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Personalisierte Therapien bei hochmalignen Hirntumoren

Mit der neuen Hightech-Strategie "Innovationen für Deutschland" hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Ideen aus der Forschung noch schneller in innovative Produkte, Dienstleistungen und Innovationen für die Gesellschaft zu überführen. Dafür muss die Brücke zwischen akademischer Forschung und ihrer wirtschaftlichen Verwertung bzw. gesellschaftlichen Anwendung weiter gestärkt werden. Die Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP+" setzt hier an und unterstützt Forscherinnen und Forscher dabei, Forschungsergebnisse systematisch zu validieren und Anwendungsbereiche zu erschließen.

Malige Hirntumore zählen zu den tödlichsten Tumoren überhaupt und standardisiert eingesetzte Therapieverfahren resultieren meist in nur unzureichenden klinischen Erfolgen. Unter der Leitung von Dr. Ulf Kahlert werden an unserer Klinik in dem vom BMBF mit 1,3 Millionen Euro geförderten Verbundprojekt mit dem Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF, Projektmitverantwortliche Prof. Ellen Fritsche) personalisierte, klinisch anwendbare Therapien für Hirntumorpatienten basierend auf der individuellen genetischen Konstitution des Tumors identifiziert. Dabei steht die Zerstörung der besonders aggressiven Krebszellen mit Stammzelleigenschaften im Mittelpunkt. Ziel ist es bis Herbst 2020 an ausgewählten Patienten die experimentellen Projektergebnisse klinisch zu erproben.

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Brainsuite
Erste „Brainsuite“ in Nordrhein-Westfalen: OP-Saal mit eingebautem Computertomographen und Neuronavigationsystem

Neues aus der Aneurysmaforschung

Die Neurochirurgische Klinik der Universitätsklinik Düsseldorf verfügt über 2 hochmoderne OP-Säle mit intraoperativer Computertomographie (iCT) und Neuronavigation für Hirn- und Wirbelsäulenchirurgie. Die Durchführung der iCT-Bilder erfolgt direkt in OP-Position, wodurch Ungenauigkeiten, die durch Kopflagerung (sog. „Brainshift“) bzw. Verschiebung der Wirbelkörper entstehen, besser korrigiert werden können. Zusätzlich zum iCT können an das Navigationssystem ein OP-Mikroskop oder ein Ultraschallgerät gekoppelt werden, um kurzfristige Veränderungen zu verfolgen („real-time“). Alle Bilder können in höchstmöglicher Qualität unmittelbar vom Neurochirurgen auf großen Flachbildschirmen im OP-Saal betrachtet werden.

  • Vorteile zum Wohle des Patienten im Einzelnen:
  • Durchführung der Operation auf der Basis von aktuellsten Bildern,
  • bestmögliche Korrektur von Ungenauigkeiten bei Hirn-OPs („Brainshift“) und Wirbelkörperverschiebungen bei Wirbelsäuleneingriffen,
  • direkte Einspeisung der Bilder in das Navigationssystem,
  • Hilfe bei komplexer Hirntumorentfernung (z.B. Kontrolle von Resttumor, Einblutung o.ä.),
  • Hilfe bei komplexen Hirngefäßopeartionen (z.B. intraoperative CTA bei komplexem Aneurysma oder AVM),
  • Hilfe bei komplexen Wirbelsäuleneingriffen (z.B. Lagekontrolle von Schrauben oder Implantaten mit der Möglichkeit zur sofortigen Lageoptimierung),
  • Millimetergenaue Implantation von Schrittmacherelektroden bei Bewegungssrtörungen (z.B. Parkinsonkrankheit),
  • Hochpräzise Biopsieentnahme bei unklaren Tumoren oder Entzündungen des Gehirns,
  • Kopplung von Mikroskop oder Ultraschall an das Navigationssystem

 


Neues aus der Aneurysmaforschung

Schwarzblutsequenz als neue MRT-Technik zur Einschätzung der Gefährlichkeit eines intrakraniellen Aneurysmas (Hirnaneurysma)

Hirnaneurysmen werden zunehmend häufig zufällig entdeckt, z.B.  bei  einer CT oder MRT-Untersuchung aus anderem Grund oder einer Vorsorgeuntersuchung. Etwa 2-3 Prozent aller Menschen in Deutschland  haben ein solches Aneurysma. Die meisten sind harmlos und bedürfen keiner Behandlung, aber eben nicht alle. Eine Blutung aus einem Aneurysma ist ein katastrophales Ereignis, woran auch heute noch an die 50% der Betroffenen versterben.

Das  Blutungsrisiko eines Aneurysmas wird im wesentlichen  anhand bekannter  Risikofaktoren beurteilt, in erster Linie Größe und Oberflächenkontur.  Diese Faktoren können aber im Einzelfall nichts dazu aussagen,  ob ein Aneurysma  instabil geworden ist. Man geht davon aus, dass entzündliche Reaktionen in der Aneurysmawand mit einer Instabilität und somit drohenden Blutung verbunden sind. Die entzündliche Reaktion lässt sich anhand der Kontrastmittelaufnahme in der Aneurysmawand  darstellen.  Allerdings erlauben es erst moderne rechnerische Verfahren, das störende Signal des fließenden Blutes so zu eliminieren, dass die dünne Aneurysmawand  beurteilbar wird.

Diese sogenannten Schwarzblut-MRT-Sequenzen (Black Blood MRI) sind so ausgelegt, dass sie eine Blutflussunterdrückung erreichen und prä- und postkontrast  T1- oder protonengewichtete Sequenzen zur Charakterisierung der Gefäßwand  erlauben.  Erst  modere 3D-Sequenzen  ermöglichen  eine adäquate Darstellung und Auflösung der Aneurysmawand.

Ein Vorteil der neuen Methode ist, dass  ein normales Kontrastmittel verwendet wird und die Untersuchung somit  kein wesentliches Risiko birgt. Allerdings sind die Erfahrungen noch zu gering um die Wertigkeit der Methode abschließend beurteilen zu können.

Ein modernes Flussanalyseverfahren erlaubt es, den Fluss im Aneurysma zu kalkulieren und Areale zu identifizieren, welche davon rupturgefährdet sind.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuroradiologie des UKD wird die Flussrate in den Hirnaneurysmen berechnet und das Areal identifiziert, in welchen es zu größerer Belastung der Aneurysmawand kommt. Diese Areale weisen auf eine erhöhte Rupturgefährdung hin. Das Verfahren wird noch weiter ausgearbeitet und seine Aussagekraft damit verstärkt.

Flow-Diverter
Fig. 1: Bei diesem nicht-rupturierten fusiformen Aneurysma der Vertebralarterie sieht man in der Kontrast-Schwarzblut-Sequenz die Kontrastaufnahme in der Wand als weißen Ring (siehe Pfeil). Dies wird als Zeichen der Instabilität gewertet. In diesem Fall wurde das Aneurysma dann auch mit einem Stent (Flow-Diverter) behandelt.
Aneurysmawand
Flussvektoren und Kalkulation der Blutströmungen im Aneurysma. Desto größer die Vektorlinien sind, umso schneller ist der Blutfluß und der Druck der auf die Aneurysmawand ausgeübt wird.

Neue Technik verbessert möglicherweise die Heilungsraten bei Meningeomen

Obwohl meist gutartig , beträgt die Rückfallquote bei Meningeomen doch zwischen 10und 20%. An unserem Zentrum wurde eine neue Methode entwickelt, welche an der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie kürzlich vorgestellt wurde (Knipps J. und Mitarbeiter „Dural infiltration of meningiomas analyzed with 5-ALA based fluorescence: operating microscope versus fiber optic probe – clinical pilot series, DGNC, Frankfurt, publ. 8.Juni 2016“). Dabei wurde vor der Operation der Farbstoff ALA verabreicht. Im gesamten wurden 64 Proben der Grenzzone analysiert (durchschnittlich 7,11 Proben pro Tumor) . Das Tracersignal wurde dann qualitativ durch das Mikroskop beurteilt und zusätzlich durch ein eigens entwickeltes Messgerät. Überraschend war, wie weit entfernt Tumorzellen noch nachgewiesen werden konnten. Das neu entwickelte Messgerät war deutlich empfindlicher als das Mikroskop, die Tumorinfiltration zu erkennen. Möglicherweise lässt sich mit dieser Tracertechnik die Ergebnisqualität bei der mikrochirurgischen Entfernung von Meningeomen deutlich verbessern. Der Hauptnachteil der Messsonde ist im Moment noch dass eine Anwendung nicht direkt im Operationssaal stattfinden kann und die Proben daher zuerst entnommen werden mussten.


Risikoeinschätzung bei nicht-rupturierten Hirnaneurysmen

Aktuell ist in der Fachzeitschrift Neurology (Neurology® 2015;85:1–9,http://www.neurology.org/content/early/2015/08/14/WNL.0000000000001891.full.pdf+html) ein Score für die Risikoeinschätzung bei nicht- rupturierten, häufig zufällig entdeckten Hirnaneurysmen vorgestellt worden der von PD Dr. Etminan aus unserer Klinik zusammen mit einem Gremium international anerkannter Spezialisten entwickelt worden war. Anhand einer Reihe von Faktoren wird das Gesamtrisiko des Aneurysmas und andererseits der möglichen Behandlung abgeschätzt, woraus dann eine Empfehlung resultiert, zu behandeln oder nicht.

Der UIATS-Score zur Risiko-Einschätzung:

Score zur Einschätzung der Behandlungsindikation bei nicht rupturierten intrakraniellen Aneurysmen.


Aktuelle Entwicklung der Behandlung von nicht rupturierten arteriovenösen Malformationen des Gehirns (unruptured brain AVM)

Die endovaskuläre Embolisation, die in den 1980er Jahren als eine minimal-invasive Alternative zur chirurgischen Beseitigung entwickelt wurde, ermöglichte eine Reduktion der Durchblutung dieser Fehlbildungen und somit in schwierigen Fällen eine sicherere Operation. Die Embolisation wurde dann zunehmend als alleinige Behandlung als Alternative zur Operation eingeführt. Es wurde jedoch bald klar, dass eine vollständige Ausschaltung meist nicht erreicht wird. Die Hoffnung, dass auch eine teilweise Verstopfung das Blutungsrisiko und andere Symptome reduziert, ließ sich nicht beweisen. Zwei große Studien, die sogenannte ARUBA-Studie und das Scottish Audit of Cerebrovascular Malformations hatte kürzlich dargelegt, dass in der Summe die Behandlung nicht rupturierter arteriovenöser Malformationen, meist mit Embolisation, riskanter war als nicht zu behandeln.

Neue detailliertere Arbeiten, unter anderem von Steiger und Kollegen aus dem Universitätsklinikum Düsseldorf, zeigten nun, dass eine vollständige mikrochirurgische Elimination bei Patienten mit nicht-komplexen AVM viele günstigere Ergebnisse zeitigt als nur zuzuwarten. Steiger und Mitarbeiter haben nachgewiesen, dass das Behandlungsrisiko bei nicht-komplexen AVM (Spetzler-Martin Grand 1&2) schon nach 2,7 bis 4,3 Jahren durch das Blutungsrisiko der unbehandelten AVM wieder ausgeglichen wurde. Für diese Kalkulation wurde das Risiko eines Verlustes an Lebensqualität nach einer Blutung bzw. nach einer Operation herangezogen.

Im Gegensatz dazu muss auch nach dieser Analyse die Behandlung von komplexen AVM ohne Blutung (Spetzler-Martin Grad 3&4) kritisch gesehen werden. Hier scheint im Moment jede Behandlung so riskant wie oder riskanter als der natürliche Verlauf zu sein. Möglicherweise ergeben weitere Studien hier einen gewissen Vorteil für die Behandlung bei jungen Patienten.

avmneu

 

Einbuße an Qualitätskorrigierten Lebensjahren (QALY) nach Operation im Vergleich zum natürlichen Verlauf. Bei den nicht-komplexen AVM (SM1-2) wurde der durchschnittliche behandlungsbedingte Verlust von 0,5 QALY schon nach 2,7 Jahren durch das unbehandelte Blutungsrisiko wettgemacht. Wenn im Sinne einer Sensitivitätsanalyse das natürliche Risiko bewusst kleiner angenommen wurde als die verfügbaren Durchschnittszahlen, wurde das Behandlungsrisiko immer noch nach schon 4,3 Jahren ausgeglichen. Bei den komplexen AVM (SM3, SM4) wurde das behandlungsassoziierte Risiko aber durch das natürliche Blutungsrisiko innert überschaubarer Zeit nicht ausgeglichen (aus Steiger, Fischer, Rohn, Turowski, Etminan, Hänggi (2015) Microsurgical resection of Spetzler-Martin grade 1 and 2 unruptured brain arteriovenous malformations results in lower long-term morbidity and loss of Quality Adjusted Life Years (QALY) than conservative management - results of a single group series, Acta Neurochirurgica)


Novalis® Truebeam STx Radiochirurgie am UKD

 

Novalis

Das Universitätsklinikum Düsseldorf hat als eines der ersten Kliniken in Europa seit Frühjahr 2013 das neue Präzisionsbestrahlungsgerät Novalis® TrueBeam STx der Firma Brainlab für die millimetergenaue Strahlentherapie von Tumorerkrankungen im Kopf und Körper eingeführt. Das System ist eine Weiterentwicklung anderer Präzisionsgeräte wie Gamma-Knife oder Cyberknife. Das bildgesteuerte Radiochirurgiesystem Novalis® TrueBeam STx ist kompatibel mit den bildgesteuerten chirurgischen Präzisionsverfahren, so dass z.B. ein Tumor chirurgisch verkleinert werden kann und dann Reste an schlecht zugänglichen Stellen oder Reste welche Gefäße und Nervenbahnen umwachsen, mit der gleichen Planung noch bestrahlt werden können. Das System ist deshalb auch besonders geeignet für gutartige Tumor des Nervensystems, insbesondere Akustikusneurinome und Meningeome.

Bei der hochpräzisen Strahlentherapie, der sogenannten Radiochirurgie, werden in nur einer Sitzung gut- und bösartige Tumore sowie ausgewählte weitere Indikationen wie Trigeminusneuralgie und arteriovenöse Missbildungen der Gehirns oder Rückenmarkes mittels hochdosierter Strahlung therapiert. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht nötig. Vielmehr werden die meisten Patienten ambulant behandelt und können noch am selben Tag ihren gewohnten Alltagsaktivitäten nachgehen. Radiochirurgie kann auch dann noch eine Option sein, wenn ein konventioneller chirurgischer Eingriff als zu riskant eingeschätzt wird.

Das neue Radiochirurgiesystem am UKD verfügt über einen Hochleistungs-Linearbeschleuniger der neuesten Generation mit Multilamellenkollimator. Die Bestrahlungseinheit rotiert um den Patienten und kann die Bestrahlung aus verschiedenen Winkeln platzieren. Der computergesteuerte 6D-Behandlungstisch bewegt sich automatisch in 6 Richtungen und erzielt dadurch eine präzise Patientenpositionierung. In Kombination mit der hochqualitativen Bildgebung und der Positionierungssoftware ermöglicht das System den Ärzten die effiziente, präzise und flexible Behandlung ihrer Patienten.

Das Novalis® TrueBeam STx bietet mehr als die doppelte Strahlungsintensität im Vergleich zu älteren Geräten. Daher ist es auch möglich bei metastasierenden Krebserkrankungen mehrere Herde in der Regel in wenigen Minuten zu behandeln.

Die Präzisionsbestrahlung am Kopf und der Wirbelsäule erfolgt gemeinsam durch Neurochirurgen Strahlenonkologen und Strahlenphysiker. Das System umfasst eine Software zur Behandlungsplanung, die eine einfache Zusammenarbeit der beteiligten Experten ermöglicht. Diese können sich über ein web-basiertes Netzwerk austauschen und gemeinsam die Behandlung für den Patienten definieren.

Kontakt für weitere Informationen: Prof. Dr. J. Vesper Jan.Vesper@med.uni-duesseldorf.de

Die Zuweisung der Patienten zur stereotaktischen Radiochirurgie erfolgt über die Radiochirurgiesprechstunde unserer Klinik (PD Dr. J. Maciaczyk/Prof. J Vesper) unter der Tel.: (0211) 81-17935 oder interdisziplinäre Hirntumorkonferenz (INOK).

Sekretariat: Heike LittgesTel: +49 211 811 6058Neurochirurgische Klinik


Uniklinik Düsseldorf: Schmerztherapie mit Neuromodulation

Es gibt chronische Schmerzen, gegen die buchstäblich "kein Kraut gewachsen ist". Bei mindestens 600.000 Patienten in Deutschland besteht eine solche Schmerzerkrankung. Betroffene stehen unter großem Leidensdruck; sie sind in ihrer Lebensführung oder Erwerbstätigkeit oft erheblich behindert. Die elektrische Stimulation von Nerven, des Rückmarks oder sogar die Tiefe Hirnstimulation, die auch Neuromodulations-Verfahren genannt werden, führt bei vielen dieser geplagten Patienten zu einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden.Die Schmerzen können durch unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst werden: Dazu zählen Nervenschädigungen (Neuropathien), die vor allem an Nerven in Armen und Beinen, aber auch Trigeminusnerv im Gesicht vorkommen können. Sie entstehen manchmal nach Rücken- bzw. Bandscheibenoperationen oder es handelt sich um seltene Erkrankungen, wie z.B. schwer therapierbare Cluster Kopfschmerzen. Medikamente müssen hoch dosiert werden und stoßen, auch wegen der damit einhergehenden Nebenwirkungen, oft an die Grenzen ihrer Effektivität.Die elektrische Stimulation von Nerven, des Rückmarks oder sogar die Tiefe Hirnstimulation, die auch Neuromodulations-Verfahren genannt werden, führt bei vielen dieser geplagten Patienten zu einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden: Ein kleines Gerät, der Neuromodulator - ähnlich einem Herzschrittmacher - steuert über zwei an der Hirnoberfläche oder direkt im Körper oberhalb des Nerven platzierte Elektroden elektrische Impulse, die die Weiterleitung des Schmerzes unterbrechen. Die Anwendungsmöglichkeiten richten sich nach dem Krankheitsbild und reichen von Elektroden unter der Haut, an peripheren Nerven, am Rückenmark oder im Gehirn bei der Stimulation spezieller Anteile der Hirnrinde oder der Tiefen Hirnstimulation.Man geht davon aus, dass bei neuropathischen Schmerzen nur etwa 50 Prozent aller betroffenen Patienten mit Medikamenten ausreichend therapiert werden können. Da die Regenerationsfähigkeit des Nervensystems beschränkt ist, ist eine "Heilung" nicht möglich. Dennoch, so die Experten des Zentrums für Neuromodulation, sei es möglich, bei ausgewählten Indikationen für 70 bis 80 Prozent der mit Medikamenten nicht mehr behandelbaren Neuropathien noch eine dauerhaft zufriedenstellende Schmerzkontrolle zu erreichen. Ein Fachsymposium zum Thema "Neuromodulation bei Schmerzen" am 28. November in Schloss Mickeln stellt die Einsatzgebiete der Neuromodulation an der Düsseldorfer Uniklinik vor.Kontakt: Prof. Dr. Jan Vesper, Tel.: 0211 / 81-18408Weitere Informationen: Funktionelle Neurochirurgie Susanne DopheidePresse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums


Funktionelle Neurochirurgie

Die stereotaktische und funktionelle Neurochirurgie hat ihren Stellenwert in der Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung, vor allen Dingen in der Phase des sogenannten L-Dopa-Langzeit-Syndroms. Bei einem gewissen Prozentsatz der betroffenen Parkinson-Patienten (40-60%) kommt es nach mehrjähriger kontinuierlicher L-Dopa-Therapie zu Nebenwirkungen und einer Wirkungsminderung des L-Dopa.

Dies geht für die Patienten mit einem plötzlich und unvorhersehbaren Wirkungsverlust, einer zeitlich verkürzten Wirkung der Einzeldosis sowie während der On-Phasen nicht kontrollierbaren Überbeweglichkeiten (Hyperkinesien) einher. Sobald die klinische Ausprägung dieses L-Dopa-Langzeit-Syndroms zu einer deutlich spürbaren Einschränkung der Lebensqualität führt, diese durch eine Anpassung und Veränderung der Medikamente nicht mehr ausreichend kompensiert wird, kann die Indikation zu einem der Verfahren der funktionellen Neurochirurgie von einem erfahrenen Neurologen und erfahrenen funktionellen Neurochirurgen gemeinsam überprüft werden.

Derzeit geht man davon aus, dass ca. 15 bis 20 % der Parkinson-Patienten für eine solche Überprüfung der Indikation für einen funktionellen neurochirurgischen Eingriff in Frage kommen. In erster Linie wird dies an universitären Zentren durchgeführt, an denen sich interdisziplinäre Teams aus Neurologen und funktionellen Neurochirurgen gebildet haben, um diese Entscheidungen in gemeinsamen Konferenzen für Bewegungsstörungen zusammen mit den Patienten zu besprechen.

Eine Operation ist vor allem dann in Betracht zu ziehen, wenn die Medikamente nicht oder nicht mehr ausreichend helfen, oder wenn die Nebenwirkungen überwiegen. Die Auswahl von Patienten für derartige Operationen ist von drei Faktoren abhängig:

  • Resistenz gegen die medikamentöse Therapie während mindestens 6 Monaten
  • Ausmaß der motorischen Beeinträchtigung,
  • Minderung der Lebensqualität.

Vor der Operation sind sorgfältige neurologische Untersuchungen erforderlich. Wichtig ist, dass mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren diejenigen Orte im Gehirn berechnet und definiert werden, die die Störung verursachen und die behandelt werden müssen. Wenn diese Untersuchung abgeschlossen ist, kann der spezialisierte Neurochirurg bereits voraussagen, in welchem Maße sich die motorische Unruhe korrigieren läßt.

Die technisch und personell aufwendige Hirnschrittmacher-Operation wird nur an wenigen Neurochirurgischen Zentren durchgeführt. Die intensive Kooperation mit spezialisierten Neurologen ist notwendig, um das individuelle Krankheitsbild präzise zu diagnostizieren, die Eignung eines Patienten für den Eingriff zu beurteilen, den Grad der Beschwerdebesserung vorherzusagen und die optimale Einstellung der Stimulationsparameter des Hirnschrittmachers nach der Operation festzulegen. Die derzeitigen Erfahrungswerte in Deutschland erstrecken sich auf fünf bis acht Jahre. Die meisten Bewegungsstörungen wie Tremor (unwillkürliches Zittern), Rigor (Steifigkeit), Akinese (Antriebsarmut) und auch die Fehl- und Schleuderbewegungen der Dystonie sind gut unterdrückbar. Nach der Operation können sich die meisten Patienten etwa 50-60% der Medikamente ersparen und vermindern damit ihre unangenehmen Nebenwirkungen. Im Laufe der nächsten Monate wird schrittweise die optimale Einstellung der Stimulationsparameter bestimmt. Dazu wird der Stimulator über ein spezielles Gerät telemetrisch angesteuert und programmiert. Der Patient kann mit Hilfe eines kleinen Therapiesteuergerätes selbst die Funktion des Stimulators anpassen und überprüfen.

Die Kosten für die Operation (Implantat, OP-Kosten und Krankenhausaufenthalt) werden von den Kassen übernommen. Die Nachbetreuung erfolgt gemeinsam durch den behandelnden Neurologen und den Neurochirurgen.


Endoskopische Operation für Bandscheibenvorfälle

Ein besonders schonendes Operationsverfahren für Bandscheibenvorfälle bietet die neurochirurgische Universitätsklinik Düsseldorf an. Neu ist eine vollständig endoskopische Methode, die für Bandscheibenvorfälle an der Lendenwirbelsäule geeignet ist. Seit Anfang des Jahres setzten die Düsseldorfer Neurochirurgen mit guten Erfahrungen dieses in Deutschland bisher wenig verbreitete Verfahren ein.

Um an den Ort des Geschehens zu gelangen, musste sich der Operateur bisher durch das Muskelgewebe des Rückens Zugang zum Wirbelkörper verschaffen. Dort war es außerdem nötig Knochengewebe abzutragen, um herausgebrochene Bandscheibenanteile entfernen zu können.

Nur etwa fünf Millimeter groß ist der Zugang zum Operationsfeld mit den speziell für das endoskopische Verfahren entwickelten Instrumenten. Muskelgewebe und Knochen werden dabei geschont. Vorteile für die Patienten sind weniger postoperative Schmerzen, eine schnellere Heilung und eine kürzere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Die endoskopische Technik stellt eine sinnvolle Ergänzung zu dem etablierten mikrochirurgischen Verfahren dar.

Kontakt:

Dr. R. Bostelmann
Mittwoch 09.00-16.00 Uhr
Geb. 11.54 (Neurochirurgische Klinik)
Terminabsprache unter Tel. 0211-8117935

Kunstbandscheibe/Bandscheibenprothese bei Erkrankugnen der Halswirbelsäule

Erkrankungen der Bandscheiben der Halswirbelsäule entstehen schleichend durch degenerative Veränderungen („Verschleiß“) oder plötzlich durch Verletzungen. Bei Bandscheibenvorfällen kommt es durch einen Riß im harten, äußeren Faserknorpel-Ring zum Austritt des weichen Knorpelgewebes aus der Mitte der Bandscheibe.

In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, anstelle der zerstörten Bandscheibe einen künstlichen Bandscheibenersatz (Bandscheibenprothese) einzusetzen. Diese ermöglicht durch ihren Aufbau bei Bewegungen des Halses eine Verschieblichkeit der angrenzenden Halswirbelkörper in alle Richtungen (Beugung, Streckung, Rotation, Seitknicken) und erhält so den natürlichen Zustand der Beweglichkeit der Halswirbelssäule. mehr..


Millimetergenaue, stereotaktische Gewebeentnahme (Biopsie) bei Hirnläsionen zur Feststellung der Diagnose

Viele Hirnerkrankungen lassen sich auf den Schnittbildverfahren (Computertomographie = CT oder Kernspintomographie = MRT) so sicher erkennen, dass daraus schon die Diagnose gezogen und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann. Insbesondere bei Tumoren oder tumorverdächtigen Veränderungen sowie unklaren Läsionen ist es jedoch häufig notwendig, vor der Planung der Behandlung die Diagnose mittels einer Gewebeprobe (Biopsie) zu sichern.

In unserer Klinik können Läsionen jeder Art zur Feststellung der Diagnose millimetergenau und sicher mittels stereotaktischer Gewebeentnahme biopsiert werden. Dies geschieht durch einen 4 cm kurzen Hautschnitt und ein 7 mm kleines Bohrloch im Schädelknochen. Eine Routinebiopsie erfordert insgesamt nur einen stationären Aufenthalt von 2 bis 3 Tagen und bei Entlassung ist die Biopsiestelle am Kopf durch eine minimale Haarrasur und Versorgung mit Nähten unter der Hautoberfläche nicht erkennbar. Die Vorgespräche, Voruntersuchungen und Nachkontrollen können ambulant durchgeführt werden. mehr..

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  • Zuletzt aktualisiert am 24.10.2017
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