Patensystem am UKD

Was ist das Patensystem?

Durch das Patensystem am Uniklinikum Düsseldorf werden jedem neuen Lernenden der Physiotherapieschule ein Lernender aus dem Mittelkurs als ‘Pate‘ zugeteilt. Durch den Paten aus dem Mittelkurs finden die Lernenden des Unterkurses besser Anschluss in der Schule und haben immer einen Ansprechpartner, auf den sie zurückgreifen können. Außerdem fördert dieses System die soziale Atmosphäre in der Schule, wodurch sich die Lernenden enger verbunden und willkommener fühlen. Die Interaktivität der Kurse führt zu einem sehr angenehmen Klima und verhindert, dass die Ausbildung nur aus Lernen, Prüfungen und Unterricht besteht. Doch nicht nur für das Klima und die Einführung des neuen Kurses ist das Patensystem der Schule gut, sondern auch für den Mittelkurs. Durch die Nachfragen der neuen Lernenden – die durchaus auch fachlich bezogen sein können – haben die Lernenden des Mittelkurses auch einen lehrenden Effekt, da sie Dinge erklären können, die sie bereits gelernt und in der Klinik angewendet haben.

Das Patensystem im Unterricht

Patensystem im praktischen Unterricht

Da es schwer ist die einzelnen Kurse miteinander interagieren zu lassen, ohne dass der höhere Kurs im Stoff zurück bleibt ist eine Möglichkeit ein kursübergreifendes gemeinsames Fallbeispiel. Nach Möglichkeit sollte ein solches gemeinsames Fallbeispiel nach Abschluss einer Extremität oder eines übergreifenden Themas stattfinden, sodass auf das gesamte im Unterricht erworbene Wissen zurückgegriffen werden kann. Das Fallbeispiel sollte einerseits spezielle Bereiche für den Unterkurs beinhalten (bspw. Patient mit einer frischen Knie-TEP oder einer Tibia-Kopf und distalen Femur-Fraktur), andererseits aber auch Themen für den Mittelkurs bereithalten (bspw. Patient mit einer Humerus-Fraktur oder einer Wirbelkörper-Fraktur), sodass Paten und Patenkinder individuelle Arbeit leisten können. Dadurch, dass Pate und Patenkind zusammen an diesem Fallbeispiel arbeiten, kann der Unterkurs zu jedem Zeitpunkt Fragen stellen und Ideen zu der Behandlung vorstellen, die mit dem Paten besprochen/diskutiert werden können.
Durch die Diskussion über das gemeinsame Fallbeispiel kommt der Lernende des Mittelkurses in die Rolle eines Lehrenden und verinnerlicht dadurch die bereits erlernten Techniken, Muskeln, ect., wohingegen der Unterkurs Stoff, der im Unterricht vielleicht nicht ganz klar wurde, aus Sicht eines Lernenden erklärt bekommt und es eventuell besser verständlich wird.
Abgesehen von der fachlichen Komponente dieses Fallbeispiels wird der soziale Aspekt zwischen Unter- und Mittelkurs weiterhin gestärkt, da beide unter Eigenregie arbeiten und interagieren und die Lehrkörper in diesem Fall nur Ansprechpartner für völlig unklare Fragen darstellen.


Patensystem im theoretischen Unterricht

Da die Fächer Anatomie und Physiologie oft Probleme darstellen, da diese nicht praktisch in der Klinik angewendet werden können, sondern lediglich theoretisch im Unterricht stattfinden, kann auch hier auf das Wissen der Lernenden der höheren Kurse zurückgegriffen werden. Die Lernenden des Mittel-/Oberkurses können für die Lernenden der anderen Kurse ‘Nachhilfe‘ in den entsprechenden Fächern geben und den Stoff für sich selber so noch weiter verinnerlichen und eine Stütze für die Anderen darstellen. Diese Nachhilfe ist hilfreich für die Aufbereitung des Stoffes und eine gute Wiederholung für die Lernenden, die kurz vor dem Examen stehen und andererseits schulen die Lernenden sich darin vor mehreren Leuten zu sprechen, kompliziere Sachverhalte in eigenen Worten verständlich zu erklären und gewinnen an Selbstbewusstsein für das kommende Examen. Für die Lernenden, die an dieser ‘Nachhilfe‘ ist es eine gute Wiederholung und so sind sie besser für ihre eigenen Prüfungen vorbereitet und haben die Möglichkeit sich ein Beispiel am höheren Kurs zu nehmen, falls sie auch solche Stunden für ihre Examensvorbereitung geben wollen

Patensystem in der Klinik


Da der erste Praktikumseinsatz für den Unterkurs immer etwas Neues und Aufregendes ist und man sich noch nicht sicher im Umgang mit den Techniken oder gar im Umgang mit den Patienten ist, besteht die Möglichkeit den ersten Praktikumseinsatz des Unterkurses so zu legen, dass Patenkinder in der selben Klinik sind wie die Paten aus dem Mittelkurs.
Während in der Schule gemeinsame Fallbeispiele bewältigt wurden kann das theoretische Wissen hier dann praktisch angewendet werden, in dem Pate und Patenkind einen gemeinsamen Patienten behandeln, wodurch dem Lernenden des Unterkurses einerseits in seinem ersten Einsatz unter die Arme gegriffen wird und andererseits der Lernende des Mittelkurses in die Rolle eines Anleiters schlüpft. Die Idee dahinter ist die, dass die neuen Lernenden einerseits unterstützt werden und auch in der Klinik jeder Zeit Fragen zu Techniken oder auch zum Umgang mit Patienten stellen können und dass andererseits der Lernende des Mittelkurses in den Genuss kommt einen Schüler anzuleiten und auch dadurch an Selbstsicherheit gewinnt. Durch das Anleiten verschiedener Techniken, das Diskutieren der weiteren Behandlung eines Patienten und der gemeinsamen Befundaufnahme wird dem Lernenden des Unterkurses unter die Arme gegriffen und Dinge direkt am Patienten genauer erklärt und der Lernende des Mittelkurses wird besser auf das kommende Examen vorbereitet, da er auf sein erworbenes Wissen zurückgreifen muss, mehr Erfahrung im Erklärung von Behandlungstechniken bekommt, mehr Erfahrung im Vorbehandeln von Patienten sammelt und auch mehr Verantwortung als ‘Vorbild‘ für sein Patenkind hat.
Natürlich muss dieses Patensystem gerade in der Klinik mit den einzelnen Anleitern, die die Patienten verteilen, abgesprochen werden und zu jedem gemeinsamen Patienten müssen die Lernendem einen Befund einreichen, der von den Lehrkräften kontrolliert wird.



Verfasser:
Tom Postma (22 Jahre)
Lernender des Mittelkurs 2010 -2013 an der Schule für Physiotherapie des Uniklinikums Düsseldorf

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 20.10.2016
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