zurück zur Übersicht
Kongress zur Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung betont die Bedeutung von Hausarztpraxen im Netz der Versorger

Kongress zur Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung betont die Bedeutung von Hausarztpraxen im Netz der Versorger

Düsseldorf

Hausarztpraxen als niedrigschwellige Anlaufstellen im Quartier

Über 60 Teilnehmende aus Praxis und Wissenschaft trafen sich am 11.11.2015 im Universitätsklinikum
Düsseldorf, um über Hausarztpraxen und ihre Rolle in der Versorgung von Familien
im Quartier zu diskutieren. In den Vorträgen und Workshops wurde zum einen die
Frage, wie Familienmedizin gemeindeorientiert und interdisziplinär umgesetzt werden kann,
anhand von Beispielen für Projekte und vernetzte Versorgungsmodelle diskutiert. Zum anderen
standen die Familien und ihre Bedarfe an gesundheitlicher Versorgung im Vordergrund.
Beleuchtet wurden Unterstützungsmöglichkeiten zu Beginn des Lebens – das Konzept der
„Frühen Hilfen“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) –, Fragen
der psychosozialen Unterstützung mit Hilfe von Sozialpädagogen, quartiersbasierte Modelle
zur Unterstützung von Menschen mit Demenz, Hilfen bei häuslicher Gewalt wie auch bei der
häuslichen Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Familienmitglieder. Das Potential
einer familienmedizinischen Orientierung schilderten Hausärzte eindrücklich in Fallbeispielen
aus ihren Praxen. Sie erleben den Zusammenhang von Gesundheit, Krankheit und
Familie tagtäglich.


In ihrem Stadtteil oder ihrer Gemeinde können Hausärzte zusammen mit anderen Berufsgruppen
im Gesundheits- und Sozialwesen aus großen Gemeinschaftspraxen heraus mehr
und erfolgreicher Einfluss auf die Gesundheit in der Gemeinde nehmen, legte Jan DeMaeseneer,
Professor für Allgemeinmedizin der Universität Gent und Hausarzt in einem Gesundheitszentrum
in Belgien, dar.

„Dabei kommt der interdisziplinären Zusammenarbeit zukünftig eine viel wichtigere
Rolle als bisher zu“, sagt Prof. Dr. Stefan Wilm, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin
am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Hausärzte und ihre Fachangestellten-Teams können
zusammen mit Sozialarbeitern, Bewegungstherapeuten, Ernährungsberatern, Pflegenden und
Selbsthilfegruppen besser auf die Bedürfnisse der Familien in der Gemeinde eingehen.“ Die
Familie im Fokus erlaubt es, problematischen Entwicklungen vorzubeugen, auf die familiäre
Situation abgestimmte Behandlungsoptionen anzubieten und systemische Aspekte mit zu berücksichtigen.
„Dabei verstehen wir unter Familie viel mehr als die klassische Kernfamilie,
nämlich auch Patchworkfamilien, neue Formen von Lebensgemeinschaften und ethische Sorgegemeinschaften“,
erläutert Prof. Dr. med. Stefan Wilm, der selbst als niedergelassener
Hausarzt praktiziert. Erforderlich ist in der Versorgung von Patienten ein erweiterter Blick,
der soziale Ereignisse, die nicht unmittelbar mit medizinischen Befunden einhergehen, in Diagnose
und Therapieplanung mit einbezieht. Ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit und den
Aufbau von Netzwerken, um insbesondere psychosozialen Problemlagen begegnen zu können,
wird die Aufgabe nicht zu bewältigen sein. Ziel des Kongresses war es auch, Vertreter
von Familienmedizin zusammenzuführen und Forschungsansätze in der Familienmedizin zu
entwickeln. Denn noch immer liegen zu wenig Forschungsarbeiten zur Familienmedizin in
Deutschland vor. Die Fachveranstaltung fand in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft
für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) statt. Die Diskussion wird auf dem 4.
Kongress für Familienmedizin am 21. September 2017 in Düsseldorf fortgesetzt.

 

Kontakt:
Prof. Dr. med. Stefan Wilm / Dr. Vera Kalitzkus
Institut für Allgemeinmedizin (ifam) der Heinrich-Heine-Universität | Moorenstraße 5 |
40225 Düsseldorf
E-Mail: vera.kalitzkus@med.uni-duesseldorf.de
Telefon: +49(0)211 81-17771

zurück zur Übersicht
MediathekInformation und Wissen
LageplanSo finden Sie uns