Brustkrebs in der Schwangerschaft: Jana Sahle erhält in der 14. Schwangerschaftswoche die Diagnose
Es ist einer dieser Momente im Leben, bei denen es nur ein Vorher und ein Nachher gibt: Im Alter von 28 Jahren erhält Jana Sahle in der 14. Schwangerschaftswoche die Diagnose Brustkrebs, den Knoten in der Brust hatte sie zuvor selbst ertastet. Im Brustzentrum am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) wird schnell klar: Ihr Tumor wächst schnell und ist gefährlich. Eine weitere Schwierigkeit und Herausforderung: Einige Diagnose- und Therapieverfahren stehen während einer Schwangerschaft nicht zur Verfügung.
Ab diesem Zeitpunkt muss bei jedem Therapieschritt geschaut werden: Welche Maßnahmen zur Eindämmung des Brustkrebses sind mit Schwangerschaft möglich? Auf was soll zum Schutz des ungeborenen Kindes verzichtet werden? Auch ein medizinisch-induzierter Schwangerschaftsabbruch ist eine der Möglichkeiten, wird aber verworfen. Es ist eine dieser Geschichten, die auch Mitarbeitende in einem Krankenhaus bei aller Professionalität mitnehmen. Aber es ist auch eine dieser Geschichten mit Happy End: Jana Sahle und ihr Mann entschließen sich für die Schwangerschaft und ihr Kind. Der größte Teil der Chemotherapie erfolgt schwanger, im November 2025 kommt ihre kleine Tochter gesund zur Welt und dann kann auch die Bestrahlung beginnen. Die Behandlung ist erfolgreich: Jana Sahle hat den Brustkrebs besiegt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eine von 1.000 Schwangeren erhält zusätzlich eine Brustkrebsdiagnose
„Im Moment der freudigen Erwartung auf ein Kind eine solche Diagnose zu erhalten, reißt einem erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Zusätzlich zu den eigenen Ängsten und Befürchtungen kommt ja auch die Sorge, um die Gesundheit des ungeborenen Kindes. Die Geschichte von Frau Sahle ist schon eine ganz besondere, die auch für das Personal unserer Klinik trotz aller professioneller Distanz sehr emotional war“, erinnert sich Dr. Svjetlana Mohrmann, Oberärztin und Koordinatorin am Interdisziplinären Brustzentrum der Uniklinik Düsseldorf.
Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin der UKD-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, ergänzt: „Als universitäres Brustzentrum mit einer großen Geburtsmedizin erleben wir im Durchschnitt etwa eine Schwangere mit Mammakarzinom unter 1.000 Schwangeren. Im vergangenen Jahr hatten wir aber gleich mehrere junge Frauen zeitgleich in Behandlung, die während ihrer Schwangerschaft eine Brustkrebsdiagnose erhalten haben. In solchen Fällen arbeiten die Teams aus der Senologie und der Geburtsmedizin innerhalb unserer Frauenklinik interdisziplinär eng zusammen, um sowohl Mutter als auch dem Kind die bestmögliche Behandlung und Betreuung zukommen zu lassen. Ich bin sehr froh, dass das bei Frau Sahle und ihrem Kind wieder sehr gut funktioniert hat.“
Eine Chemotherapie ist auch während der Schwangerschaft möglich, aber wichtige Diagnoseverfahren können fehlen
Welche Therapiemöglichkeiten es für schwangere Frauen mit einer Brustkrebserkrankung gibt, richtet sich unter anderem nach der Art der Krebserkrankung oder auch der Schwangerschaftswoche. Für jede Schwangere wird dann ein individueller Therapieplan erstellt.
„Viele Menschen glauben, dass eine Therapie während der Schwangerschaft gar nicht möglich ist. Das ist aber falsch. Wir können sehr wohl behandeln, es stehen uns aber nicht alle Verfahren zur Verfügung. So können wir zum Beispiel mit einer Chemotherapie beginnen – und das ohne ein bekannt erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Langzeitschäden bei den ungeborenen Kindern“, erklärt Dr. Svjetlana Mohrmann. „Was in den neun Monaten aber nicht möglich ist, sind Immuntherapien oder Antikörperbehandlungen, die wir sonst häufig in Kombination mit der Chemotherapie durchführen. Damit können wir dann erst nach der Geburt starten. Auch auf eine Bestrahlung verzichten wir in der Regel, um die Strahlenbelastung für das ungeborene Kind so gering wie möglich zu halten.“
Aus dem gleichen Grund kann in der Diagnostik auch nicht auf das gesamte Bandbreite zurückgegriffen werden, das den betreuenden Teams sonst zur Verfügung steht: MRTs, Röntgenaufnahmen oder auch eine Knochenszintigraphie, mit der man Metastasen frühzeitig erkennen kann, sind während einer Schwangerschaft nur in Ausnahmen möglich – meist aufgrund einer hohen Strahlenbelastung. „Das erschwert uns das sogenannte Staging natürlich schon. In dieser Anfangsphase der Therapie bestimmen wir die Größe des Tumors, ob er Metastasen gebildet hat oder ob vielleicht Lymphknoten bereits betroffen sind, um den weiteren Therapieverlauf festzulegen. Bei Schwangeren beginnen wir aufgrund der fehlenden Bildgebung die Therapie häufig erst einmal ein bisschen im Blindflug,“ so Dr. Svjetlana Mohrmann.
Eine gemeinsame Aufgabe für Senologie und Geburtsmedizin: Die Schwangerschaft so lange wie möglich erhalten und gleichzeitig den Krebs bekämpfen
„Eine schwangere Frau mit Brustkrebs oder einer anderen Tumorerkrankung behandeln wir natürlich grundsätzlich in der Geburtsmedizin nicht anders als andere Schwangere“, erklärt Dr. Felix Borgmeier, Oberarzt in der UKD-Geburtsmedizin, der Jana Sahle von Seiten des Kreißsaal-Teams begleitet hat. „Aber natürlich müssen wir einige Dinge mehr beachten und begleiten die Betroffenen – wie bei vielen anderen Risikopatientinnen auch – engmaschiger und häufiger.“
Gerade zu Beginn - um die 13. Schwangerschaftswoche - hilft ein Ersttrimester-Screening, um eine erste gute Einschätzung zum Wohlbefinden des Kindes abzugeben. Gerade bei einem unauffälligen Befund werden die Paare oft bestärkt, die Schwangerschaft fortzusetzen. In regelmäßigen Abständen von zwei bis vier Wochen werden daher Ultraschallaufnahmen gemacht, um zum Beispiel das Wachstum des Kindes oder eine regelrechte strukturelle Entwicklung zu beobachten. „Auch mögliche Begleiterscheinungen der Chemotherapie – stärkere Übelkeit, erhöhtes Infektionsrisiko oder auch eine mögliche Blutarmut – haben wir natürlich stets im Auge.“
Gemeinsam mit den Eltern und dem senologischen Team wird auch eine Strategie für den Zeitpunkt der Geburt erstellt. Oberstes Ziel ist dabei immer, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten, um so eine ausreichende kindliche Reife zu erreichen. Bei Jana Sahle und ihrer Tochter hat das hervorragend geklappt: Im November kam sie gerade einmal zwei Wochen vor dem ursprünglich errechneten Geburtstermin am UKD auf die Welt.
„Das waren wirklich anspruchsvolle Monate, die ich mir so niemals hätte vorstellen können. Mein Dank gilt neben unserer Familie und Freunden vor allem dem Team der Frauenklinik, die uns die ganze Zeit begleitet und unterstützt haben. Ich werde jetzt noch die letzten Behandlungen durchführen und dann freue ich mich auf ein ganz normales Familienleben“, freut sich Jana Sahle. „Für mich ist das allerwichtigste, dass unsere Tochter gesund auf der Welt ist!“
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Zum Universitätsklinikum Düsseldorf:
Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist das größte Krankenhaus in der Landeshauptstadt und eines der wichtigsten medizinischen Zentren in NRW. Die 9.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in UKD und Tochterfirmen setzen sich dafür ein, dass jährlich über 55.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt und 270.000 ambulant versorgt werden können.
Das UKD steht für internationale Spitzenleistungen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre, sowie für innovative und sichere Diagnostik, Therapie und Prävention. Patientinnen und Patienten profitieren von der intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit der 60 Kliniken und Institute. Die besondere Stärke der Uniklinik ist die enge Verzahnung von Klinik und Forschung zur sicheren Anwendung neuer Methoden.
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