Scientific Highlight of the Month
August 2026
Publikation in Lancet Oncology von Prof. Dr. Christoph Roderburg:
- In der EMERALD-3-Phase-III-Studie wurden 760 Patient:innen mit TACE-geeignetem, nicht kurativ behandelbarem HCC zu STRIDE (Tremelimumab + Durvalumab) + Lenvatinib + TACE, STRIDE + TACE oder TACE allein randomisiert.
- Die Dreifachkombination erreichte den primären Endpunkt und verlängerte das PFS signifikant auf 13,0 vs. 9,8 Monate unter TACE allein (HR 0,70, 95%-KI 0,57–0,86; p=0,0007); auch STRIDE + TACE zeigte ein längeres PFS von 12,9 vs. 8,1 Monaten (HR 0,71).
- Für das Gesamtüberleben zeigte sich für STRIDE + Lenvatinib + TACE bislang nur ein nicht signifikanter Trend (39,5 vs. 34,7 Monate; HR 0,84, p=0,18), sodass die finale OS-Analyse noch aussteht.
- Die zusätzliche systemische Therapie erhöhte erwartungsgemäß die Toxizität – insbesondere unter Lenvatinib mit 64 % schweren unerwünschten Ereignissen –, insgesamt sprechen die Ergebnisse aber dafür, dass STRIDE-basierte Kombinationen die TACE beim embolisationsgeeigneten HCC künftig ergänzen bzw. einen neuen Therapiestandard etablieren könnten.
Darüber hinaus ist die breite Studienaktivität von Christoph Roderburg vor allem im Bereich Lebertumoren zu erwähnen, insbesondere die IITs der TRITICC-Reihe.
Juli 2026
Publikation von Dr. Yiming Peng-Winkler in Nature "Steatosis shapes prognosis-defining liver metastasis heterogeneity in CRC"
Forschende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) haben gemeinsam mit Forschenden vom VIB-KU Leuven und weiteren internationalen Partnern herausgefunden, wie eine Fettlebererkrankung die aggressivste Form von metastasierendem Darmkrebs antreiben kann. In der Studie wurde zeigt, dass Fettleber die Entstehung besonders aggressiver Lebermetastasen bei Darmkrebs begünstigen kann. Forschende um Prof. Dr. Sarah-Maria Fendt und Dr. Yiming Peng-Winkler wiesen anhand von Patientenproben und Tiermodellen nach, dass Menschen mit Fettleber häufiger sogenannte Replacement-Metastasen entwickeln. Diese wachsen eng in die bestehende Leberstruktur hinein und sind mit einer schlechteren Prognose verbunden.
Die Studie erklärt erstmals einen zentralen Mechanismus: Erhöhte Fettsäurespiegel stabilisieren das Protein MYC, das den Stoffwechsel der Krebszellen verändert. Dadurch wird vermehrt Prolin gebildet, das die Kollagenproduktion unterstützt. Das entstehende Kollagengerüst erleichtert es Tumorzellen, in das Lebergewebe einzudringen und sich auszubreiten.
In fortgeschrittenen Modellen ließ sich dieser Signalweg durch die Blockade von MYC, der Prolinproduktion oder der Kollagenbildung bremsen. Die Ergebnisse könnten künftig neue Ansätze für Biomarker, Patientenselektion und individuellere Therapien liefern.
Juni 2026
Adolf-Kußmaul-Preis der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie für Dr. Anne Schneider:
• Die Studie untersucht, wie sich normale Zellen der Bauchspeicheldrüse unter dem Einfluss einer KRAS-Mutation schrittweise in Vorstufen eines Pankreaskarzinoms verwandeln.
• Dabei zeigte sich, dass diese frühen veränderten Zellen bereits stark darauf vorbereitet sind, durch programmierten Zelltod abzusterben – sie werden aber durch ein Schutzsignal am Leben gehalten.
• Eine zentrale Rolle spielt dabei das Enzym TAK1: Es verhindert, dass die veränderten Zellen über RIPK1-vermittelte Apoptose oder Nekroptose zugrunde gehen.
• Wird TAK1 genetisch ausgeschaltet oder medikamentös gehemmt, sterben diese Zellen ab, und in Maus- und Organoidmodellen entstehen deutlich weniger Krebsvorstufen und Pankreastumoren.
• Der Effekt wurde nicht nur in Tiermodellen, sondern auch in Tumororganoiden von Patienten beobachtet, was die mögliche Übertragbarkeit auf den Menschen interessanter macht.
• Besonders spannend ist, dass die Studie damit eine bisher wenig beachtete Schwachstelle des Pankreaskarzinoms beschreibt: Die Tumorzellen sind prinzipiell bereits „zum Sterben bereit“, benötigen aber TAK1 als Überlebensschutz.
• Daraus könnte langfristig ein neuer Therapieansatz entstehen, bei dem dieser Schutzmechanismus gezielt blockiert wird; bisher handelt es sich jedoch ausschließlich um präklinische Daten, nicht um eine bereits verfügbare Behandlung
Mai 2026
Posterpreis für Lea Aylin Yücel: Autophagie schützt Leberzellen davor, körpereigene RNA-Elemente anzusammeln, die eine antivirale Immunantwort auslösen. Wenn dieser Schutz fehlt, entsteht chronische Leberschädigung, die langfristig zur Tumorbildung beitragen kann.
• In diesem Projekt geht es um die Frage, wie gestörte Autophagie zur chronischen Leberschädigung und später zur Entstehung von Lebertumoren beitragen kann.
• Autophagie ist ein zellulärer Reinigungsmechanismus. Sie hilft der Zelle, beschädigte oder überflüssige Bestandteile abzubauen. Wenn dieser Prozess in Leberzellen gestört ist, kann es zu Zellstress, Entzündung, Fibrose und langfristig auch zu Tumorbildung kommen.
• Untersucht wurden Mäuse, bei denen das Autophagie-Protein ATG16L1 gezielt in Leberparenchymzellen ausgeschaltet wurde. Diese Tiere entwickeln spontan Leberschäden, später Steatohepatitis, Fibrose und Lebertumoren.
• Die Studie zeigt, dass sich in diesen Leberzellen körpereigene RNA-Strukturen ansammeln, die vom Immunsystem fälschlicherweise wie virale RNA erkannt werden. Dadurch wird eine Typ-I-Interferon-Antwort aktiviert. Diese Immunantwort trägt wesentlich zum Absterben von Hepatozyten und zur Leberschädigung bei.
• Besonders wichtig war dabei der Signalweg über MAVS (Mitochondrial Antiviral Signaling Protein). Außerdem konnte gezeigt werden, dass das Ausschalten des Typ-I-Interferon-Rezeptors IFNAR1 die Leberschädigung und Tumorbildung deutlich reduziert.
• Ein weiterer wichtiger Faktor ist p62, ein Autophagie-Rezeptor. Wenn p62 zusätzlich entfernt wurde, waren Leberschädigung, Lebervergrößerung und Tumorentwicklung abgeschwächt.