Rhythmologie

Die Abteilung Rhythmologie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen.  Man versteht darunter eine Störung der normalen Herzschlagfolge, deren Ursache sehr vielfältig sein kann. So existieren zahlreiche angeborene Herzrhythmusstörungen, die zumeist mit dem klinischen Erscheinungsbild eines „Herzrasens“ einhergehen. Darüber hinaus ist eine große Anzahl an Herzrhythmusstörungen erworben, d.h. sie treten als Folge einer kardialen Grunderkrankung im Verlauf des Lebens auf (z.B. bei Bluthochdruck, nach einem Herzinfarkt, bei chronischen Lungenerkrankungen etc.). Bei erworbenen Herzrhythmusstörungen sind Symptome zumeist mannigfaltig und reichen von Herzrasen, Herzstolpern und Luftnot über Angina pectoris, Schwindel und Bewußtlosigkeit. Es treten auch ganz diffuse Beschwerden wie Leistungsminderung, Übelkeit, plötzliche Angst oder auch nur ein Flimmern vor den Augen auf, die im ersten Moment nicht zwingend mit Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht werden.

Die Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind vielfältig. Für eine genaue Diagnose ist die nachfolgende Behandlung sehr wichtig. Hier dient die Rhythmologische Sprechstunde der umfassenden Beratung, Therapieplanung und Nachsorge von Patientinnen und Patienten mit rhythmologischen Fragestellungen aller Art.

Langsame (Bradykardie) und schnelle (Tachykardie) Herzrhythmusstörungen, die oft lebensbedrohlich sein können, sind eine nicht seltene Komplikation verschiedener Erkrankungen des Herzens. Neben der medikamentösen Therapie ist die Elektrotherapie mittels implantierbarer Schrittmacher und Defibrillatoren eine jahrzehntelang etablierte und sichere Therapieform.
An unserer Klinik werden Schrittmachersysteme zur Behandlung bradykarder und Defibrillatorsysteme  zur Behandlung tachykarder Rhythmusstörungen und Verhinderung des plötzlichen Herztodes implantiert. Dabei kommen Geräte der neuesten Generation aller Hersteller zum Einsatz,  falls technisch möglich werden dabei MRT-fähige Systeme verwendet. Die Implantation wird im Herzkatheterlabor oder im Operationssaal unter Einsatz modernster Standards in einem für den Patienten möglichst schonenden Verfahren durchgeführt. Viele Eingriffe können unter örtlicher Betäubung ohne Allgemeinnarkose erfolgen. Zur optimalen Behandlung unserer Patienten findet bei Bedarf stets eine engmaschige Abstimmung im „Heart Team“ statt. Im Verlauf werden die Patienten in enger Abstimmung mit den zuweisenden Kollegen entsprechend den internationalen Empfehlungen weiterbetreut. Dabei kann ergänzend zu der persönlichen Betreuung eine telemetrische Informationsübermittlung erfolgen.

Darüber hinaus implantieren wir zur Behandlung der Herzinsuffizienz CRT-D-Systeme zur kardialen Resynchronisationstherapie. Diese werden in unserer CRT-Spezialambulanz engmaschig nachgesorgt und bei Bedarf mittels elektro- sowie echokardiographischer Verfahren eingestellt, um einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen. Die Therapie und Weiterbetreuung der Patienten erfolgt in enger Kooperation mit der Sektion für Herzinusffizienz. 
Zudem implantieren wir Ereignis-Recorder zur Detektion mittels nicht-invasiver Methoden (Langzeit-EKG) nicht erfassbarer Herzrhythmusstörungen.
Die Indikationsstellung und Planung des Eingriffs erfolgt über unsere rhythmologische Sprechstunde, die Nachsorge über unsere SM-/ICD-Ambulanz.

Unser Leistungsspektrum umfasst:

  • Implantation von implantierbaren Loop-Recordern (ILR) sämtlicher Hersteller
  • Implantation und Wechsel von Ein- und Zweikammerschrittmachern (SM) sämtlicher Hersteller 
  • Implantation und Wechsel von implantierbaren Defibrillatoren (ICD) sämtlicher Hersteller 
  • Implantation und Wechsel von subkutanen Defibrillatoren (S-ICD)  
  • Implantation und Wechsel von biventrikulären Defibrillatoren zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-D) sämtlicher Hersteller  
  • Implantation des intracardialen Mikro-Schrittmachers (Leadless-pacer)
  • Nachsorge von ICD-, CRT- und Schrittmachersystemen sämtlicher Hersteller in unserer Schrittmacher/ICD-Ambulanz
  • Telemedizinische Nachsorge
Schwerpunkte

Herzschrittmacher

Eine krankhaft verlangsamte Herzschlagfolge (Bradykardie) mit Symptomen wie Schwindel, Kollaps oder Bewusstlosigkeit kann durch die Implantation eines Herzschrittmachers erfolgreich behandelt werden. Je nach Indikation werden dabei Ein- oder Zweikammersysteme implantiert. Dieser Eingriff kann in der Regel in örtlicher Betäubung ohne Allgemeinnarkose durchgeführt werden.

Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD)

Bei Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzschwäche besteht häufig ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod und damit die Notwendigkeit zur Implantation eines ICD`s. Dieses Aggregat ermöglicht eine fortwährende Rhythmusüberwachung und kann bei Auftreten von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen aus dem Bereich der Hauptkammern (ventrikuläre Tachykardien / Kammerflimmer) selbständig eine Therapie verabreichen und den plötzlichen Herztod in vielen Fällen verhindern.

Kardiale Resynchronisation (CRT)

Bei einer weit fortgeschrittenen Herzschwäche besteht häufig, trotz einer ausreichenden medikamentösen Therapie, eine erhebliche Leistungsminderung mit dem hauptsächlichen Beschwerdebild einer belastungsabhängigen Luftnot. Neben einer muskulären Schwäche des Herzens findet sich gehäuft auch eine Störung der elektrischen Ausbreitung im Herzen, die eine ungleichmäßige Pumpbewegung des Herzmuskels zur Folge hat. In diesen Fällen kann die Implantation eines CRT-Aggregates eine „Synchronisation“, d.h. Gleichschaltung der Herzkammern während des Pumpvorganges, bewirken und damit zu einer klinischen Besserung der Leistungsfähigkeit als auch der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten führen. Die CRT wird oft mit einer Defibrillatorfunktion kombiniert.

Mit freundlichen Genehmigung der Biotronik SE&Co. KG

MRT-taugliche Devices

Statistiken zeigen, dass 50 bis 75 Prozent aller Implantat-Träger mindestens einmal in ihrem Leben auch eine MRT-Untersuchung benötigen. Schließlich ermöglichen MRT-Scans eine hervorragende Erkennung von Schlaganfällen, Krebserkrankungen oder Bandscheibenvorfällen. Im Gegensatz zur Computertomografie (CT) und zu Röntgenuntersuchungen kommen MRTs gänzlich ohne radioaktive Strahlung aus. Ein MRT ist also wesentlich schonender. Wohl auch deshalb stieg die Zahl der bundesweit in einem MRT untersuchten Personen allein von 2004 bis 2009 um 41 Prozent an. Deutschland ist inzwischen weltweit Spitzenreiter mit 97 MRT Aufnahmen je 1000 Einwohner. Die USA folgen mit 91 je 1000 Einwohner, Belgien mit 54 je 1000 Einwohner. Aus dem Grunde werden an unserem Zentrum wenn technisch möglich und sinnvoll in aller Regel MRT-kompatible Devices implantiert.

Miniaturisierte Devices / Implantierbarer Looprecorder (ILR)

Der implantierbare Looprecorder ist ein mobiles EKG-Gerät: Es überwacht den Herzschlag bis zu drei Jahre lang 24 Stunden täglich und zeichnet Unregelmäßigkeiten/Auffälligkeiten im Herzrhythmus automatisch auf. Dieses Verfahren hat sich insbesondere bei Menschen mit einem Schlaganfall ohne erkennbaren Grund etabliert, dem sog. „cryptogenic Stroke“. Dadurch kann dem Schlaganfall zugrundeliegendes Vorhofflimmern, das nur phasenweise auftritt und von dem Patienten nicht bemerkt werden muss, mit hoher Sicherheit erkannt und eine entsprechende Therapie mit Gerinnungshemmern zur Prophylaxe weiterer Schlaganfälle eingeleitet werden.Auch bei wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen ist dieses Gerät ein gutes Werkzeug zur Detektion selten auftretender Herzrhythmusstörung, die diese Ohnmachtsanfällen erklären könnten. Studien haben belegt, dass implantierbare Herzmonitore die Ursache sporadischer Ohnmachtsanfälle häufiger aufdecken als andere Untersuchungsverfahren.Der ILR kann aufgrund seiner geringen Größe über einen minimalen Hautschnitt schmerzfrei in einem weniger als 5 Minuten dauernden Eingriff eingeführt werden.Besonders hilfreich ist hier auch die Telemetrie (Fernabfrage) an, bei der relevante Rhythmusstörungen schnellstmöglich an den Arzt übertragen werden und eine Behandlung begonnen werden kann.

Mit freundlicher Genehmigung der Meditronic GmbH

Mikro-Schrittmacher/Kardiokapsel („leadless pacemaker“ MICRA)

Erstmals in Deutschland wurde im Jahre 2015 in unserer Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie der Mikro-Schrittmacher implantiert - ein Herzschrittmacher, der im Herzen selber verbleibt und somit völlig ohne Kabel auskommt. Die Kardiokapsel namens Micra ist weniger als ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher, etwa so groß wie eine große Vitamintablette. Dabei wird Kardiokapsel durch die Leistenvene in die rechte Herzkammer vorgeschoben. Ist die richtige Stelle nahe der Herzspitze erreicht, wird die Kardiokapsel im Herzmuskelgewebe verankert. Insbesondere Patienten, bei denen sich der Zugang über die Vene unter dem Schlüsselbein schwierig gestaltet bzw. nicht möglich ist, können von dieser Therapie profitieren. Auch dieses Gerät ist MRT tauglich.

Mit freundlicher Genehmigung der Meditronic GmbH

Telemedizin

Die Telekardiologie ist eine effektive Methode zur Verbesserung der Patientensicherheit über die regelmäßigen persönlichen Konsultationen in unserer Ambulanz hinaus.
Loop-Recorder, Schrittmacher und ICDs mit einer derartigen Funktion übertragen über das Mobilfunk- oder Festnetz im täglichen Intervall bestimmte Systemparameter über ein Service-Center direkt an den behandelnden Arzt. So können Fehlfunktionen oder Verschlechterungen des Zustands des Patienten zeitnah entdeckt werden und fallen nicht erst bei der routinemäßigen Nachsorge auf. Bei bedrohlichen Störungen ist eine umgehende Reaktion möglich und der Patient kann so optimal behandelt werden.

Daten die vom Gerät übertragen werden umfassen:

  • Aufgetretene Rhythmusepisoden
  • Implantattherapien (Stimulationen, Impulse, Schocks)
  • Batteriestatus des Gerätes
  • Elektrodenzustand
  • Messwerte zur Beurteilung der Herzinsuffizienz

Die Datenübertragung erfolgt vollautomatisch mit Hilfe einer Basisstation, die beim Patienten aufgestellt wird und keine weiteren Eingriffe erfordert.

Mit freundlicher der Biotronik SE&Co. Kg

Die Sicherheit der Datenübertragung ist durch entsprechende Verfahren auf höchstem Stand und durch Überwachungsbehörden geprüft.

Mit freundlicher Genehmigung der Biotronik SE&Co.KG

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine häufige und schwierig zu behandelnde Herzrhythmusstörung. Bei unzufriedenstellender medikamentöser Therapie besteht die Möglichkeit einer Hochfrequenzablation, die in unserer Abteilung regelhaft durchgeführt wird. Während dieses Eingriffes werden spezielle Bereiche, vor allem im linken Vorhof, „verödet“ mit dem Ziel, ein weiteres Auftreten von Vorhofflimmern zu unterdrücken. Zuvor sollte eine ausführliche Beratung in unserer Rhythmussprechstunde erfolgen.

Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Ablationstherapie

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ist eine spezielle Herzkatheteruntersuchung zur Diagnostik von Herzrhythmusstörungen. Bei dieser Untersuchung werden in der Regel drei Meß- und Stimulationskatheter, nach örtlicher Betäubung, schmerzfrei über eine Leistenvene zum Herzen vorgeschoben. Mittels dieser Katheter wird die elektrische Erregungsausbreitung im Herzen analysiert und häufig können die behandlungsbedürftigen Herzrhythmusstörungen auch ausgelöst werden. Auf diese Weise ermöglicht die EPU eine genaue Diagnosestellung und bildet den Grundstein für die weitere Therapie. Bei speziellen Fragestellungen kann die EPU auch Leitungsblockierungen oder ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen nachweisen, so dass folgend Herzschrittmacher oder ICD-Aggregate implantiert werden müssen.

Qualitätssicherung

Zur Sicherstellung einer optimalen Behandlungsqualität haben wir über die Teilnahme an der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung (BQS/AQUA) hinaus interne Kontrollmechanismen etabliert. Diese umfassen neben Standard-operating-procedures (SOP) zur Optimierung der Abläufe ein standardisiertes Komplikationsmanagement und regelmäßige Qualitätsbesprechungen, auch in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Qualitätsmanagement des UKD.

Alle Operateure verfügen durch regelmäßige Teilnahme an in- und externen Fortbildungen sowie internationalen Kongressen über den aktuellsten Stand der Wissenschaft und die entsprechenden Empfehlungen der Fachgesellschaften. Die Operateure sind Fachärzte für Kardiologie oder Herzchirurgie und durch die deutsche Gesellschaft für Kardiologie als Sachkundige für aktive Herzrhythmusimplantate zertifiziert. In Ausbildung befindliche Ärzte erhalten ein strukturiertes Curriculum nach den Vorgaben der Fachgesellschaften unter enger Anleitung der erfahrenen Operateure.


Informationen zu Ihrem Krankenhausaufenthalt in unserer Klinik:

Katheterablation

Viele Herzrhythmusstörungen sind heute mittels einer Katheterablation heilbar. So können z.B. eine AV-Knoten-Reentrytachykardie, das WPW-Syndrom oder Vorhofflattern durch die gezielte Applikation von Hochfrequenzstrom kurativ behandelt werden. Dies erfolgt durch die Verwendung von speziellen Dignostik- und Ablationskathetern unter Zuhilfenahme einer Röntgendurchleuchtungseinheit (s. Abbildung1). In unserer Abteilung können auch komplexe Herzrhythmusstörungen wie z.B. ektope atriale Tachykadien, atypisches Vorhofflattern, Vorhofflimmern oder ventrikuläre Tachykardien unter Verwendung von 3D-Mappingsystemen (CARTO3) erfolgreich behandelt werden (Abbildung2).

Rhythmologie

Abbildung1: Katheter und Katheterposition bei der Ablation eines WPW-Syndroms in der Röntgendurchleuchtung

                        

Rhythmologie

Abbildung 2: 3-dimensionales,elektroanatomisches Mapping mittels CARTO3 bei Ablation einer rechtsventrikulären Tachykardie


Vor einer Katheterablation hat es in der Regel ein Kennenlernen in unserer Rhythmusambulanz gegeben. Hier wurde die geplante Katheterablation gemeinsam mit Ihnen besprochen. Dieses Gespräch kann auch mit Ihrem niedergelassenen Kardiologen bereits stattgefunden haben, dann erfolgt Ihre Aufnahme in unsere Klinik direkt zum Eingriff. In der Regel ist der erste Tag in unserer Klinik ambulant. Es werden eine Blutentnahme und ein EKG durch die Stationsärzte gewonnen bzw. angefertigt. Danach erfolgt die gesetzlich vorgeschriebene schriftliche Aufklärung über die Katheterablation, die von Ihnen unterzeichnet werden muss. Bei speziellen Ablationen, wie zum Beispiel der Ablation von Vorhofflimmern, ist vor dem Eingriff die Durchführung eines sogenannten Schluckechos (transösophageale Echokardiographie) zwingend notwendig, so dass sie in diesem Fall auch darüber aufgeklärt werden. Am zweiten Tag erfolgt dann die stationäre Aufnahme, so dass Sie nüchtern in die Klinik zu einer vereinbarten Zeit kommen. Entweder erfolgt nun direkt die Katheterablation oder bei Notwendigkeit das Schluckecho mit Katheterablation am folgenden Tag. Alle Eingriffe finden unter einer Sedierung statt, so dass Sie während der Prozedur schlafen. Es handelt sich hierbei um KEINE Vollnarkose, sondern um eine Sedierung wie bei einer Magen- oder Darmspiegelung. In der Regel können Sie bei kleineren Eingriffen (Katheterablation von Herzrasen) bereits nach einer Übernachtung entlassen werden, oder nach größeren Eingriffen (Vorhofflimmer Ablation) 2 Tage nach dem Eingriff nach Hause gehen.
 
Sollten Sie einen Blutverdünner wie Marcumar, Xarelto, Pradaxa, Eliquis o.ä. einnehmen, bitten wir Sie, diese Einnahme NICHT zu unterbrechen.

Nach Ihrer Entlassung ist eine körperliche Schonung von 5 Tage angeraten. In der Regel erfolgt dann eine ambulante Kontrolluntersuchung in unserer Rhythmusambulanz nach 6 bis 12 Wochen, oder bei Ihrem niedergelassenen Kardiologen.

Implantation von Herzschrittmachern, Defibrillatoren und Ereignisrecordern
Einen Tag vor der geplanten Operation werden Sie zunächst ambulant aufgenommen. D.h. es erfolgt auf Ihrer Station eine Blutentnahme, die Durchführung eines Röntgenbildes und ein ärztliches Aufklärungsgespräch. In der Regel kommen Sie dann am Folgetag nüchtern zur Operation in die Klinik. Je nach Indikation und Wunsch, erfolgt die Operation in lokaler Anästhesie oder in einer Sedierung (s.o.). Nach der Überwachung auf Ihrer Station erfolgt eine Röntgenkontrolle, Blutwertekontrolle, Überprüfung des Aggregates und Aushändigung des Aggregat-Ausweises. Bei komplikationslosem Verlauf können Sie einen Tag nach der Operation entlassen werden. Zuhause sind Sport und starke Armbewegungen der operierten Seite für eine Zeit von 4 bis 6 Wochen zu vermeiden, um eine Verlagerung der implantierten Elektroden zu vermeiden. In der Regel verwenden wir resorbierbare Hautfäden, so dass ein Fadenzug nicht notwendig ist. Die Kontrollen der implantierten Aggregate können in unserer Herzschrittmacherambulanz oder bei Ihrem niedergelassenen Kardiologen erfolgen.


Neurokardiologie

Neurozirkulatorische Funktionsdiagnostik

Im Zentrum der Untersuchungen stehen neben der kardialen Leistungdiagnostik (Spiro-Ergometrie) die Charakterisierung von kardiovaskulären Adaptationsmechanismen durch das vegetative Nervensystem (Abbildung 1). Diese können sowohl bei strukturell herzgesunden Menschen, als auch bei Patienten mit zahlreichen Komorbiditäten und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse von Bedeutung sein. Differentialdiagnostisch können primär hämodynamische Anpassungsmechanismen von einer autonomen Dysfunktion einerseits und einem Baroreflexversagen andererseits unterschieden werden. Neben elektrokardiographischen und hämodynamischen Befunden werden funktionelle Parameter (kardiale Funktion; Respiration) unter verschiedenen physiologischen Stimuli zur Modifikation der sympathischen und/oder parasympathischen Aktivität untersucht.  Insbesondere sind in diesem Zusammenhang Erkrankungen von Bedeutung, die bereits in einem frühen Stadium mit einer erhöhten sympathischen und/oder einer verminderten parasympathischen Aktivität einhergehen.

Hiervon sind beispielsweise häufig Patienten mit einer arteriellen Hypertonie, einer Herzinsuffizienz, oder einem Diabetes Mellitus, betroffen. Die Betreuung Betroffener erfolgt in einem interdisziplinären Team gemeinsam mit den entsprechend spezialisierten Kollegen des UKD.

Die Charakterisierung der Aktivität des autonomen Nervensystems ist hierbei sowohl von diagnostischer, prognostischer, als auch zunehmend von therapeutischer Bedeutung und soll eine individualisierte Behandlung Betroffener verbessern helfen.

Kardiale autonome Dysfunktion - Syndrome

Neben vegetativen Adaptationsmechanismen im Rahmen kardiovaskulärer Erkrankungen, sowie der kardialen autonomen Neuropathie, wurden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene klinische Erscheinungsbilder charakterisiert, die heute unter den Syndromen der kardialen autonomen Dysfunktion zusammengefasst werden (Abbildung 2). Es handelt sich um heterogene Krankheitsbilder, die häufig mit Palpitationen und/oder Schwindel einhergehen. Aufbauend auf einer umfassenden interdisziplinären Diagnostik werden inzwischen neben einer ausführlichen Beratung lebensstilassiziierte, pharmakologische, sowie auch interventionelle (Katheterablation, Device-Implantation) Therapieverfahren eingesetzt.

Interventionelle Neurokardiologie

Es ist heute gut bekannt, dass zahlreiche kardiale Funktionen maßgeblich durch neuronale Strukturen gesteuert werden, die durch interventionelle Therapieansätze (Katheterablation, elektrische Stimulation) moduliert werden können. Wissenschaftliche Untersuchungen unserer und anderer Arbeitsgruppen haben gezeigt, dass dies insbesondere für Herzfrequenz, -rhythmus, sowie die myokardiale Funktion gilt (Arrhythmia and Neuro-Cardiology working group).
Im Zentrum unserer Arbeit steht dabei v.a. die Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch eine gezielte lebensstilbasierte, pharmakologische, sowie im Rahmen von klinischen Prüfungen auch katheter-/devicebasierte Modulationen des kardialen Nervensystems (Abbildung 3). Gemeinsam ist den aktuell in unserer Klinik eingesetzten therapeutischen Ansätzen, dass sie entlang der Pathophysiologie verschiedener Erkrankungen eine Verbesserung der parasympathischen/sympathischen kardialen Aktivität verfolgen.

Untersucht wird aktuell sowohl die intrakardiale als auch die extrakardiale elektrische Modulation neuronaler Aktivität. Schematisch skizziert sind verschiedene Ansätze, die direkt oder indirekt darauf abzielen durch eine sympathische und/oder parasympathische Modulation Herzrhythmus bzw. –funktion zu verbessern. Gegenstand aktueller multizentrischer klinischer Prüfungen sind insbesondere der therapeutische Nutzen einer elektrischen parasympathischen (N. Vagus) Stimulation bei Herzinsuffizienz, sowie die sympathische Denervierung. Geprüft werden diese Verfahren aktuell für Patienten bei denen insbesondere eine medikamentöse Therapie ggf. zzgl. spezieller devicebasierter Therapien (implantierbarer Cardioverter Defibrillator, kardiale Resynchronisationstherapie) nicht ausreichend ist, um eine angemessene Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

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