Überblick über die Geschichte der Nuklearmedizin

Zwei Entdeckungen am Ende des 19. Jahrhunderts haben das Bild der modernen Medizin entscheidend geprägt. 1895 entdeckte Konrad Röntgen die Strahlen, die zum ersten Mal in der Geschichte einen Einblick in den Körper lebender Menschen ermöglichten. 1901 erhielt Röntgen für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik. Nur ein Jahr später wurde die Radioaktivität entdeckt. Henri Becquerel fand heraus, daß bestimmten in der Natur vorkommenden Elementen eine Strahlung innewohnt, die über Entfernungen hinweg und durch für Licht undurchdringliches Papier  fotografische Platten zu schwärzen vermag. 1903 wurde auch Becquerel für diese Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik geehrt.

Schon bald wurde klar, daß seine Entdeckung Anwendung in vielen unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen und auch in der Medizin finden sollte. Die erste praktische Anwendung der Radioaktivität galt aber der Lösung eines kulinarischen Problem:

George de Hevesy arbeitete in London und wohnte dort als Junggeselle möbliert und mit Vollpension. Sonntags gab es regelmäßig eine Spezialität seiner englischen Vermieterin, Meatpudding. Nach einigen Wochen beschlich de Hevesy der Verdacht, dass die Vermieterin die Reste des sonntäglichen Mahls in der darauffolgenden Woche wiederzuverwerten pflegte. Um dies zu beweisen, mischte er eine kleine Menge eines radioaktiven Isotops unter die Essensreste. Im Verhältnis zu dem übriggebliebenen Meatpudding war die eingesetzte Menge des Isotops sehr gering. Außerdem war es geruchs-, farb- und geschmacklos. Am Mittwoch darauf bestätigte sich de Hevesys Verdacht. Er konnte Radioaktivität im Auflauf nachweisen und demonstrierte dies triumphierend seiner Vermieterin, die ihn natürlich umgehend auf die Straße setzte.

alter mann

Die von George de Hevesy angewandte Methode wurde später als “Tracermethode” bezeichnet. Eine verschwindend kleine Menge eines radioaktiven Stoffes dessen Verteilung und Weg durch den menschlichen Körper man von außen anhand der radioaktiven Strahlung verfolgen kann, gibt Auskunft über Stoffwechselfunktionen des Körpers. Bald lernte man, welche Funktionen für die Verteilung bestimmter radioaktiver Isotope verantwortlich waren. So wurde offenbar, daß Jod rasch in der Schilddrüse anreichert wird, weil es hier als Grundbaustein der Schilddrüsenhormone dient. Die von außen mit Hilfe einer geringen Menge Radioaktivität gemessene Jodaufnahme ist ein Maß für die Stoffwechselaktivität der Schilddrüse, das auch heute noch zur Diagnostik verwendet wird.
Heute lassen sich die unterschiedlichsten biochemischen Vorgänge in der Medizin auf diese Weise darstellen und messen. Das Prinzip ist seit den Tagen der ersten Anwendungen von Becquerels Entdeckung unverändert: eine kleine und gesundheitlich unbedenkliche Menge eines radioaktiven Stoffes wird in den menschlichen Körper eingebracht. Meistens wird er in eine Vene des Patienten injiziert. Der Stoff wird jetzt im Körper durch einen biochemischen Prozeß von demjenigen Organ aufgenommen, das untersucht werden soll. Mit einem speziellen Detektor, der sogenannten Gamma-Kamera, kann dieser Vorgang und damit das interessierende Organ außerhalb des Körpers dargestellt werden. Heute weiß man, daß bei vielen Erkrankungen eine Funktion des Körpers gestört sein kann obwohl das Aussehen der betreffenden Organe keine Auffälligkeiten aufweist.
Der Fortschritt der Nuklearmedizin in den letzten Jahrzehnten ist zunächst auf die Entwicklung neuartiger Radiopharmaka zurückzuführen. Diese Substanzen sind gleichsam Sonden, die dem Arzt Auskunft über die Funktion von Enzymen, Botenstoffen und anderen Stoffwechselvorgängen liefern, durch die wir dann die Funktionsweise des Körpers und die Mechanismen von Erkrankungen immer besser zu verstehen lernen. Diese Erkenntnisse gehen in die Diagnostik und Therapie in der Medizin ein. Ein Ende dieser wissenschaftlichen Entwicklung, an der auch die Klinik für Nuklearmedizin der Heinrich-Heine-Universität beteiligt ist, ist noch nicht abzusehen. So sind zum Beispiel in Düsseldorf in den letzten Jahren wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über die biochemischen Defekte, die psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen zugrunde liegen, erarbeitet worden. Das Ziel ist es, diejenigen Funktionsstörungen verstehen und behandeln zu können, die so unterschiedlichen Erkrankungen wie der Depression, der Schizophrenie, der Epilepsie und der Alzheimerschen Krankheit zugrunde liegen. 
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Zwei Entdeckungen am Ende des 19. Jahrhunderts haben das Bild der modernen Medizin entscheidend geprägt. 1895 entdeckte Konrad Röntgen die Strahlen, die zum ersten Mal in der Geschichte einen Einblick in den Körper lebender Menschen ermöglichten. 1901 erhielt Röntgen für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik. Nur ein Jahr später wurde die Radioaktivität entdeckt. Henri Becquerel fand heraus, daß bestimmten in der Natur vorkommenden Elementen eine Strahlung innewohnt, die über Entfernungen hinweg und durch für Licht undurchdringliches Papier  fotografische Platten zu schwärzen vermag. 1903 wurde auch Becquerel für diese Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik geehrt.

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 17.09.2015
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