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Dem Organspendeausweis kommt eine besondere Bedeutung zu: Er dient zur Willensbekundung und entlastet die Angehörigen, sollte eine Entscheidung über die Organspende getroffen werden müssen.

Organspende: Dokumentierter Wille fördert Zustimmung

Eine Analyse von Willensbekundungen und Zustimmungen zur Organspende in NRW-Universitätskliniken unterstreicht die Bedeutung des Organspendeausweises

Düsseldorf (UKD) – Die deutschen Organ-Spenderzahlen im internationalen Vergleich sind gering. Der Frage, welchen Einfluss ein Entschluss zu Lebzeiten auf die Entscheidung für eine Organspende hat, gingen die Transplantationsbeauftragten aus den sieben NRW-Universitätskliniken Münster, Düsseldorf, Essen, Aachen, Köln, Bielefeld und Bonn nach. Bei einer schriftlichen Willensbekundung lag die Zustimmungsrate mit 70 Prozent deutlich höher, als wenn Angehörige allein nach eigener Wertvorstellung entscheiden mussten. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Die von der Uniklinik Düsseldorf initiierte Organspende-Kampagne #DüsseldorfEntscheidetSich, an der alle Düsseldorfer Krankenhäuser, die Stadt Düsseldorf sowie zahlreiche Partner aus dem Gesundheitswesen, der Wirtschaft, dem Sport und dem Brauchtum beteiligt sind, setzt sich bereits seit September vergangenen Jahres dafür ein, dass mehr Menschen zu Lebzeiten ihre Entscheidung bezüglich einer Organspende auf einem Organspendeausweis dokumentieren. In den vergangenen Monaten wurden in diesem Rahmen bereits um die 20.000 Organspendeausweise bestellt und im Stadtgebiet ausgelegt oder direkt verteilt.

Laut Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2020 würden 71 Prozent der Befragten, die bereits eine Entscheidung getroffen haben, einer Organspende zustimmen. Diese Zustimmungsrate findet sich, wenn tatsächlich über eine Organspende entschieden werden muss, laut der Untersuchung in den NRW-Unikliniken nur dann, wenn Patientinnen oder Patienten sich zuvor schriftlich zum Thema Organspende, zum Beispiel mittels eines Organspendeausweises, geäußert hatten. „Insgesamt lag die Zustimmungsrate in den Unikliniken nur bei etwa 38 Prozent“, so Daniel Schrader, Organspendekoordinator an der Uniklinik Düsseldorf und Mitautor der Studie.

Um der Ursache dafür auf den Grund zu gehen, wurden in der Studie 289 Todesfälle mit Hirnschädigung genauer angeschaut, die zwischen dem 1. Juni 2020 und 30. Juni 2021 in den Universitätskliniken Aachen, Bielefeld, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster identifiziert wurden. Dabei interessierten sich die Autorinnen und Autoren der Studie für die Zustimmungsrate zur Organspende und den Einfluss der Entscheidungsgrundlage darauf. Dazu erfragten sie Willensbekundungen der potentiellen Organspender bei Angehörigen, Betreuenden und Hausärzten und sichteten alle verfügbaren Dokumente. Eine Zustimmung zur Organspende gab es in 110 Fällen, davon 30 in schriftlicher Form.

Organspende-Ausweis fördert Umsetzung des eigenen Willens und hilft Angehörigen

Bei einer vorhandenen schriftlichen Willensbekundung ergab die NRW-Studie eine hohe Zustimmungsrate von 70 Prozent, ähnlich wie in Umfragen der BZgA. Die Zustimmungsrate sank auf 49 Prozent, wenn alle Personen mit schriftlicher oder mündlicher Willensbekundung berücksichtigt wurden. Ist der Wille eines möglichen Organspenders aber unbekannt, so müssen die Angehörigen allein entscheiden.

„Der Organspendeausweis ist die einfachste Möglichkeit, den eigenen Willen zur Organspende zu dokumentieren“, sagt Daniel Schrader. „Mit der Kampagne #DüsseldorfEntscheidetSich wollen wir dazu beitragen, Organspendeausweise so einfach wie möglich und in einer großen Zahl verfügbar zu machen und so viele Menschen wie möglich davon zu überzeugen, den Ausweis bei sich zu tragen – ganz unabhängig davon, ob darauf die Bereitschaft zur Organspende oder eine Ablehnung vermerkt ist. Jede Entscheidung zählt!“

In der NRW-Studie hatten nur 14 Prozent der potenziellen Spender einen Organspende-Ausweis. Gemäß der BZgA-Umfrage wäre dies jedoch bei 44 Prozent der Bevölkerung zu erwarten gewesen. „Ohne eine dokumentierte Entscheidung sind es die Angehörigen eines plötzlich verstorbenen Menschen, die entscheiden müssen, ob der oder die Verstorbene nach dem Tod für eine Organspende zur Verfügung steht oder nicht“, berichtet Daniel Schrader. „In dieser hochemotionalen Situation entscheiden sich viele dagegen.“

 

Publikation:

Englbrecht, Jan Sönke; Schrader, Daniel; Kraus, Holger; Schäfer, Melanie; Schedler, Dirk; Bach, Friedhelm; Söhle, Martin: Willensbekundungen und Zustimmungen zur Organspende in sieben NRW-Universitätskliniken; Dtsch Arztebl Int 2023; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0367

https://www.aerzteblatt.de/archiv/229917/Willensbekundungen-und-Zustimmungen-zur-Organspende-in-sieben-NRW-Universitaetskliniken  

 

Informationen über die Kampagne #DüsseldorfEntscheidetSich:

Im Netz unter https://www.uniklinik-duesseldorf.de/des

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Zum Universitätsklinikum Düsseldorf:

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist das größte Krankenhaus in der Landeshauptstadt und eines der wichtigsten medizinischen Zentren in NRW. Die 9.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in UKD und Tochterfirmen setzen sich dafür ein, dass jährlich über 50.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt und 300.000 ambulant versorgt werden können.

Das UKD steht für internationale Spitzenleistungen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre, sowie für innovative und sichere Diagnostik, Therapie und Prävention. Patientinnen und Patienten profitieren von der intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit der 60 Kliniken und Institute. Die besondere Stärke der Uniklinik ist die enge Verzahnung von Klinik und Forschung zur sicheren Anwendung neuer Methoden.

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