Mitralklappenprogramm

Verantwortliche Oberärzte

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OA PD Dr. med. Westenfeld
Leitender Arzt der Abteilung Herzinsuffizienz, Notfall- und Rettungsmedizin


OA PD Dr. med. Patrick Horn
Oberarzt der Abteilung Herzinsuffizienz, Notfall- und Rettungsmedizin. Leiter des Mitralklappenprogramms


Mitralklappenambulanz

In unserer Spezialambulanz für Mitralklappen werden Patienten mit Erkrankungen der Mitralklappe betreut. Ziel dieser Ambulanz ist es, fokussiert auf krankhafte Veränderungen der Mitralklappe, zusammen mit Patienten, Hausärzten, niedergelassenen Kardiologen und Herzchirurgen optimale Therapie-Strategien für den individuellen Patienten zu entwickeln. Dabei werden neben Klappenundichtigkeiten (Insuffizienz) auch Engstellen der Mitralklappe (Stenosen) diagnostiziert und behandelt.

Die Mitralklappenambulanz befindet sich in der 1. Etage Haus Süd der MNR-Klinik, Raum 56.

Sprechzeiten: donnerstags von 10.00-13.00 Uhr

Terminvereinbarung: Montag bis Freitag von 8.00-16.00 Uhr

Benötigte Unterlagen:

  • Überweisung vom Hausarzt
  • Aktuelle Medikamentenliste
  • Relevante Untersuchungsbefunde

Für Ärzte und externe Zuweiser

Direktdurchwahl Mitralklappen-Team

Mitralklappeninsuffizienz - Wahl der optimalen Therapie

Die Mitralklappeninsuffizienz zählt zu den weitverbreitesten Herzklappenerkrankungen. Die Prävalenz der Mitralklappeninsuffizienz steigt vor allem bei älteren Patienten exponentiell an. Ursache der Mitralklappeninsuffizienz ist entweder ein primärer (meist degenerativ erworbener) Defekt der Herzklappe selbst oder eine zugrundeliegende Herzinsuffizienz, bei der der Klappenapparat zwar intakt ist, die Mitralklappe jedoch auf Grund des erkrankten Ventrikels mit Dilatation des Klappenrings (Annulus) sowie verstärkter Zugspannung auf den Halteapparat nicht richtig schließt (sogenannte funktionelle Mitralklappeninsuffizienz). Die Mitralklappeninsuffizienz kann zu einem ausgeprägten Blutrückfluss in die Lungengefäße führen, was erhebliche Leistungseinschränkung und schwere Luftnot verursachen kann.

Hierbei ist es wichtig, nach morphologischen oder funktionellen Kriterien für jeden einzelnen Patienten das für ihn richtige Therapieverfahren auszuwählen. Dazu gehört in vielen Fällen auch, sich nicht nur auf die Therapie der Herzklappe zu beschränken, sondern die zugrundeliegende Herzinsuffizienz mit allen zur Verfügung stehenden Optionen zu behandeln. Als zertifiziertes überregionales Herzinsuffizienzzentrum bieten wir als Alleinstellungsmerkmal in der Region ein Gesamtkonzept der Mitralklappen- und Herzinsuffizienztherapie an: von der konventionellen Mitralklappenchirurgie für Patienten mit niedrigeren OP Risiko über verschiedene perkutane kathetergestützte Mitralklappenverfahren bis zu Linksherzunterstützungsverfahren/ Herztransplantation für die Patienten, in denen nicht die Mitralklappeninsuffizienz, sondern das myokardiale Versagen im Vordergrund steht. Die Spezialsprechstunden der Herzinsuffizienz und Mitralklappenerkrankungen sowie der stationäre Aufenthalt bieten uns eine gute Plattform, um für jeden einzelnen Patienten den richtigen Zeitpunkt für die richtige Therapie abzuwägen.

Für Patienten, die auf Grund Ihrer Begleiterkrankungen ein hohes OP Risiko haben, stehen in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie verschiedene etablierte kathetergestützte Mitralklappenverfahren zur Verfügung. Abhängig von der Pathogenese der Klappeninsuffizienz und anatomisch wie technischen Aspekten wird für jeden einzelnen Patienten individuell das entsprechende interventionelle Klappenverfahren im Herzteam gewählt: 

MitraClip® System - Interventionelle Mitralklappenrekonstruktion

MitraClip® System - Interventionelle Mitralklappenrekonstruktion

Mit über 60.000 Eingriffen weltweit stellt das MitraClip System zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz bei Hochrisikopatienten eine sichere und effektive Therapieoption dar. Bei dem Verfahren des Mitralklappen-Clippings wird über eine Leistenvene ein spezielles Kathetersystem bis in den rechten Vorhof eingeführt. Der Zugang zum linken Herzen erfolgt nach Punktion der Vorhofscheidewand (transseptale Punktion). Der MitraClip wird mit Hilfe des Steuerungskatheters an der Mitralklappe platziert, dass beide Klappensegel mit dem Clip erfasst und mittig verbunden werden (ähnlich einer Wäscheklammer). Hierdurch gelingt es, die Insuffizienz zu reduzieren oder sogar ganz zu beseitigen. Der Eingriff wird unter kreislaufschonender Analgosedierung („Schlafnarkose“) im Herzkatheterlabor unter moderner 3D-echokardiographischer Ultraschall und fluoroskopischer (Röntgendurchleuchtung) Kontrolle durchgeführt.

Cardioband Mitral® System - Interventionelle direkte Mitralklappenannuloplastie

Gerade bei Patienten mit funktioneller Mitralklappeninsuffizienz und deutlich dilatiertem Mitralklappenanulus stellt die Annuloplastie den pathophysiologisch direkten Therapieansatz dar.Bei dem Verfahren des CARDIOBANDINGS wird über eine Leistenvene ein spezielles Kathetersystem bis in den rechten Vorhof eingeführt. Der Zugang zum linken Herzen erfolgt auch hier nach Punktion der Vorhofscheidewand (transseptale Punktion). Über den Steuerungskatheter wird eine individuell angepasste Anzahl von Ankern entlang des Annulus geschraubt. Nach erfolgter Fixierung des CARDIOBANDES wird über ein Cinchingmechanismus der Annulus um bis zu 40% des Durchmessers gerafft und durch die verbesserte Segelkoadaption (Segelschluss) die Mitralklappeninsuffizienz reduziert. Der Eingriff wird in Vollnarkose unter moderner 3D-echokardiographischer Ultraschall und fluoroskopischer (Röntgendurchleuchtung) Kontrolle durchgeführt.

CARILLON Mitral Contour System®- Interventionelle indirekte Mitralklappenannuloplastie

Auch diese Methode eignet sich vor allem für funktionelle Mitralklappeninsuffizienzen, die durch einen dilatierten Mitralklappenanulus basieren. Der Mitralklappenanulus ist in weiten Teilen Koronarvenensinus umgeben. Das CARILLON Mitral Contour System wird über ein spezielles Einführsystem im Koronarvenensinus platziert. Das System besteht aus zwei sogenannten Ankern und einem Verbindungssteg. Zwischen den beiden Ankern wird das Gewebe um mehrere Zentimeter zusammengerafft und dadurch der Durchmesser des Mitralklappenrings reduziert und durch die verbesserte Segelkoadaption die Mitralklappeninsuffizienz reduziert. Der Eingriff wird unter kreislaufschonender Analgosedierung („Schlafnarkose“) durchgeführt.

Ballonvalvuloplastie der Mitralklappenstenose

Die Mitralklappenstenose ist häufig postentzündlich nach rheumatischen Fieber oder degenerativ verursacht. Durch den behinderten Einstrom des Blutes vom Vorhof in die Kammer ist die Herzfunktion deutlich eingeschränkt, was zu Luftnot und Leistungseinschränkung führen kann.

Ab einer Klappenöffnungsfläche von unter 1,5 cm2 besteht eine hochgradige behandlungsbedürftige Mitralklappenstenose. Die „Sprengung“ der Mitralklappe mittels kathetergestützter Ballonvalvuloplastie ist in den aktuellen Leitlinien noch vor der Herz-OP mit Ersatz der Klappe erste Wahl. Allerdings sind zur Valvuloplastie nur Mitralklappen geeignet, die nicht hochgradig verkalkt sind und bei denen eine isolierte Einengung vorliegt. Kombinierte Mitralklappenfehler (Stenose und Insuffizienz) sind nicht für eine solche Sprengung geeignet.

Der Zugang der kathetergestützten Mitralklappenvalvuloplastie erfolgt über eine Punktion der Leistenvene (Vena femoralis). Von hier aus gelangt man durch eine Punktion der Vorhofscheidewand über den rechten Vorhof in den linken Vorhof. Der luftleere Ballonkatheter wird vom linken Vorhof durch die verengte Mitralklappe in den linken Ventrikel gebracht, auf Mitralklappenebene zurückgezogen und mit einem definierten Volumen aufgeblasen. Auf Grund der Ballondehnung kommt es zu kleinen Einrissen der Herzklappe meist an den seitlichen Rändern, sodass die Schlussfähigkeit der Klappe nicht behindert wird. In der Regel müssen mehrere Ballondilatationen zur schrittweisen Aufdehnung vorgenommen werden. Der Eingriff wird unter kreislaufschonender Analgosedierung („Schlafnarkose“) im Herzkatheterlabor unter moderner 3D-echokardiographischer Ultraschall und fluoroskopischer (Röntgendurchleuchtung) Kontrolle durchgeführt.

Die Anmeldung der Patienten erfolgt über die u.a. Hotline. Zur optimalen Therapieplanung werden die Patienten für eine erweiterte Diagnostik stationär aufgenommen (siehe Flow Chart) Nach Abschluss aller notwendigen Voruntersuchungen wird in einem interdisziplinären Herzteam-Team bestehend aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten der optimale Behandlungspfad für jeden Patienten individuell besprochen. Hierbei werden das gleichzeitige Vorliegen von bedeutenden Begleiterkrankungen sowie die verschiedenen Befunde aus einer umfassenden multimodalen Bildgebung für die Planung und Navigation des Eingriffs einbezogen In der Regel werden die Patienten nach Abschluss der Diagnostik nach Hause entlassen. Nachdem gemeinsam mit dem Patienten entschieden wurde, welches Therapieverfahren am besten geeignet ist, erfolgt eine erneute stationäre Aufnahme zur Durchführung der Therapie. Postinterventionell finden in regelmäßigen Abständen Nachuntersuchungen in unserer Spezialambulanz statt. Wenn Sie Patienten für eine interventionelle Mitralklappentherapie anmelden möchten oder Fragen zum Ablauf haben, können Sie uns gerne unter den oben angegebenen Nummern erreichen. Gerne nehmen wir auch Fax-Anmeldungen entgegen.

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