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Deutscher Forschungspreis für Allgemeinmedizin 2016 der Dr. Lothar Beyer-Stiftung

Deutscher Forschungspreis für Allgemeinmedizin 2016 der Dr. Lothar Beyer-Stiftung

Düsseldorf

3. Preis geht an Düsseldorfer Arbeitsgruppe

Auf dem 50. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin wurde durch die Dr. Lothar Beyer-Stiftung der Deutsche Forschungspreis für Allgemeinmedizin 2016 vergeben.

Nach einem ausführlichen Begutachtungsverfahren der zahlreichen hochkarätigen Arbeiten wurden insgesamt sieben Preisträger ermittelt. In diesem Jahr wurde der bedeutende Wissenschaftspreis zum Thema „Herausragende allgemeinmedizinische Forschungsarbeiten sowie Allgemeinmedizinische Lehre in Ausbildung und Weiterbildung, die zur hausärztlich relevanten Kompetenzsteigerung maßgeblich beiträgt (Lehrforschung)“ verliehen. Aufgrund der Vielzahl besonders hochwertiger Einreichungen gibt es in diesem Jahr einen zweigeteilten ersten und einen dreigeteilten dritten Platz.

1. Preis:

  • Arbeitsgruppe (Anne Barzel u.a.) des Instituts für Allgemeinmedizin (Universitätsklinikum Hamburg) zum Thema „Home CIMT  –  ein  evidenzbasiertes  Therapiekonzept  für Schlaganfallpatienten in der vertragsärztlichen Versorgung“.
  • Arbeitsgruppe der Institute für Allgemeinmedizin in Göttingen und Hannover (Ildikó Gágyor, Jutta Bleidorn u.a.) für das Projekt „ICUTI: Sofortige vs. bedarfsangepasste antibiotische Therapie beim unkomplizierten Harnwegsinfekt – eine vergleichende Effektivitätsstudie in hausärztlichen Praxen“.

2. Preis:

  • Arbeitsgruppe (Klaus Böhme u.a.) des Lehrbereichs Allgemeinmedizin in Freiburg für das Projekt „PPI – PatientenProblemeInteraktiv

3. Preis: 

  • Arbeitsgruppe (Michael Pentzek u.a.) des Instituts für Allgemeinmedizin in Düsseldorf für die Arbeit „Menschen mit Demenz in der Hausarztpraxis – Beiträge zur allgemeinmedizinischen Versorgung und Konzeptbildung“
  • Arbeitsgruppe (Norbert Donner-Banzhoff u.a.) der Abteilung für Allgemeinmedizin in Marburg zum Thema „Kognitive Strategien in der Primärversorgung“
  • Dr. Christiane Muth, Institut für Allgemeinmedizin Frankfurt und Dr. Marjan van den Akker, Maastricht University und KU Leuven mit internationalen Mitautoren für die Arbeit „The ARIADNE principles: how to handle multimorbidity in primary care consultations“.


Der Förderpreis geht an Dr. Lena Blase von der Abteilung Allgemeinmedizin in Hannover für die Arbeit „Die ManRück Studie – Hausärztliche Manualtherapie bei unkomplizierten Rückenschmerzen“. 

Die Arbeitsgruppe um Dr. Michael Pentzek vom Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Dipl.-Psych. Angela Fuchs, Dipl.-Soz. Geront. Verena Leve, Prof. Dr. Horst Christian Vollmar, Prof. Dr. Heinz-Harald Abholz) konnte im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte zu einer Weiterentwicklung der hausärztlichen Versorgung von Patienten/innen mit Demenzerkrankungen beitragen.

Es wurde u.a. gezeigt, dass Hausärzte und Hausärztinnen leichte Demenzen nicht treffsicher erkennen und ihr klinisches Urteil dabei durch die spezifisch hausärztliche Nähe zu Patienten und Patientinnen beeinträchtigt sein kann. Auch der ärztliche Anspruch auf Heilung von Krankheit statt Begleitung von Patienten/innen kann der Aufmerksamkeit für frühe Demenzsymptome entgegenwirken. Die Arbeitsgruppe konnte ein kurzes Testverfahren evaluieren, das Hausärzte und Hausärztinnen bei der Demenzerkennung - falls Patienten/innen dies wollen - im Praxisalltag unterstützt.

Wenn es um die Vorhersage einer später auftretenden Demenz geht, hat das haus-ärztliche Urteil laut Forschungsergebnissen der Arbeitsgruppe eine Aussagekraft, die mit direkten Testungen bzw. Befragungen von Patienten/innen (MMSE, MCI, SMI) vergleichbar ist. Hier wird das allgemeinmedizinisch-diagnostische Potenzial des Hausarzturteils deutlich, welches durch zukünftige Forschung weiterzuentwickeln ist.

Weitere Arbeiten der Gruppe unterstreichen die Qualität hausärztlicher Versorgung: Patienten und Patientinnen mit und ohne Demenzerkrankung werden hinsichtlich ihrer zusätzlichen Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck) gleich gut behandelt. Eine Demenzdiagnose beeinträchtigt die hausärztliche Versorgung somatischer Erkrankungen nicht; der zuweilen vernommene Vorwurf einer Vernachlässigung wird widerlegt.

Die Düsseldorfer Arbeitsgruppe arbeitet aktuell an einer alltagspraktischen Vorgehensempfehlung für die Hausarztpraxis zum Umgang mit Autofahrer/innen mit De-menz sowie an einem allgemeinmedizinischen Konzept von subjektiven Gedächtnisstörungen und -sorgen älterer Menschen.


Die Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe werden gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (AgeCoDe-Studie, FKZ 01GI0423 u. 01GI0713 und CADIF-Studie, FKZ 01GI1011), von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. (Fahrsicherheit bei Demenz) sowie von der Forschungskommission der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Projekt SMI-GP, Nr. 43/2015).

Der Preis wird vergeben durch die Dr. Lothar Beyer-Stiftung in der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM). Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sowie der Deutsche Ärzte-Verlag unterstützen die Preisvergabe. Weitere Informationen zu den einzelnen Forschungsthemen können Sie dem Material auf den Seiten zum Dr. Lothar Beyer-Preis unter www.desam.de entnehmen.

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