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Postatakrebs: Sichere Diagnose mit weniger Biopsien

Von: Susanne Dopheide

Postatakrebs: Sichere Diagnose mit weniger Biopsien

Klinische Vergleichsstudien leisten einen wichtigen Beitrag, um die etablierte medizinische Praxis mit Blick auf Nutzen und Nebenwirkungen zu prüfen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe (DKH) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) seit 2019 erstmals große klinische Studien in der nationalen Krebsforschung.

Zur Diagnostik von Prostatakrebs wurde nun eine große Multicenter-Studie, koordiniert am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zur Förderung empfohlen.

Sie soll die sichere Diagnostik eines Prostatakarzinoms ermöglichen und gleichzeitig unnötige Biopsien, Nebenwirkungen sowie Über- oder Unterbehandlungen vermeiden. Das von der Klinik für Urologie und dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKD etablierte Protokoll soll einen gezielteren diagnostischen Weg in der Primärdiagnostik von Prostatakarzinomen durch die Kombination von PSA-Wert, Tastuntersuchung der Prostata und moderner Bildgebung durch Magnetresonanztomographie bestätigen. An der Projektentwicklung waren neben den Universitätsklinika auch niedergelassene Urologen, Hausärzte im Rheinland und der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) beteiligt. Zunächst bewilligt das BMBF die siebenmonatige Konzeptphase der PRIMA genannten Studie, die an den Universitätsklinika Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Essen und Münster durchgeführt wird.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse könnten die Versorgungspraxis entscheidend verändern – ein wichtiger Schritt, um die Überlebenschancen krebskranker Menschen weiter zu erhöhen und ihnen ein Plus an Lebensqualität zu ermöglichen. Für solche klinischen Studien, aktuell insgesamt 13 in Deutschland, stellt das BMBF in den kommenden zehn Jahren bis zu 62 Millionen Euro bereit.

Diese (randomisierte prospektive) Vergleichsstudie vergleicht das bisherige Standardverfahren in der Prostatakarzinomfrüherkennung mit einer reduzierten, jedoch gezielteren Diagnostik, um zu zeigen, ob mit weniger, aber gezielten Biopsien gleichviele behandlungsbedürftige Karzinome gefunden werden. Gleichzeitig wird geprüft, ob etwa die Hälfte aller Männer, die sich aktuell noch der Entnahme von Gewebeproben aus der Prostata zur Sicherung der Diagnose unterziehen müssen, mithilfe der neuen multiparametrischen Magnetresonanztomographie ggf. gar nicht mehr biopsiert werden müssten. Dies wäre ein wesentlicher Fortschritt in der Diagnostik des Prostatakarzinoms. Mit der multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) können neben einer sehr genauen Anatomie u.a. auch Zelldichte und Durchblutung beurteilt werden.

Die Studie sieht vor, dass Männer im Alter von 50 bis 75 Jahren mit einem erhöhten PSA-Wert und/oder verdächtiger Tastuntersuchung zunächst vor jeder invasiven Diagnostik eine solche multiparametrische Magnetresonanztomographie erhalten. Nur Männer mit Ergebnissen, die verdächtig für ein Prostatakarzinom sind, werden biopsiert, d.h. nur bei ihnen werden Gewebeproben entnommen. Männer mit erhöhtem PSA und normaler multiparametrischer MRT werden beobachtet, aber nicht biopsiert. Im Studienarm mit dem vergleichenden Ansatz erhalten die Männer mit auffälligem Befund nur zielgerichtete Biopsien der auffälligen MRT-Veränderungen von drei bis maximal sechs Probenentnahmen (Biopsiestanzen). Probanden, die nach dem Standardverfahren diagnostiziert werden, erhalten eine zielgerichtete Biopsie zusammen mit einer systematischen Biopsie der Prostata (bis zu 18 Probenentnahmen). Damit soll geklärt werden, welche Zahl von Biopsien zukünftig für die Diagnose wirklich erforderlich ist.

Das definierte Ziel der klinischen Prüfung wäre die Gleichwertigkeit des innovativen Studienarms in der Gesamterkennungsrate von klinisch signifikantem Prostatakrebs und seine Überlegenheit bei der Vermeidung des Nachweises von klinisch unbedeutendem Prostatakrebs. Damit könnte die aktuelle Übertherapie mit unnötigen Operationen und Bestrahlungen reduziert werden. Projektleiter sind Dr. Rouvier Al-Monajjed, Klinik für Urologie, und PD Dr. Lars Schimmöller, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Insgesamt zielt die Studie darauf ab, die Patientenversorgung zu verbessern, indem die Anzahl der Biopsien beim einzelnen Patienten und bei der Gesamtheit der Patienten ohne Risiko reduziert werden kann. Auch das Risiko einer „Überdiagnose“ von klinisch nicht bedeutendem Prostatakrebs ließe sich so verringern. Dies wird sich direkt auf die klinische Praxis und positiv auf das Leben der Patienten auswirken. Zudem wird die finanzielle Belastung des Gesundheitssystems durch die Verringerung von Überdiagnosen und Überbehandlungen minimiert.

Medienkontakt:
Dr. Rouvier Al-Monajjed, Klinik für Urologie, (Dir. Prof. Dr. Peter Albers), Rouvier.Al-Monajjed@med.uni-duesseldorf.de, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 / 81-08608

PD Dr. Lars Schimmöller, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, (Dir. Prof. Dr. Gerald Antoch) Lars.Schimmoeller@med.uni-duesseldorf.de, Universitätsklinikum Düsseldorf, 0211 / 81-17754

 

 

 

 

 

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