Vergrößerte Milz (Splenomegalie) bei Kindern
Bei der Milz handelt es sich um das größte Organ des lymphatischen Systems im menschlichen Körper. Zusätzlich zu der immunologischen Funktion wird in der Milz das Blut gefiltert: Alte oder beschädigte rote Blutkörperchen werden dort abgebaut. Eine vergrößerte Milz kann durch angeborene Blutkrankheiten (Sphärozytose, Thalassämie, Sichellzellanämie), Zysten (z.B. nach Verletzungen) oder selten Tumoren der Milz entstehen.
Diagnostik
Die durchzuführende Diagnostik wird entsprechend der zugrunde liegenden Vorerkrankung geplant und durchgeführt. Aufbauend auf einer ausgiebigen Anamnese, sowie klinischen und laborchemischen Untersuchung erfolgt eine bildgebende Untersuchung mit Ultraschall. Je nach Befund kann auch eine MR-Untersuchung des Bauches notwendig sein. Bringen Sie gerne bestehende Befunde zu Ihrem Vorstellungstermin in unserer Klinik mit.
Behandlungskonzept
Die Entscheidung für eine Operation hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. In unserer Klinik wird die Milz in der Regel minimal-invasiv (per Bauchspiegelung) operiert. Dabei erfolgen nur kleine Hautschnitte am Bauch (Schlüssellochchirurgie) um über eine Hülse (Trokar) mit einer Kamera in den Bauchraum zu sehen.
Prinzipiell kann die Milz vollständig entfernt werden (totale Splenektomie) oder es kann nur ein großer Teil entfernt werden (subtotale Splenektomie). Bei der subtotalen Splenektomie bleibt somit ein kleiner Milzrest erhalten. Dies ist im Kindesalter oft vorteilhaft: Durch den Teilerhalt behält das Organ weiterhin eine wichtige Abwehrfunktion gegen bestimme Krankheitserreger bei.
In jedem Fall besprechen wir mit Ihnen ausführlich, welches Verfahren für Ihr Kind am besten geeignet ist.
Nachsorge
- Schutzimpfungen: Nach einer (Teil-)Splenektomie ist der Impfschutz sehr wichtig. Kinder sollten – wenn möglich zwei Wochen vor der geplanten Operation – fehlende Impfungen gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Meningokokken (Serogruppe A, C, W, Y und gegebenenfalls B) erhalten.
- Antibiotika-Prophylaxe: Insbesondere bei jüngeren Kindern wird nach der Operation für einige Jahre eine vorbeugende Penicillin-Therapie empfohlen. Sie dient dazu, bakterielle Infektionen frühzeitig abzuwehren, solange sich das Immunsystem weiter anpasst.
- Infektionsrisiko und Verhaltensregeln: Nach Splenektomie (oder bei eingeschränkter Milzfunktion) ist das Risiko für schwere Infektionen mit bestimmten Erregern erhöht. Eltern sollten deshalb Fieber oder Erkältungssymptome ernst nehmen und möglichst rasch einen Arzt aufsuchen. Es ist auch ratsam, dass Ihr Kind nach Milzoperationen für alle Vorsorgeuntersuchungen einen von uns ausgestellten Asplenie-Notfallpass bei sich trägt.