Informationen zur Radiojodtherapie:

Die Schilddrüse:

Die Schilddrüse hat die Form eines Schmetterlings und liegt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Sie ist normalerweise auf beiden Seiten so groß, wie das Endglied des Daumens, darf aber bei Erwachsenen auch bis zu 20 Gramm schwer werden. Wenn sie noch größer wird, ist sie am Hals zu sehen und zu tasten. Die Aufgabe der Schilddrüse ist die Produktion von Hormonen. Wichtiger Bestandteil dieser Schilddrüsenhormone ist Jod, das die Schilddrüse aus dem Blut heraus zu filtern vermag. Die Hormone werden in der Schilddrüse hergestellt, gespeichert und bei Bedarf an den Körper abgegeben. Diese Schilddrüsenhormone beeinflussen praktisch sämtliche Stoffwechselvorgänge im Körper. So steuern sie z. B. das Wachstum und sorgen bei Kindern für die Entwicklung von Gehirn, Kreislauforganen, Drüsen und Muskulatur. Bei Erwachsenen wirken die Schilddrüsenhormone so, als wenn beim Auto im Leerlauf Gas gegeben wird: alle Vorgänge im Körper werden angeregt. Das Herz schlägt schneller, die Nerven leiten den elektrischen Strom schneller, der Darm arbeitet schneller, Fett wird effektiver verbrannt, sogar die Haare wachsen schneller. Schilddrüsenhormone sind also lebenswichtig, zu viele Hormone können aber gefährlich werden.

Die Überfunktion:

Wenn die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut das gesunde Maß überschreitet, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion. Die Ursache ist in der Regel, daß die Schilddrüse zuviel Hormon ausschüttet. Dies bewirkt, daß die oben genannten Organe so arbeiten, als stünden sie unter Strom. Das Herz schlägt bis zum Hals, die Hände zittern, bereits in Ruhe bestehen Nervosität und innere Unruhe. Viele Menschen nehmen rapide an Gewicht ab, teilweise bestehen Durchfälle. Die Haut ist warm, weich und verschwitzt. Überhaupt schwitzt man viel. Eventuell kommt es zu Haarausfall. Bei einer bestimmten Ursache der Schilddrüsenüberfunktion, der Basedowschen Krankheit, kommt es außerdem zu Symptomen an den Augen: sie sind empfindlich,; tränen leicht und treten eventuell aus der Augenhöhle hervor. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich alte Fotos (Führerschein) betrachtet. Es kann im Extremfall auch zu Sehstörungen kommen.
Neben der Basedowschen Krankheit gibt es noch andere Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion. Sie alle haben eine Erhöhung der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut gemeinsam. Manchmal treten alle oben beschriebenen Symptome auf. Bei manchen Patienten besteht aber eventuell nur eines der genannten Zeichen. Häufig liegt z. B. bei Herzrasen und Herzrhythmusstörungen eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache vor.

Die Unterfunktion:

Viele Menschen glauben, daß sie an einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden, wenn sie an Gewicht zunehmen. Tatsächlich ist dies möglich und sollte von Hausarzt auch mit einer Blutuntersuchung kontrolliert werden. Man sollte aber bedenken, daß eine wirkliche Schilddrüsenunterfunktion, die unerkannt vorliegt, selten ist. Meist ist sie Folge einer Operation, bei der die Schilddrüse entfernt wurde, oder einer Entzündung mit Zerstörung der Schilddrüse. Es gibt auch Medikamente (z. B. Lithium), die eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen können. Die wichtigste und häufigste Störung der Schilddrüse ist aber die Überfunktion.

Die Behandlungsmöglichkeiten:

Zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion können drei verschieden Strategien eingesetzt werden. Ziel der Therapien ist in jedem Fall, daß die Schilddrüse ihre übertriebene Hormonproduktion verringert.
Die erste Methode ist die Gabe von Medikamenten, die die Schilddrüsenhormonproduktion behindern. Dies sollte immer der erste Schritt sein, nachdem eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt wurde. Die Einstellung auf diese Medikamente ist nicht ganz einfach und kann einige Wochen in Anspruch nehmen, in denen der Hausarzt regelmäßig die Hormonspiegel im Blut kontrolliert und die Medikamentendosis entsprechend angepaßt. Die Medikamente haben unerwünschte Wirkungen. Deshalb muß der Hausarzt auch die Leberwerte und das Blutbild während der Behandlung regelmäßig kontrollieren. Als Faustregel sollte die medikamentöse Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion nicht länger als zwei Jahre fortgesetzt werden. Sollte dann immer noch einer Überfunktion bestehen, muß eine definitive Behandlung erfolgen.
Dazu kommt die zweite Methode – die Operation der Schilddrüse – in Frage. Schilddrüsenoperationen gehören in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Durch einen Schnitt am Kragenrand wird die Schilddrüse oder zumindest der Teil, der zuviel Hormone produziert entfernt. Sobald die Hormone, die sich noch im Blut befinden, vom Körper abgebaut wurden, ist die Überfunktion beseitigt. Die Operation ist somit eine schnelle und effektive Behandlungsmethode. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß eine feingewebliche Untersuchung der heraus operierten Schilddrüse erfolgen kann, die den genausten Aufschluß über die Ursache der Überfunktion bietet. Allerdings hat eine Operation auch heutzutage noch ein gewisses Risiko, das mit dem Lebensalter zunimmt. Bei älteren Patienten oder Personen, die unter weiteren Begleiterkrankungen neben der Schilddrüsenüberfunktion leiden, sollte deshalb eine andere Therapieform in Betracht gezogen werden.

Die Radiojodtherapie (RJT):

Die Radiojodtherapie führt wie die Operation zu einer definitiven Sanierung der Schilddrüse. Zur Behandlung muß der Patient eine Kapsel einnehmen, die radioaktives Jod enthält. Dieses reichert sich in der Schilddrüse an und führt dort zu einer Radioaktivitätsdosis, die das überschüssige und übermäßig hormonproduzierende Gewebe zerstört. Die Vorteile sind offensichtlich: eine Operation mit dem damit verbundenen Narkoserisiko ist nicht erforderlich. Die Radiojodtherapie hat in der Regel sogar überhaupt keine unerwünschten Begleiteffekte für den Patienten und ist insbesondere nicht schmerzhaft. Nur in seltenen Fällen kommt es während der ersten Behandlungstage zu einer leichten Entzündung, die sich wie eine Angina bemerkbar macht und einfach zu behandeln ist. Der wichtigste Nachteil der Radiojodtherapie in Deutschland ist, daß die Behandlung nur unter stationären Bedingungen in speziell dafür eingerichteten Stationen erfolgen darf. Eine unserer Therapiestationen befindet sich auf dem Gelände der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Eine weitere am Forschungszentrum Jülich. Insgesamt verfügen diese beiden Therapieorte über 36 Patientenbetten. Das Universitätsklinikum Düsseldorf ist damit eines der größten Zentren für die Radiojodtherapie in Deutschland.

Der Aufenthalt:

Die Patienten liegen in der Regel in Zweibettzimmern. In Düsseldorf gibt es auch einige Einzelzimmer. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, Telefon und in Jülich auch Fernseher und Balkons mit Sonnenliegen. Während der Radiojodtherapie, die je nach Größe der Schilddrüse und abhängig von weiteren Faktoren zwischen 3 und 14 Tagen dauern kann, werden die Patienten medizinisch von unseren Ärzten und Schwestern betreut. Besuch von Verwandten oder Bekannten ist aber leider gesetzlich verboten. Auch dürfen die Patienten in der Regel ihre Zimmer nicht verlassen. Die Radioaktivitätsmenge in der Schilddrüse wird jeden Morgen 7-mal pro Woche bei jedem Patienten gemessen. Sobald dieser Wert den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert unterschreitet, kann der Patient entlassen werden.
Zur Behandlung und zum Zeitvertreib darf praktisch alles mitgebracht (und nach der Behandlung auch wieder mitgenommen) werden. Besonders anzuraten sind genügend Lesestoff, Handarbeiten und evtl. elektronische Medien. Sperrige Gegenstände (z. B. Hantelbänke oder Fitness-Fahrräder) sind in den Patientenzimmern nur schwer unterzubringen. Fragen Sie gegebenenfalls bei unserer Station nach.

Weitere Therapiemöglichkeiten mit der RJT:

Die Radiojodtherapie kann auch bei anderen Erkrankungen der Schilddrüse, die nicht mit einer Überfunktion einher gehen, sinnvoll sein. Dazu gehören das Schilddrüsenkarzinom und die Schilddrüsenvergrößerung (Struma). Das Behandlungsschema ist aber im wesentlichen auch bei diesen Erkrankungen so, wie oben beschrieben wurde: am ersten Behandlungstag wird eine Kapsel mit Radiojod verabreicht. Danach muß abgewartet werden, bis die Radioaktivität den gesetzlichen Grenzwert unterschreitet.

Fragen?

Bei weiteren Fragen zur Therapie können Sie sich an unsere Schwestern/ Pfleger bzw. unsere Stationsärzte unter den folgenden Rufnummer wenden: 

Stationsname:Telefon:
Station 21 Jülich02461-615763

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