von Durchblutungsstörungen des Gehirns durchgeführt wird. Kommt es zu einer Reduktion des zerebralen Blutflusses, besteht das Risiko eines Schlaganfalls. Um den zerebralen Blutfluss zu verstärken, wird bei der Operation ein extrakraniell liegendes Gefäß nach intrakraniell umgeleitet.

Obwohl das Gehirn bei einem Erwachsenen nur 2 % der gesamten Körpermasse ausmacht, benötigt es ca. 20 % des Energie-Grundumsatzes und reagiert daher sehr empfindlich auf eine Durchblutungsstörungen. Diese können auftreten, wenn eine der versorgenden Arterien des Gehirns eingeengt oder verschlossen ist. Klinisch manifestiert sich die Erkrankung entweder, wenn die Durchblutungsstörung reversibel ist, als vorübergehender neurologischer Ausfall (TIA= Transitorische ischämische Attacke), oder wenn die Symptomatik und die Hirnschädigung irreversibel ist als ischämischer Schlaganfall. Bei einem EC-IC Bypass wird die Durchblutung in dem erkrankten Gefäß, durch die Umleitung des Blutflusses von einem extrakraniellen Spender-Gefäß nach intrakraniell, wiederhergestellt. Dadurch wird wieder eine ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen gewährleistet.

Es gibt zahlreiche Varianten der Hirnbypass-Operation, die uns ermöglichen, die verschiedensten Krankheitsbilder bei jedem Patienten individuell behandeln zu können.

Der Bypass kann aus einem oberflächlich in der Kopfhaut verlaufendem Spender-Gefäß konstruiert. Dieses wird während der Operation nach dem Hautschnitt aus dem Unterhautfettgewebe der Kopfhaut sorgfältig herauspräpariert, an der distalen Seite durchtrennt und durch eine spezifisch angelegte Schädelöffnung nach intrakraniell umgeleitet. Hier erfolgt, nach der Identifikation des Empfänger-Gefäßes, die Verbindung der zwei Gefäße durch eine präzise Nahttechnik (Anastomose). Das Hautgefäß gewährleistet dann, durch diese neu angelegte Anastomose, die suffiziente Versorgung, der zuvor schlecht durchbluteten Gehirnregion. Diese Technik (Niedrig-Fluss-Bypass) wird speziell dann benutzt, wenn nur ein kleineres Hirngefäß eingeengt oder verschlossen ist. Eine Übernahme der Funktion von einer der Hauptarterien des Gehirns kann dadurch nicht gedeckt werden. Für die Revaskularisation eines großen Hirnareals, d.h. für die Wiederherstellung der Funktion eines großen Hirngefäßes, benötigt man einen “Hoher-Fluss-Bypass”. Hier wird während der Operation von einer anderen Körperregion durch einen zweiten Hautschnitt ein Spender-Gefäß mit einem ausreichenden Durchmesser entnommen. Dieser wird dann an der einen Seite mit einer ähnlichen Nahttechnik an die äußere Halsschlagader (Arteria carotis externa) verbunden. Die andere Seite des Gefäß-Interponats wird, vor dem Ohr unter der Haut verlegt, durch eine Schädelöffnung nach intrakraniell umgeleitet. Dort wird das Gefäß an die Hirnzirkulation angeschlossen.

Wer profitiert von der Bypass-Operation?

Von den Hirnbypass-Operationen profitieren vor allem Patienten mit Moyamoya-Erkrankungen. Bei diesem Krankheitsbild führt der chronische Verschluss der intrakraniellen inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) und deren Hauptäste zu einer progrediente Durchblutungsstörung des Gehirns, und damit zu einer Entwicklung von einem kollateralen Kreis aus fragilen Gefäßen. Klinisch präsentiert sich diese Pathologie bei Kinder und Erwachsenen mit Blutungen, TIAs oder Schlaganfälle. 

Des Weiteren profitieren Aneurysma-Patienten von der Bypass-Chirurgie, bei denen aufgrund einer komplexen Konfiguration, das Aneurysma sowohl interventionell mit Coils, Stents oder Flow Diverters, als auch neurochirurgisch mit Clips, nicht behandelt werden können. In diesen Fällen, in denen das zum Aneurysma führenden Gefäß oder ein abgehender Ast nicht erhalten werden kann, erlaubt ein Bypass die chirurgische oder radiologisch-interventionelle Versorgung des Aneurysmas, nachdem das gefährdete Gefäße mit einem Bypass von einem neuen Gefäß versorgt wird. 

Zusätzlich können bei manchen Patienten mit Schädelbasistumoren, die Hauptarterien des Gehirns von dem Tumor ummauert und dadurch sekundär eingeengt sein. Auch hier können TIAs oder Schlaganfälle auftreten. Der Blutfluss kann so mit einem Bypass wiederhergestellt werden. Daneben kann die Resektion dieser Tumoren bei manchen  Patienten die Funktion von den bereits beeinträchtigten Arterien negativ beeinflussen. Hier kann auch die Bypass-Technik appliziert werden.

Die Evidenz der Bedeutung der Bypass-Operation in der Therapie von Patienten mit einem chronischen Verschluss der Arteria carotis interna, die mit einem geringen neurologischen Defizit trotz ausreichender medikamentöser Therapie unter rezidivierenden TIAs leiden, ist umstritten. Hier wird eine chirurgische Intervention nur nach Durchführung einer dynamischen Bildgebung (CT-Perfusion mit Diamox) den Patienten mit eingeschränkter Hirnperfusion und aufgebrauchten Perfusionsreserven als „Ultima Ratio“ empfohlen.

Auch Patienten mit einer symptomatischen chronischen Einengung oder sogar mit einem Verschluss einer intrakraniellen Arterie, können von einem Hirnbypass profitieren, bei denen sich die Kollateralzirkulation als nicht ausreichend  und sich eine interventionelle Behandlung als ungünstig zeigt.

STA-MCA Bypass

Die häufigste durchführte EC-IC Bypass-Operation ist der Niedrig-Fluss Bypass. Bei dieser Bypass-Art wird ein Ast der oberflächlichen Schläfenarterie (Arteria temporalis superficialis) durch einen direkten Hautschnitt über dem Gefäß isoliert. Der unterliegende Kaumuskel (Musculus temporales) wird dann linear durchtrennt um den Schädel darzustellen. Durch die Anwendung eines Navigationssystems wird eine gezielte Schädelöffnung durchgeführt, die Hirnhäute geöffnet und die Hirnoberfläche exponiert. Dort wird das Empfänger-Gefäß im Versorgungsgebiet der Arteria Cerebra media lokalisiert. Die Arteria temporalis wird dann an dem distalen Ende der Präparation durchtrennt und anschließend unter dem  Operationsmikroskop mittels präziser Nahttechniken mit dem Empfänger-Gefäß verbunden, das für die Dauer der Anastomose-Naht mit Clips temporär verschlossen wird. Die Funktion des Bypasses wird nun intraoperativ mit einem Mikrodoppler und einer Flussmessung überprüft. Anschließend erfolgt die Rekonstruktion der Hirnhaut, des Schädels und der Weichteile. Während der Operation wird die Hirnfunktion mittels intraoperativem neurophysiologischem Monitoring überprüft, um das Risiko von einem intraoperativem Schlaganfall vorzubeugen.

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