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Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen informiert sich vor Ort
Foto: Florian Kaiser-Winter

Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen informiert sich vor Ort

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen besuchte am Mittwoch, den 20. Mai 2020, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Sie informierte sich auf dem Campus persönlich über die medizinische Coronaforschung. Zweites wichtiges Thema war das laufende „digitale Semester“ an der HHU.

Ministerin Pfeiffer-Poensgen zeigte sich beeindruckt von den Aktivitäten in Universität und Universitätsklinikum: „Die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen haben unter den erschwerten Bedingungen von COVID-19 wirklich eine hervorragende Arbeit geleistet, um für die Studierenden ein breites Online-Lehrangebot zur Verfügung zu stellen. Zudem beteiligen sich zurzeit Forschungseinrichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen aktiv und in vielfältiger Weise an der Bewältigung der Corona-Pandemie. Ich bin beeindruckt von dem großen Engagement, mit dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Düsseldorf an der Charakterisierung des Virus und der Entwicklung von Therapiestrategien zur Behandlung von COVID-19-Patienten arbeiten."

Die HHU hat ihre Lehrveranstaltungen im Rahmen des digitalen Semesters weitestgehend auf Online-Formate umgestellt und bietet ihren Studierenden ein breites Lehrangebot. Um den Studienbetrieb für das Sommersemester zu ermöglichen, hat die HHU universitätsweite Regelungen und Maßnahmen abgestimmt, die an die Bedürfnisse der fünf Fakultäten angepasst wurden. Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck ist sehr zufrieden: „Die außergewöhnliche Situation, mit der wir alle umgehen mussten, hat das Potential für digitale Lehrformate schnell aktiviert. Die Veranstaltungen wurden in Rekordzeit umgesetzt, das digitale Sommersemester läuft technisch wie inhaltlich sehr gut. Wir bedanken uns bei der Landesregierung für die kooperative Unterstützung bei der Umsetzung.“

Für die medizinische Forschung an Heinrich-Heine-Universität und Universitätsklinikum Düsseldorf gaben Prof. Dr. Jörg Timm, Direktor des Instituts für Virologie und der Infektiologe PD Dr. Torsten Feldt, Leiter der aktuellen Remdesivir-Studien aus der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Einblicke in die Forschungsaktivitäten der Düsseldorfer Universitätsmedizin.

Was wissen wir über das Virus selbst? Der Entschlüsselung des Virusgenoms für Untersuchungen der Virusevolution und der molekularen Epidemiologie kommt eine zentrale Rolle zu. Die Informationen werden in internationalen Datenbanken zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist an den Instituten für Virologie und Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene angesiedelt. Die Virologie untersucht weiterhin die Frage der Immunität nach ausgeheilter Infektion. Bislang wird sie zwar vermutet, ist aber nicht nachgewiesen. Dieses Wissen wäre eine wichtige Voraussetzung für die öffentliche Gesundheitsvorsorge beim Umgang mit dem Virus, etwa im Hinblick auf Schutzmaßnahmen.

Zur Behandlung der Erkrankung COVID-19 wird an unterschiedlichen Ansätzen geforscht. Zum einen ist dies der Einsatz von Rekonvaleszentenplasma. Weltweit wird zudem die Therapie mit dem experimentellen Arzneimittel Remdesivir in Zulassungsstudien (Phase III) untersucht. Im Universitätsklinikum wurde der Wirkstoff deutschlandweit zum ersten Mal im Rahmen von „individuellen Heilversuchen“ eingesetzt. Hier ist auch die Leitung der beiden SIMPLE-Studien angesiedelt, die Wirksamkeit und Sicherheit der Substanz bei schweren und bei moderaten COVID-19 Fällen untersuchen.

Aktuell berichtete PD Dr. Torsten Feldt, dass erste Zwischenergebnisse der weltweiten ACTT-Studie eine klinische Wirksamkeit zeigen konnten: Unter bestimmten Voraussetzungen sei eine Therapiedauer von fünf gegenüber zehn Tagen ähnlich effektiv, - ein Vorteil für die Verfügbarkeit der Substanz. Auf Grundlage der vorliegenden Daten hat die US-Zulassungsbehörde FDA bereits eine Notfallgenehmigung für den Einsatz bei schweren COVID-19 Fällen erteilt. Die Europäische Zulassungsbehörde EMA prüft Remdesivir ebenfalls. Über eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) wird Remdesivir aktuell über ausgewählte deutsche Zentren für den Einsatz bei Patienten mit schwerer COVID-19 im Rahmen von individuellen Heilversuchen zur Verfügung gestellt. Mehr Patientinnen und Patienten können nun das Medikament außerhalb von Studien erhalten, sofern sie in Krankenhäusern behandelt werden und mindestens zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Damit stehe nun ein Wirkstoff zur Behandlung von COVID-19 zur Verfügung, der die Zeit bis zur Genesung reduzieren kann, sagte Feldt. Es handele sich aber nicht um ein „Wundermittel“. Bei Patienten, die erst bei fortgeschrittenem Krankheitsbild mit bereits eingetretenen Komplikationen die Behandlung erhalten, sei eine rasche Genesung nicht zu erwarten. Zudem müssen weitere Studiendaten abgewartet werden, um eine zuverlässigere Bewertung der Wirksamkeit vornehmen zu können.  

„Diese Entwicklung ist ein perfektes Beispiel für den Kern der universitären Medizin, in der sich Forschung in der Medizinischen Fakultät und Krankenversorgung im Universitätsklinikum die Hand geben. Wir können sehr stolz auf dieses leistungsfähige System „Universitätsmedizin“ sein. Hier bin ich mir mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Nikolaj Klöcker, vollständig einig“, sagte der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Düsseldorf, Prof. Dr. Dr. Frank Schneider dazu.

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