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Darf ich Autofahren trotz Gips am Arm?
Wie beweglich muss ich sein, um ein Auto sicher führen zu können? Spezielle Prothesen simulieren bei den Versuchen das Tragen eines Gipses. „Uns ging es darum, zu schauen, wie unsere Probanden in speziellen Situationen reagieren – von der Vollbremsung bis zum Ausweichmanöver“, erklärt Dr. Erik Schiffner, Oberarzt an der UKD-Unfallchirurgie. (Bild: Universitätsklinikum Düsseldorf/UKD)

Von: Susanne Blödgen

Darf ich Autofahren trotz Gips am Arm?

Darf ich ein Auto fahren obwohl ich einen Gips am Arm habe? Wann bin ich aufgrund eines unfallchirurgischen Eingriffs in meiner Bewegung so eingeschränkt, dass ich das Auto besser stehen lassen sollte? Mit diesen Grundfragen beschäftigt sich ein Forschungsprojekt der Klinik für Unfall- und Handchirurgie (Klinikdirektor: Prof. Dr. Joachim Windolf) am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD). Seit drei Jahren forschen die UKD-Experten der Klinik zu diesem Thema, nun werden Tests mit Prothesen auf dem ADAC-Übungsplatz in Grevenbroich durchgeführt. Ziel der Testfahrten ist es, langfristige Leitlinien darüber zu erstellen, ab welcher Bewegungseinschränkung – zum Beispiel durch einen Gips – Autofahren aus ärztlicher Sicht nicht mehr zu empfehlen ist.

Die Idee zum Forschungsprojekt kam den Düsseldorfer Unfallchirurgen in ihrer täglichen Arbeit in der Klinik. Ihnen war aufgefallen, dass zwar die meisten Patientinnen und Patienten auf irgendeine Art in ihrer Bewegung eingeschränkt waren – sei es aufgrund einer Operationsnarbe, einer Verletzung oder weil sie zum Beispiel einen Gips angelegt bekommen hatten. Fast alle erklärten jedoch, mit dem Auto zum Nachsorgetermin gekommen zu sein. „Es klingt verrückt, aber es gibt in Deutschland keine Leitlinien, die vorgeben, wann aus ärztlicher Sicht die Bewegung eines Patienten nach einem unfallchirurgischen Eingriff zu sehr eingeschränkt ist fürs Autofahren. Bei vielen anderen Erkrankungen – wie zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder Krampfanfall – ist das aber genau festgelegt“, erklärt UKD-Unfallchirurg Dr. David Latz. „Das Strafgesetzbuch gibt vor, dass jemand, der körperlich nicht in der Lage ist, ein Kfz zu führen, dann aber trotzdem fährt und einen Unfall baut, bestraft werden kann. Wir wollen mit unserer Forschung aber genaue Einschränkungen identifizieren, bei denen wir als Ärzte empfehlen sollten, das Auto besser stehen zu lassen.“

Seit drei Jahren führt das Team daher Tests mit verschiedenen Probanden mit unfallchirurgischen Erkrankungen durch – von Armbrüchen bis zu chronischen Fehlbildungen. Mit speziellen Messgeräten versehen mussten die Probanden bisher über verschiedene Landstraßen fahren. Die Geräte zeichneten dabei auf, welche Bewegungsfähigkeit benötigt wird, um ein Auto sicher zu lenken und zu führen. „Nun sind wir einen Schritt weitergegangen. Jetzt ging es uns vor allem darum, zu schauen, wie unsere Probanden in speziellen Situationen reagieren – von der Vollbremsung bis zum Ausweichmanöver“, so Dr. Erik Schiffner, Oberarzt an der Düsseldorfer Unfallchirurgie. Damit die Tests realistisch sind, werden den Testpersonen dabei spezielle Prothesen angezogen, die die Gelenke ähnlich steifhalten, wie es zum Beispiel ein Gips machen würde. Prof. Dr. Sebastian Gehrmann, ebenfalls Oberarzt an der Klinik, ergänzt: „Es muss natürlich für alle Verkehrsteilnehmer sicher sein, deshalb konnten wir diese Tests nur auf einem Verkehrsübungsplatz machen. Danke an den ADAC für die Unterstützung!“

Das Fahrverhalten von rund 30 Personen konnten die Düsseldorfer Unfallchirurgen an den drei Tagen Versuchsaufbau analysieren. Das Ergebnis: Um ein Auto steuern zu können, benötigten die Probanden in den Tests eine Beweglichkeit im Ellenbogen von 30 bis 120 Grad. „Ganz grob gesagt, sollte man sich sowohl selbstständig die Schuhe zubinden als auch die Haare kämmen können. Bei der ersten Bewegung müssen die Ellenbogen recht weit durchgestreckt werden, während sie beim Haarekämmen gebeugt sind“, erklärt David Latz. „Ob man fahrttüchtig ist, hängt aber natürlich von den verschiedensten Faktoren ab: Wir testen hier ja nur die notwendige Beuge des Ellenbogens in einem Modellversuch. Wer sich ans Steuer eines Autos setzt, hat eine Verantwortung für sich, seine Mitfahrer und alle anderen Teilnehmer im Straßenverkehr. Ist man aufgrund einer Verletzung oder eines Gipses in seiner Bewegung eingeschränkt und es ist unsicher, ob man ein Auto sicher führen kann – auch wenn man theoretisch den Arm genug beugen könnte – gilt immer: Auto besser stehen lassen.“

Das Team der Düsseldorfer Unfallchirurgen wird weitere Test vornehmen, um seine Werte immer genauer festlegen und die Patientinnen und Patienten noch besser beraten zu können. Dafür heißt es bald wieder: Ab auf den Verkehrsübungsplatz nach Grevenbroich!

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