Arbeitsgruppe Kremer: Multiple Sklerose Forschung und experimentelle Neurologie

Die Arbeitsgruppe hat drei Schwerpunkte im Bereich der translational-klinischen Forschung.

In einem von der Forschungskommission (FoKo) der Universität Düsseldorf geförderten Vernetzungsprojekt zwischen Neurologie und Neuropathologie beschäftigen wir uns mit dem Einfluss humaner endogener Retroviren (HERVs) auf das Verhalten von Glioblastomzellen. Hierbei untersuchen wir, inwieweit das Hüllprotein (ENV) des pathogenen humanen endogenen Retrovirus der Familie W (HERV-W) einen Einfluss auf die Proliferation, Migration und Invasion von Tumorzellen ausübt. HERVs sind ursprünglich durch Virusinfektionen in die Keimbahn unserer Vorfahren gelangt. Diese „schlafenden“ Viren können jedoch reaktiviert werden und sind von wichtiger Bedeutung bei Multipler Sklerose (MS). Inwieweit sie hingegen auch beim Glioblastom, dem Hirntumor mit der schlechtesten Prognose, eine Rolle spielen ist bislang unklar.

Abbildung: Glioblastomgewebe (GFAP; rot), das von ENV-positiven myeloiden Zellen (ENV; grün) infiltriert wird (Reiche et al., 2022, in preparation).

Im Rahmen eines von der Ortsvereinigung Düsseldorf der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) geförderten Projektes beschäftigen wir uns in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Arbeitsgruppen AG Meuth, AG Ruck und AG Melzer mit der Immunantwort von therapeutisch CD20-depletierten MS-Patient*innen nach SARS-CoV-2-Impfung. Viele Daten deuten auf eine abgeschwächte Immunantwort nach SARS-CoV-2-Impfung bei Patient*innen mit Multipler Sklerose (MS) hin, die immunmodulierende Therapien erhalten. Wir konnten zeigen, dass nach einer Impfung anti-SARS-CoV-2(S)-Antikörper in 27,1% und eine SARS-CoV-2-spezifische T-Zell-Antwort in 92,7% der CD20-depletierten MS-Patient*innen nachweisbar sind. Aktuell untersuchen wir in einer Nachfolgestudie, ob die Impfung eine Erkrankung bei diesen Patient*innen auch tatsächlich verhindert.

Abbildung: Analysen, die zeigen, dass die T-Zell Antwort auf eine SARS-CoV-2-Impfung bei MS-Patient*innen, die mit dem CD20-depletierenden Antikörper Ocrelizumab behandelt werden, erhalten ist (Räuber et al., 2022).

Der dritte Forschungsschwerpunkt ist die Identifikation von Biomarkern, die die Diagnose einer MS erleichtern könnten. Zuletzt mehrten sich Hinweise darauf, dass sogenannte nitrosative Stressmoleküle wie Nitrat (NO3-) und Nitrit (NO2-) eine entscheidende Rolle bei der MS spielen könnten. Um die Bedeutung dieser Moleküle besser zu verstehen, führten wir eine Meta-Analyse durch, im Rahmen derer wir erstmals zeigen konnten, dass bei MS-Patient*innen eine signifikant höhere Nitrat/Nitrit-Konzentration im Nervenwasser (Liquor) vorliegt als bei Patient*innen mit anderen neurologischen Erkrankungen. Die Bestimmung von NO3- und NO2- könnte folglich ein wertvolles diagnostisches Werkzeug darstellen. Aktuell führen wir eine klinische Studie durch, die diese Hypothese weiter erhärten soll.

Abbildung: Forest plot, der zeigt, dass im Nervenwasser von MS-Patient*innen signifikant mehr nitrosative Stressmoleküle zu finden sind als bei Patient*innen mit anderen nicht entzündlichen neurologischen Erkrankungen (Förster et al., 2021).


    Sämtliche Publikationen von PD Dr. David Kremer via PubMed

Nach oben

MediathekInformation und Wissen
LageplanSo finden Sie uns