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UKD-Kardiologie setzt junger Mutter ferngesteuerte Herzklappen-Klammern ein
Nach der Geburt ihrer Zwillinge hatten sich die Herzprobleme von Gesa Geissel verschlimmert. Das Team der UKD-Kardiologie konnte ihr mit Hilfe von speziellen Klammern helfen. Sie werden über die Leiste in das schlagende Herz eingesetzt und verschließen dort eine undichte Stelle in der Herzkammer. (Foto: Universitätsklinikum Düsseldorf/UKD)

UKD-Kardiologie setzt junger Mutter ferngesteuerte Herzklappen-Klammern ein

Nach der Geburt ihrer Zwillinge hatten sich die Herzprobleme von Gesa Geissel verschlimmert. Das Team der UKD-Kardiologie konnte ihr mit Hilfe von speziellen Klammern helfen. Sie werden über die Leiste in das schlagende Herz eingesetzt und verschließen dort eine undichte Stelle in der Herzkammer

Es beginnt im Jahr 2009 mit einer Herzmuskelentzündung: Gesa Geissel hat in der Folge mit Herzrhythmusproblemen und einer reduzierten Pumpleistung des Herzens zu kämpfen. Sie bekommt im Düsseldorfer Augusta-Krankenhaus einen Defibrillator eingesetzt. Das Gerät kann im Notfall selbstständig eingreifen und durch gezielte Stromstöße ein potentiell lebensgefährliches Kammerflimmern beenden.

„Natürlich musste ich weiter aufpassen, aber mit der Hilfe des Defis war ein normaler Lebensalltag wieder möglich“, erinnert sich die heute 39jährige. „Ich habe meinen ersten Sohn bekommen und mein Mann und ich haben uns sehr gefreut, als wir erfahren haben, dass ich beim zweiten Mal mit Zwillingen schwanger war. Auch wenn ich mir aufgrund meiner Krankengeschichte natürlich Gedanken gemacht habe.“

Diagnose: Mitralklappeninsuffizienz. Wenn der Blutabfluss im Herzen nicht mehr richtig funktioniert

Mitte August kommen ihre Zwillinge problemlos via Kaiserschnitt im Kreißsaal des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) zur Welt – die beiden sind putzmunter und können schon bald entlassen werden. Gesa Geissels Herzprobleme aber verschlimmern sich nach der Geburt, sie bekommt Luftnot und benötigt verschiedene Behandlungen. Diagnose: Mitralklappeninsuffizienz.

Grund ist eine defekte Mitralklappe, das Einlassventil der linken Kammer und eine der vier Klappen im menschlichen Herzen. „Durch die Herzmuskelentzündung sind die Herzkammern vergrößert und die eigentlich intakten Klappensegel werden quasi zu klein für die Kammern. Als Folge schließen sie nicht mehr richtig und verursachen eine undichte Mitralklappe – man spricht von Mitralklappeninsuffizienz. Das Blut fließt so bei jedem Herzschlag in die falsche Richtung zurück in den linken Vorhof und die Lunge. Das sorgt für die Luftnot der Betroffenen“, erklärt PD Dr. Ralf Westenfeld, Leitender Arzt des Bereichs Herzinsuffizienz, Notfall- und Rettungsmedizin der UKD-Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie.

Gesa Geissel kann zunächst entlassen werden, wird aber nach kurzer Zeit erneut als Notfall in das Augusta-Krankenhaus eingeliefert. Das Krankenhaus in Düsseldorf-Oberrath arbeitet im Herzinsuffizienz-Netzwerk eng mit dem UKD zusammen – für die bestmögliche Versorgung von Patienten mit schwachen Herzen in der Landeshauptstadt. Im Krankenhaus wird eine akute Verschärfung der Probleme festgestellt und Gesa Geissel im Rahmen der Zusammenarbeit zum hochspezialisierten Team der Uniklinik Düsseldorf zurückverlegt.

„Gemeinsam mit den Herzchirurgen haben wir uns entschieden, Frau Geissel zunächst konservativ – also mit Medikamenten – zu behandeln, um ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren“, erläutert Dr. Ralf Westenfeld. „Mitralklappeninsuffizienzen sind in Deutschland der zweithäufigste Herzklappenfehler, den man operieren muss. Der Fall von Frau Geissel ist aber besonders, weil wir es mit einer jungen Patientin von unter 40 Jahren zu tun hatten.“

Wieder mitten im Leben: Spezielle fernsteuerbare kleine Klammern reparieren die undichte Stelle im Herzen

In Abstimmung mit der Patientin entschloss sich das UKD-Herzinsuffizienz-Team – bestehend aus UKD-Kardiologie und UKD-Herzchirurgie – kleine Klammern zu verwenden, um die undichte Herzklappe zu reparieren. Die Therapie wird am UKD routinemäßig rund einhundertmal jährlich angewandt. Vor allem bei Patienten, die ein zu hohes Risiko haben, für eine Herz-OP mit Öffnung des Brustkorbs unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Stattdessen wird über eine Leistenvene ein spezieller Katheter bis in den Vorhof des schlagenden Herzens eingeführt. „Mit Hilfe dieses Katheters können wir die kleinen Klammern (sogenannte ‚Clips‘) genau auf die undichte Stelle der Herzklappe am schlagenden Herzen setzen. Die Lücke zwischen den beiden Segeln schließt und die Durchtrittsstelle wird verkleinert oder sogar komplett verschlossen. Für die Patienten ist der Eingriff schonend. Meistens können schon am Tag nach der OP erste Schritte auf der Station gelaufen werden“, erklärt Dr. Westenfeld.

Gesa Geissel hat vom Team um Dr. Westenfeld gleich zwei der modernen Klammern eingesetzt bekommen. Auch für das Team kein alltäglicher Eingriff: „Frau Geissel war sicherlich eine der jüngsten Patientinnen in Deutschland, bei der dieser Eingriff durchgeführt wurde. Das ist auch für uns etwas Besonderes.“

Das UKD konnte die Patientin zügig erneut verlassen – rund fünf Wochen nach der Geburt ihrer Zwillinge. Bei der Genesung im Krankenhaus hat ihr der tägliche Besuch ihres Mannes geholfen – immer abwechselnd mit einem der neugeborenen Zwillinge. „Das war für mich eine unglaubliche Erleichterung. Ich konnte meine Kinder die ganze Zeit sehen und auch für ihren Start ins Leben war das natürlich sehr wichtig. Ich muss im Alltag zwar noch ein bisschen auf mich Acht geben, aber dank des Eingriffs stehe ich wieder Mitten im Leben. Mein herzlicher Dank geht an das ganze Team des Kardiologie-Netzwerks, das sich medizinisch wie menschlich um mich und meine Familie gekümmert hat.“

Hintergrund zum Herzinsuffizienz-Netzwerk:

Für die bestmögliche Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz schließen sich zertifizierte, sektorübergreifende kardiologische Einrichtungen in sogenannten Herzinsuffizienz-Netzwerken zusammen. Zu den Einrichtungen gehören niedergelassene Praxen, Schwerpunktkrankenhäuser und überregionale Zentren, die als Heart Failure Unit-Zentren zertifiziert sind. Die Einrichtungen werden von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) nach einem standardisierten Katalog zertifiziert.

Das Universitätsklinikum Düsseldorf ist Transplantationszentrum und ist als eines der ersten Zentren in Deutschland bereits seit zwei Jahren als überregionale Herzinsuffizienz-Einheit zertifiziert. Im Netzwerk arbeitet das größte Klinikum der Stadt mit weiteren Krankenhäusern und Praxen zusammen, die mit festen Ansprechpartnern nach den gleichen Vorgaben arbeiten. Eng zusammen arbeitet die Kardiologie des UKD mit dem Augusta-Krankenhaus und dem dortigen kardiologischen Team um Chefarzt Prof. Dr. Rolf Michael Klein. Für die Düsseldorfer Patientinnen und Patienten ein Gewinn: Das UKD ist als überregionale Heart Failure Unit-Zentrum zertifiziert und das Augusta-Krankenhaus ist Herzinsuffizienz-Schwerpunkt-Klinik.

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