Stereotaktische Radiochirurgie stellt ein therapeutisches Verfahren dar, das eine hochpräzise, fokussierte und hochdosierte Bestrahlung eines Tumors oder einer Gefäßmissbildung insbesondere im Gehirn ermöglicht. Somit können diese Pathologien minimal-invasiv, ohne offene Operation effektiv behandelt werden. Das Zielvolumen der Bestrahlung wird durch dreidimensionale Computersimulationen dargestellt und stereotaktisch errechnet. Aufgrund der hohen Präzision der Strahlenapplikation ist es möglich während der Einzeitbestrahlung das umliegende, gesunde Hirngewebe zu schonen, was eine sehr gute Verträglichkeit diese Behandlungsmethode gewährleistet. Voraussetzung dafür ist eine klare Abgrenzbarkeit der zu behandelten Pathologie in den vor der Behandlung angefertigten diagnostischen Bildern (MRT, CT und ggf. PET). In unserem Zentrum wird dafür ein hochmodernes Bestrahlungssystem Novalis True Beam TX, auf einem Linearbeschleuniger basierend, angewandt. Das Gerät verfügt über sehr feine Multi-Leaf-Kollimatoren, die eine präzise Anpassung des Bestrahlungsfeldes an die Kontur auch kleiner, komplex geformter Zielvolumina ermöglicht. Die Präzision wird auch durch kontinuierliche, dreidimensionale Lagekontrolle des Patienten währen der Bestrahlung gesichert. Die Behandlung wird interdisziplinär neurochirurgisch/strahlentherapeutisch durchgeführt und ist für die folgenden Indikationen geeignet:

  • Hirnmetastasen

Patienten mit bis zu 4 kleinen (max. Durchmesser 3 cm) intrakraniellen Metastasen eines histologisch gesicherten Primärtumors werden in einer Sitzung radiochirurgisch Behandelt. Zudem können auch kleine Tumorreste, bzw. Rezidive im Bereich des Resektionsrandes der operativ versorgten Metastase adjuvant radiochirurgisch bestrahlt werden.

  • Hirnhauttumore (Meningeome)

Insbesondere Schädelbasismeningeome, die häufig operativ nicht zugänglich sind bzw. aufgrund der Nachbarschaft der vitalen Strukturen wie etwa den Gefäßen, Hirnnerven oder des Hirnstammes nur mit hohem Risiko einer postoperativen Funktionsstörung erreicht werden können, stellen eine gute Indikation zur stereotaktischen Radiochirurgie dar. Diese ist durch eine hohe Tumorkontrollrate, d.h. fehlende Größenzunahme, geringes Risikoprofil und kurzer stationärer Behandlungsdauer gekennzeichnet. Die Meningeome können sowohl primär als auch adjuvant, nach einer inkompletten operativen Resektion radiochirurgisch bestrahlt werden. Hierdurch sinken sowohl die Rezidivrate des unvollständig entfernten Tumors als auch die postoperative Morbidität. Zudem profitieren von der radiochirurgischen Einzeitbestrahlung Patienten im höheren Alter und mit internistischen Begleiterkrankungen, die ein besonderes Risiko für einen Eingriff in der Vollnarkose darstellen.

  • Akustikusneurinome

Diese Tumoren stelle eine der ältesten Indikationen der Radiochirurgie dar. Das Ziel der radiochirurgischen Behandlung ist eine lokale Tumorkontrolle, die in den Langzeitergebnissen über 90% liegt. In über 70% der Patienten kann auch das Gehör erhalten werden. Die Akustikusneurinome über 2.5 cm Durchmesser solle, sofern eine Operation nicht möglich ist stereotaktisch fraktioniert bestrahlt werden.

  • Gefäßmissbildungen (Arteriovenöser Malformationen, Kavernome)

Der modernen Versorgung der arteriovenösen Malformationen, mit dem Ziel der Ausschaltung des Gefäßnidus, steht eine multimodale Therapie mit Chirurgie, endovaskulärer Intervention und Radiochirurgie zur Verfügung. Mit der Radiochirurgie können Gefäßmalformationen in eloquenten, funktionswichtigen Hirnregionen versorgt werden. Zudem spielt die stereotaktische Einzeitbestrahlung eine wichtige Rolle in einem interdisziplinären Behandlungskonzept des Restnidus komplexer Angiome, der weder chirurgisch noch endovaskulär komplett verschlossen werden kann. Die Radiochirurgie der umschriebenen kavernösen Gefäßmalformationen, die aufgrund der elektiven Lage chirurgisch nicht zugänglich sind, vermindert signifikant die symptomatische Blutungsrate.

  • Funktionelle Neurochirurgie - Gesichtsschmerzen

Diese Anwendung der stereotaktischen Radiochirurgie wird vor allem in der Behandlung der Gesichtsschmerzen auf dem Boden einer Trigeminusneuralgie aber auch im Rahmen einer Multiplen Sklerose oder bei Schädelbasismeningeomen mit Infiltration des Nervus trigeminus eingesetzt.

Die Zuweisung der Patienten zur stereotaktischen Radiochirurgie erfolgt über die Radiochirurgiesprechstunde unserer Klinik (PD Dr. J. Maciaczyk/Prof. J Vesper) unter der Tel.: (0211) 81-17935 oder interdisziplinäre Hirntumorkonferenz (INOK).

 
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  • Zuletzt aktualisiert am 08.08.2016
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