Chronische Nierenerkrankungen: Drei NRW-Universitätsklinika gründen Verbund als Antwort auf „stumme Epidemie“
Mit dem Center of Excellence in Nephrology (CEN) bündeln die drei Universitätsklinika in Köln, Aachen und Düsseldorf ihr Wissen und ihre Fähigkeiten, um mehr Schlagkraft gegen Nierenerkrankungen zu entwickeln.
Köln/Aachen/Düsseldorf - Laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie leiden deutschlandweit mehr als neun Millionen Menschen an einer chronischen Nierenkrankheit (CKD). Alle haben ein deutlich erhöhtes Risiko, eine lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Viele werden zu einem späteren Zeitpunkt dialysepflichtig. Aktuell warten etwa 7.000 Erkrankte auf eine Spenderniere. Nierenerkrankungen sind ein relevantes und immer bedeutender werdendes Problem für die deutsche Gesundheitsversorgung. Die Universitätsklinika in Köln, Aachen und Düsseldorf möchten mit der Gründung des Centers of Excellence in Nephrology (CEN) ein gewichtiger Teil der Lösung für dieses Problem sein. Die Bündelung der bereits vorhandenen Expertise, die medizinische Forschung und eine zügige Übertragung der erzielten Ergebnisse in die alltägliche Versorgung sind ein Hauptanliegen der Beteiligten. Erkrankte behalten ihre Ansprechpartner an den jeweiligen Standorten, profitieren aber während der Therapie von allen im Netzwerk gewonnenen Erkenntnissen und von der Teilnahme an innovativen Studien.
Das CEN ist in dieser Woche (23.06.2026) im Beisein von NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes MdL feierlich eröffnet worden.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes MdL: „Der Verbund dreier Uniklinika ist eine gute Nachricht für alle nierenerkrankten Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Center of Excellence in Nephrology bündeln die Universitätsklinika Köln, Aachen und Düsseldorf ihre Forschungskompetenz und stellen ihre Erkenntnisse allen Erkrankten zur Verfügung. Spitzenforschung ‚made in NRW‘ und exzellente Patientenversorgung greifen nahtlos ineinander. Davon profitieren sowohl die Menschen als auch der Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.“
In Anbetracht der hohen und weiter steigenden Anzahl der Betroffenen, sei es verwunderlich, dass Nierenerkrankungen keine größere Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung spielen, so Prof. Dr. Thomas Benzing, Direktor der Klinik II für Innere Medizin an der Uniklinik Köln. „Nierenerkrankungen sind auf dem Weg, eine der häufigsten Todesursachen weltweit zu werden. Wir verzeichnen eine stumme Epidemie“, lautet sein Befund. Ein Verbund wie das CEN könne für mehr Sichtbarkeit sorgen und gleichzeitig mit gemeinschaftlicher Forschung zu einer Verbesserung der Prävention und der Therapie beitragen. Wünschenswert seien zum Beispiel Screening-Programme, um Patientinnen und Patientinnen in möglichst frühen Krankheitsstadien einer Behandlung zuführen zu können.
Neben der großen Anzahl an Betroffenen sieht Prof. Dr. Dr. Rafael Kramann, Direktor der Medizinischen Klinik II an der Uniklinik RWTH Aachen, die größte Herausforderung darin, den vielen unterschiedlichen, oft auch seltenen Ursachen für chronische Nierenerkrankungen gerecht zu werden. Es gebe schon jetzt ein nie zuvor dagewesenes Verständnis für einige Ursachen und Mechanismen. Das CEN werde sich nun mit standortübergreifender Expertise auf den Weg machen, um Nierenerkrankungen insgesamt noch besser zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus gezielt Therapeutika zu entwickeln. „Das Feld, das wir gemeinsam bearbeiten, ist sehr komplex. Im Team, also im Verbund, können wir deutlich erfolgreicher sein“, sagt Prof. Kramann.
Für Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller, Direktor der Klinik für Nephrologie an der Uniklinik Düsseldorf, eröffnen sich mit der Gründung des CEN neue Möglichkeiten für die Forschenden, für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte und insbesondere für die Patientinnen und Patienten. Nie zuvor gab es so viele Behandlungsoptionen für Nierenerkrankungen, diese müssen nun in der Breite den Patientinnen und Patienten zugutekommen. „Und im Falle fehlender wirksamer Therapieoptionen möchten wir für jede und jeden Erkrankten eine passende klinische Studie zu innovativen Behandlungsformen finden. Die Betroffenen profitieren dann von der gemeinsamen Studienzentrale.“ Die enge Zusammenarbeit verschiedener Standorte, beispielsweise der damit verbundene Aufbau einer gemeinsamen Dateninfrastruktur, führt nach Auffassung von Prof. Müller zu einer steileren Lernkurve bei allen Beteiligten und damit zu einem besseren Angebot an die Menschen, die unter einer Nierenerkrankung leiden.
Zum Center of Excellence in Nephrology (CEN):
Die Chronische Nierenerkrankung (CKD) ist eine Volkskrankheit und nimmt mit zunehmender Alterung der Bevölkerung weiter zu. Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Nierenerkrankung sind deutschlandweit in vielen Fällen unterversorgt. Sie laufen Gefahr, dialysepflichtig zu werden. Auch schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind oftmals eine Folge von chronischen Fehlfunktionen der Niere. Mit dem CEN entsteht in Nordrhein-Westfalen ein neuer Leuchtturm der Hochschulmedizin in der nephrologischen Spitzenforschung. Nordrhein-Westfalen verfügt damit über eine international sichtbare Exzellenzstruktur mit Modellcharakter für diesen Bereich.
Das CEN bündelt die Expertise der Universitätskliniken Köln, Aachen und Düsseldorf. Im Mittelpunkt steht die Nephrologie, also die Nierenheilkunde – von molekularen Krankheitsmechanismen über Präzisionsmedizin und translationale Forschung bis hin zu innovativen Studienplattformen und datenbasierten Versorgungsstrukturen.
Zugleich schafft das CEN einen neuen Rahmen für die koordinierte klinische Vernetzung bei seltenen Nierenerkrankungen, in standortübergreifenden Versorgungspfaden und in der nachhaltigen Sicherung sowie der strategischen Weiterentwicklung der Nierentransplantation an den beteiligten Universitätsklinika.
Die Verbindung von Nephrologie mit Transplantationsmedizin und Forschung in der Altersmedizin macht das CEN zu einer zukunftsweisenden Struktur für die Medizin des demografischen Wandels.
Gleichzeitig sind mit Gründung des CEN zentrale Zielsetzungen des Landes Nordrhein-Westfalen erfüllt: die Bündelung universitärer Spitzenkompetenz, die Stärkung kooperativer Hochleistungsmedizin, die Weiterentwicklung klinischer Verbundstrukturen und Etablierung einer harmonisierten Dateninfrastruktur sowie die Förderung international wettbewerbsfähiger Forschung.
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