PJ-Erfahrungsbericht

Mit dem Wahlfach „Palliativ-Medizin“ bin ich nach dem schriftlichen Examen im Herbst 2015 in mein „Praktisches Jahr“ gestartet. Das Behandlungskonzept und dementsprechend auch die Patientenvorstellung orientieren sich auf der PM01 an vier Ebenen: körperlich, psychisch, sozial und spirituell. So können sowohl Lebens- und Familien-, als auch Krankheitsumstände der dort behandelten und begleiteten Menschen strukturiert und ganzheitlich erfasst werden. Neben der Station mit acht Einzelzimmern gibt es außerdem ein Konsil-Team, das aus ärztlichen, pflegerischen und psychoonkologischen Mitarbeitern besteht. So können Patient/innen aus der gesamten Uniklinik konsiliarisch palliativ begleitet werden. Die interdisziplinäre Betreuung von Patient/innen der unterschiedlichen Fachrichtungen bietet sowohl ein breites Spektrum an Krankheitsbildern, als auch an familiären Konstellationen, die zum Teil hohe Anforderungen an das Palliativ-Team stellen. Mich als PJ-lerin hat die sowohl medizinisch als auch emotional anspruchsvolle Arbeit im Umgang mit sterbenden Menschen zur Reflektion über meine eigenen Lebens-Vorstellungen und meine Ressourcen im beruflichen und privaten Alltag angeregt. Ich konnte mich persönlich weiterentwickeln, eigene Erfahrungen im Umgang mit Trauer, Hilflosigkeit, Tod und Verlust machen und so eine Grundlage für einen Bereich schaffen, der für mich zum Ärztlichen ebenso dazugehört, wie das Heilen von Menschen.

Den sogenannten „Krassen“-Hilfszettel, der die Patientenvorstellung anhand der vier Ebenen gliedert, habe ich als wichtiges Tool auf der Station kennengelernt. Da die Arbeitsweise und die Aufgabenfelder auf der Palliativstation sehr durch die genannten vier Aspekte geprägt sind, bietet es sich an, sowohl die ärztlichen Fertigkeiten die man als PJ-ler/in dort lernen kann, als auch meine persönlichen Erfahrungen dementsprechend gegliedert darzustellen:

Körperlich

  • vielfache Gelegenheit zur praktischen Anwendung ausführlicher Anamnese und klinischer Untersuchung
  • venöse Blutentnahme, Blutentnahme aus Port/ZVK, Entnahme von peripheren und zentralen Blutkulturen
  • Anlage von Venenverweilkanülen
  • Anstechen von Portsystemen
  • Subkutan-Injektion
  • theoretische und praktische Auseinandersetzung mit
    • nicht-invasiven und invasiven Beatmungsverfahren, inklusive Absaugung und selbständigem Wechsel von Trachealkanülen unter Aufsicht
    • bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT, MRT)
    • individuellen schmerztherapeutischen Konzepten
    • multimodaler komplex-palliativmedizinischer Symptomlinderung (z. B. Übelkeit, Dyspnoe, Schmerz, Obstipation, Angst, Vigilanzminderung, Wundmanagement)
    • interdisziplinärem Patienten- und Krankheitsmanagement

Psychisch

  • theoretische und praktische Auseinandersetzung mit
    • Techniken der Gesprächsführung wie z. B. SPIKES-Schema, OPTION-Modell
    • Ansätzen existenzieller Psychotherapie
    • interdisziplinären Familiengesprächen
    • interdisziplinärer und multimodaler psycho-onkologischer Betreuung (z. B. Kunsttherapie, Animal Assisted Therapy („Hundetherapie“), Pharmakotherapie)

Sozial

  • Angehörigengespräche und -betreuung
  • interdisziplinär geführte Familiengespräche
  • Organisation der weiteren medizinischen und häuslichen Versorgung der Patienten (Auseinandersetzung mit komplexen Versorgungsstrukturen, Zusammenarbeit mit Sozialdienst, Teams der allgemeinen und spezialisierten ambulanten palliativen Betreuung)
  • interdisziplinäre Teambesprechungen
  • Möglichkeit zur Teilnahme an der Tumorkonferenz
  • Team- und Fall-Supervision
  • Teilnahme und Gelegenheit zur selbständigen Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen
  • Möglichkeit zur Einbringung der eigenen Perspektiven
  • gemeinsames Mittagessen mit Assistenz- und leitenden Ärzten

Spirituell

  • Zusammenarbeit mit der Seelsorge verschiedener Konfessionen
  •  Persönliche Begleitung einzelner Patienten mit Möglichkeit zu Gesprächen über Spiritualität
  • Auseinandersetzung mit
    • verschiedenen Glaubenssystemen und Religionen
    • patienten-individuellen bzw. persönlichen Vorstellungen und Konzepten des Sterbens, des Tods und des Lebens nach dem Tod
    • den „Modi der symbolischen Immortalität“

Während meiner Zeit auf der Palliativstation hatte ich die Möglichkeit unter Aufsicht eigene Patienten der Station zu betreuen und im palliativ-medizinischen Konsildienst tätig zu sein. Neben meiner Arbeit auf der PM01 war es mir außerdem möglich jeweils eine Woche auf der Intensivstation und mit dem Kinder-Palliativ-Team zu verbringen, wo ich ebenfalls wertvolle Erfahrungen für mein späteres Arzt-Sein sammeln konnte.

Vor dem PJ habe ich in einer Famulatur und in ehrenamtlicher Arbeit erste Erfahrungen auf der Palliativstation gesammelt und kann empfehlen bei Interesse einmal dort zu hospitieren und sich mit dem Thema vertraut zu machen!

Franziska Lautwein


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