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Premiere in NRW: Die Klinik für Herzchirurgie an der Uniklinik Düsseldorf behandelte eine Patientin mit einem innovativen OP-Verfahren, um den Aortenbogen zu ersetzen. Das Behandlungsteam mit Patientin (von links): Esma Yesilöz (Physician Assistant), Patientin Sylvia Neikes (mit einer herkömmlichen Prothese des Aortenbogens), Dr. Luis Jaime Vallejo Castano (Assistenzarzt), Dr. Mohammed Morjan Ph.D (Leiter der Aortenchirurgie) sowie Amin Thwairan (Assistenzarzt).

Innovative OP-Methode beschert Sylvia Neikes ein neues Leben

Die Klinik für Herzchirurgie an der Uniklinik Düsseldorf setzt als erstes Zentrum in NRW eine neuartige, schonendere Technik beim herausfordernden Aortenbogen-Ersatz ein.

Düsseldorf (ukd). „Das müssten wir morgen doch bis 10 Uhr schaffen?“ Sylvia Neikes schaut ihren behandelnden Arzt, Dr. Mohammed Morjan, erwartungsvoll an. Er nickt bestätigend. Die 70-Jährige plant ihre Entlassung aus dem Krankenhaus. Sie ist froh, dass sie jetzt nach Hause kann. In Kürze wechselt sie in eine Reha-Klinik, um wieder Energie zu tanken. Die vergangenen Monate waren kräftezehrend. Mehrfach hing ihr Leben am seidenen Faden. 

Zwei Mal musste sich Sylvia Neikes seit dem vergangenen Herbst einem lebensbedrohlichen Eingriff unterziehen. Anfang Oktober konnten Gefäßchirurgen des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) im Rahmen einer Notoperation einen Riss in der absteigenden Hauptschlagader mit einem Gitterröhrchen (medizinisch: Stent) reparieren und ihr damit das Leben retten. Mitte Februar wurde dann ein Eingriff am Aortenbogen notwendig. Die Schlagader hatte sich in diesem Bereich massiv erweitert und drohte erneut zu reißen. Dieses Mal übernahm das Aorten-Team der Herzchirurgie die Behandlung und griff dabei erstmals in Nordrhein-Westfalen auf ein schonenderes, innovatives Verfahren zurück.

Der Aortenbogen ist der Teil der Hauptschlagader, der direkt vom Herzen wegführt. In diesem Bereich liegen lebenswichtige Abzweigungen, über die das Gehirn und die Arme mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Bei Sylvia Neikes musste dieser sensible Bereich aufgrund der besorgniserregenden Gefäßerweiterung durch eine Gefäßprothese ersetzt werden. 

Herausfordernde Operation am Aortenbogen mit Stilllegung des Kreislaufs

Der herzchirurgische Eingriff am Aortenbogen ist sehr herausfordernd. Es kommt zwar eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. In der Regel wird der Kreislauf der Patientin aber für etwa 40 Minuten komplett stillgelegt, damit kein Blut durch das zu operierende Gefäß strömt. Zeitgleich muss der Körper auf 26 Grad heruntergekühlt werden, damit das Gehirn keinen Schaden nimmt. In dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster muss die Gefäßprothese eingebracht und an allen Zu- und Abgängen vernäht werden. 

Bei Sylvia Neikes setzte Herzchirurg Dr. Mohammed Morjan, Leiter des Bereichs Aortenchirurgie in der Klinik für Herzchirurgie, auf ein neues Hybrid-Verfahren, mit dem sich die riskante Stilllegung des Kreislaufs auf die Hälfte der Zeit reduzieren lässt. Zum Einsatz kommen dabei parallel klassisch-herzchirurgische Techniken, eine leicht veränderte Aortenbogen-Prothese und ein Zugang über das Gefäßsystem mit Hilfe eines dünnen Schlauchs (Katheter), mit dessen Hilfe von innen Stents eingebracht werden. Statt die Abzweigungen der Schlagader zum Gehirn und zu den Armen aufwändig zu vernähen, verbindet jeweils ein Stent die neu implantierte Gefäßprothese mit den abgehenden Schlagadern. 

Zuversicht, dass sich das neue Verfahren durchsetzt

„Mit diesem neuen Verfahren, das in Kooperation mit der Herzchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität München erstmals implementiert und angewendet wurde, können wir nun auch fragile Patientinnen und Patienten herzchirurgisch mit einem Aortenbogenersatz versorgen“, sagt Dr. Morjan. Bei Sylvia Neikes entschied sich das Behandlungsteam im interdisziplinären Aortenzentrum des UKD, an dem die Gefäßchirurgie und die Herzchirurgie beteiligt sind, für den innovativen und schonenderen Behandlungsansatz – insbesondere aufgrund von Vorerkrankungen am Herzen und der bereits erfolgten Notoperation. „Je kürzer die Operation und die Stilllegung des Kreislaufs ausfällt, desto mehr reduzieren wir das Operationsrisiko, beispielsweise im Hinblick auf mögliche Schlaganfälle“, erklärt Dr. Morjan. Er betont aber auch, dass das neue Verfahren noch nicht regelhaft zur Anwendung kommt. Es werde abhängig vom jeweiligen Einzelfall im Rahmen von sogenannten „individuellen Heilversuchen“ in renommierten Aortenzentren wie dem UKD eingesetzt. Dr. Morjan ist zuversichtlich, dass sich das Verfahren am Ende durchsetzt.

Auch Sylvia Neikes ist positiv gestimmt. Ihre Abschlussuntersuchungen sind allesamt positiv gelaufen. „In den vergangenen Monaten befand ich mich durchgehend in einem Schwebezustand. Jetzt freue ich mich, dass der Frühling kommt und ich nach vorne schauen kann.“ Bald sind auch wieder Spaziergänge mit ihrem Hund möglich. 

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Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist das größte Krankenhaus in der Landeshauptstadt und eines der wichtigsten medizinischen Zentren in NRW. Die 9.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in UKD und Tochterfirmen setzen sich dafür ein, dass jährlich über 45.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt und 270.000 ambulant versorgt werden können.

Das UKD steht für internationale Spitzenleistungen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre, sowie für innovative und sichere Diagnostik, Therapie und Prävention. Patientinnen und Patienten profitieren von der intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit der 60 Kliniken und Institute. Die besondere Stärke der Uniklinik ist die enge Verzahnung von Klinik und Forschung zur sicheren Anwendung neuer Methoden.

Am UKD entsteht die Medizin von morgen. Jeden Tag.

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