Vorhersage von kognitiven Leistungen im Erwachsenenalter
Ein Vergleich von Daten zu Gehirnstruktur, Gesundheit, demografischen Merkmalen und kognitiven Fähigkeiten
Das Verständnis dafür, wie die kognitive Leistungsfähigkeit im Laufe des Alterns abnimmt, ist entscheidend für die Erkennung früher Anzeichen einer Beeinträchtigung. Eine neue groß angelegte Studie von Dr. Camilla Mendl-Heinisch und PD Dr. Christiane Jockwitz mit mehr als 21.000 Teilnehmern aus der NAKO Gesundheitsstudie hatte zum Ziel, die wichtigsten Vorhersagefaktoren für die Leistung bei kognitiven Tests zu ermitteln.
Demografische Faktoren wie das Alter sowie bereits vorhandene kognitive Fähigkeiten (z. B. das Gedächtnis) waren die stärksten Prädiktoren. Im Gegensatz dazu waren strukturelle Hirnparameter (z.B. Volumen der grauen Substanz) und Gesundheitsdaten (z. B. Bluthochdruck) weniger aussagekräftig als erwartet. Eine Kombination der Informationen ergab nur leichte Vorteile. Zusätzlich ließen sich nicht alle kognitiven Fähigkeiten gleich gut vorhersagen - so ließ sich z.B. das episodische Gedächtnis genauer vorhersagen als die motorische Geschwindigkeit.
Interessanterweise war die Vorhersageleistung in der Gesamtstichprobe (grau) höher als in altersspezifischen Untergruppen (unterschiedliche Farben) - es ist also wichtig, Ergebnisse sohwol über die gesamte Lebensspanne hinweg als auch innerhalb bestimmter Altersgruppen zu vergleichen.
Die Studie erschien in GeroScience im April 2026 (https://doi.org/10.1007/s11357-026-02232-9)
Neue Studie beschreibt erstmals detailliert die Nervenarchitektur des menschlichen Klitorisorgans
Eine neue Studie „Ramification of the Dorsal Clitoral Nerve along its Course on the Human Clitoris“ von Dr. med. Wolf‑Vollenbröker und Co-Autor:innen beschreibt erstmals detailliert die Nervenarchitektur des in Teilen noch unerforschten menschlichen Klitorisorgans, insbesondere den Verlauf und das Spektrum der interindividuell unterschiedlichen Verzweigungen des für die Sensibilität zentralen dorsalen Klitorisnervs.
Die Kooperation zwischen unserer Arbeitsgruppe für Klinische Anatomie um die klinischen Anatomen Prof. Dr. med. Timm Filler und Dr. med. Michael Wolf-Vollenbröker und PD Dr. med. Dan mon O‘Dey, einem international ausgewiesenen Experten der vulvo‑clitoralen, rekonstruktiven Chirurgie, basiert auf speziellen Färbe- und Mikrodissektionsverfahren an postmortem Gewebe. Die Verbindung anatomischer Grundlagenforschung und chirurgischer Expertise hat hierbei die Basis für diesen relevanten Erkenntnisgewinn gelegt.
Die Ergebnisse können dazu beitragen, die chirurgische Versorgung von Patientinnen – etwa nach Operationen, Erkrankungen, Beschneidungen oder anderen Verletzungen – maßgeblich zu verbessern und neue operative Ansätze zur Wiederherstellung klitoraler Funktion, u.a. durch die nun verbessert mögliche Schonung feinster Nerven, zu entwickeln. Zudem erweitern sie das grundlegende Verständnis des anatomischen Aufbaus und der komplexen Nervenversorgung.
Die Studie erschien in Folia Morphologica am 03. April 2026 (DOI: 10.5603/fm.107254)
Neue Studie verfolgt den Verlauf einzelner Nervenzellfortsätze im menschlichen Gehirn
Wie Nervenzellen im menschlichen Gehirn im Detail miteinander verschaltet sind, ist bislang nur unzureichend bekannt. Während in Tiermodellen invasive Tracer-Methoden die Verfolgung einzelner Nervenfortsätze erlauben, sind gängige Verfahren beim Menschen – etwa die Magnetresonanztomographie oder Untersuchungen an Körperspenden – auf die Darstellung größerer Faserbahnen beschränkt.
In der Studie „Mapping intralobar fiber connections in the human occipital lobe by tracer electrophoresis“ zeigt Dr. Lars Freudenmacher, dass sich diese Grenzen überwinden lassen. Durch die Kombination klassischen Tract-Tracings mit elektrophoretisch beschleunigtem Farbstofftransport können Nervenfortsätze über mehrere Zentimeter hinweg im menschlichen Gehirn verfolgt werden – ein Bereich, der zuvor experimentell nicht zugänglich war.
Am Beispiel der Sehrinde im Okzipitallappen wurden so Verbindungen des visuellen Kortex innerhalb des Lappens direkt im menschlichen Gewebe nachvollzogen. Die Methode eröffnet neue Möglichkeiten, die Verschaltung menschlicher Hirnnetzwerke direkt zu untersuchen, statt sie allein aus Tierdaten oder Modellen abzuleiten.
Die Studie erschien im Januar 2026 in Brain Structure & Function: https://doi.org/10.1007/s00429-025-03031-2.