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Kinderchirurgin: „Ich habe das Gefühl, dass ich helfen kann“
Dr. Christiane Staude ist Chefärztin der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Foto: UKD

Von: Jörn Grabert

Kinderchirurgin: „Ich habe das Gefühl, dass ich helfen kann“

Dr. Christiane Staude, Chefärztin der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf, über die Herausforderung, Kinder zu operieren

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Dieser Satz gilt für die Arzneimitteltherapie, wenn es um die Bemessung der Wirkstoffe geht, beschreibt aber auch ganz gut das Betätigungsfeld der Kinderchirurgen. Von der Wahl der Operationstechnik bis hin zur Kommunikation muss alles auf die kleinen Patienten abgestimmt sein – unter stetiger Einbeziehung der Eltern.

„Die Interaktion, die wir mit den Kindern und den Eltern haben, ist sicher eine Besonderheit. Allein die Symptommitteilung durch die Kinder ist viel schwieriger zu deuten als bei einem Erwachsenen“, unterstreicht Dr. med. Christiane Staude. Die Chefärztin der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) führt weiter aus: „Wir sehen hier die ganze Familie.“ Das siebenköpfige Ärzteteam arbeite immer darauf hin, sowohl das erkrankte Kind alters- und situationsgerecht zu informieren als auch die Eltern intensiv mit einzubeziehen.

Dass Dr. Staude Kinderchirurgin geworden ist, ist recht weit entfernt von einem Wunder. Der Vater ein Chirurg, die Mutter eine Kinderärztin – da darf es fast als folgerichtig gelten, wenn die Tochter nun Kinder operiert. „Ich habe mich schon für meine erste Famulatur an einer wirklich guten Kinderchirurgie beworben“, sagt die Düsseldorfer Chefärztin. „Das hat mich dann gepackt.“ Es folgten ihre Doktorarbeit zum Thema und die ersten Berufsjahre an sehr renommierten kinderchirurgischen Kliniken in Mannheim, Heidelberg und Hamburg.

Operationen so schonend wie möglich

„Bei den Operationen greifen wir wann immer möglich auf minimal-invasive, also schonende Operationstechniken zurück“, so Dr. Staude. Zum Einsatz kommen in vielen Fällen Spezialinstrumente, die den Anforderungen der Kinderchirurgie gerecht werden müssen – zum Beispiel das Operieren mit kleinsten Zugängen und mit einem recht eng begrenzten Aktionsradius, um kein empfindliches gesundes Gewebe zu verletzen.

Mitunter behandeln die Ärzte vergleichbare Krankheitsbilder bei Erwachsenen und Kindern unterschiedlich. „Wir haben mit einigen Methoden, die im Erwachsenbereich zurückhaltend eingesetzt werden, großen Erfolg bei Kindern, weil diese über bessere Heiltendenzen verfügen“, sagt die Chefärztin. Darmnähte heilen beispielsweise viel besser ab und die sogenannte Spalthauttransplantation zur Deckung größerer Wunden ist bei Kindern deutlich erfolgreicher. Das ist für die Kinderchirurgin dann auch eine Bestätigung: „Hier sehe ich ganz konkret, dass ich erkrankten Kindern mit chirurgischen Maßnahmen gut helfen kann.“

Auch besondere Anästhesietechniken sind gefragt: „Bei sehr kleinen Kindern setzen die Anästhesisten bei bestimmten Indikationen auf eine Spinalanästhesie und können damit auf eine Vollnarkose mit belastender Beatmung verzichten“, so Dr. Staude, die sich in diesen Fragen eng mit den auf Kinder spezialisierten Anästhesisten austauscht.

In Düsseldorf arbeitet Dr. Staude seit November vergangenen Jahres. Sie und ihr Team kooperieren eng mit dem Level-1-Perinatalzentrum Universitätsklinikum Düsseldorf, eine Frühchen-Spezialstation der höchsten Kategorie, die auch Neugeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm behandeln darf. Die Kinderchirurgen kümmern sich hier um Frühgeborene mit angeborenen Fehlbildungen oder akuten Erkrankungen, die ein chirurgisches Einschreiten erforderlich machen. Ein Beispiel ist eine bei Frühchen manchmal auftretende massive Darmentzündung, medizinisch: nekrotisierende Enterokolitis. Die Chirurgen müssen bei schweren Verläufen Teile des Dünndarms entfernen.

Bei Krebserkrankungen: Zusammenarbeit im Netzwerk

Die Kinderchirurgen behandeln zudem Kinder mit Krebserkrankungen. Hierzu gehört unter anderem die Entfernung von Tumoren, die Entnahme von Biopsien wie auch die Anlage von Kathetern. Unter dem Dach des Kinderonkologischen Zentrums am UKD können die Kinderchirurgen auf ein großes Netzwerk an Spezialisten wie die Kinderonkologen und -Hämatologen, Kinderintensivmediziner oder Kinderradiologen zurückgreifen, die alle daran beteiligt sind, für das jeweilige Kind die bestmögliche Behandlungsoption festzulegen. Auch die Expertise der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie von Univ.-Prof. Dr. Wolfram T. Knoefel fließt oft mit ein.

Im Fall einer bösartigen Erkrankung werden die Kinderchirurgen und auch die Ärzte und das Pflegepersonal der Kinderklinik in Fragen der Kommunikation vor besondere Herausforderungen gestellt. „Natürlich gehört es für uns alle dazu, schlechte Nachrichten zu überbringen. Doch es ist dabei wichtig, gleich alle möglichen Handlungsoptionen aufzuzeigen, um deutlich zu machen, dass uns auch in schweren Fällen nicht die Hände gebunden sind“, so die Chefärztin. Dr. Staude ist immer wieder aufs Neue bewegt, wie tapfer Kinder auch bei schweren Erkrankungen sind. „Und es gibt immer wieder sehr beeindruckende Eltern, die mit dem Schicksal ihrer Kinder richtig toll umgehen.“

Auch für Notfälle stehen die Kinderchirurgen bereit. „Wenn ein verletztes Kind in der Zentralen Notaufnahme eingeliefert wird, beurteilen wir Kinderchirurgen ob im Bereich des Bauches oder des Brustkorbes Verletzungen vorliegen und können dann auch gleich eingreifen“, erklärt Dr. Staude. Darüber hinaus bietet ihre Klinik eine kinderurologische Sprechstunde an. Eine Sprechstunde für plastische Chirurgie bei Fragen rund um Fehlbildungen, Finger- und Fußfehlstellungen ist ebenfalls installiert.

Neu und in der Region einzigartig ist ein gemeinsames Angebot von Kinderchirurgen und Gastroenterologen. „Fachübergreifend betreuen wir Kinder mit Kurzdarmsyndrom, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Darmtransportstörungen“, so Dr. Staude. Auch die chirurgische Option bei starkem Sodbrennen, eine sogenannte Anti-Reflux-Plastik, bieten Kinderchirurgen und Gastroenterologen gemeinsam an.

Ganz unabhängig von der Erkrankung schätzt Dr. Staude die Unvoreingenommenheit von Kindern – auch wenn eine Behandlung zwischendurch mal unangenehm ist. „Ein Kind kann damit leben, dass zum Beispiel ein Verbandswechsel mal blöd ist, macht kurz danach schon wieder Quatsch mit. Das freut mich dann“, so die Chefärztin. Und sie ergänzt: „Für mich ist das der schönste Job.“ 

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