Zentrum für syndromale Erkrankungen und angeborene Fehlbildungen

Syndromale Erkrankungen umfassen eine Vielzahl seltener Erkrankungen, die häufig mit einer Intelligenzminderung/ geistigen Behinderung und/ oder angeborenen Fehlbildungen einhergehen. Das Wissen über die zugrundeliegenden genetischen Ursachen ist unvollständig. Jedoch haben die wissenschaftlichen Fortschritte der letzten Jahre gezeigt, dass genetische Faktoren, das heißt z..B. Chromosomenstörungen und Einzelgendefekte, bei der Entstehung syndromaler Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Die neuen Hochdurchsatz-Sequenziertechnologien eröffnen die Möglichkeit der systematischen Analyse der zugrundeliegenden genetischen Veränderungen. Die wird zu einem verbesserten Verständnis der Entstehungsmechanismen syndromaler Erkrankungen und angeborener Fehlbildungen führen. 

Unser Zentrum für syndromale Erkrankungen und angeborene Fehlbildungen bietet Ihnen im Rahmen der Krankenversorgung sowie im Rahmen von Forschungsprojekten die detaillierte Abklärung der genetischen Ursachen des speziellen Krankheitsbildes und seiner Ursachen Ihres Kindes/ Ihres Familienangehörigen/ Ihrer Patientin oder Ihres Patienten an. Ein ganz besonderes Anliegen ist es uns, durch die Einbindung von Selbsthilfegruppen und die Vernetzung in nationalen und internationalen Forschungsverbünden die Versorgung von Menschen mit syndromalen Erkrankungen und angeborenen Fehlbildungen zukunftsweisend zu verbessern.

Schwerpunkt Kraniofaziale Anomalien (Prof. Dr. med. Dagmar Wieczorek)

Kraniofaziale Fehlbildungen betreffen das Gesicht und den Kopf und können zu schweren funktionellen, ästhetischen und sozialen Beeinträchtigungen führen. Die Fehlbildungen umfassen knöcherne Veränderungen des Gesichts und Schädels, der Zähne und der Ohren. Kraniofaziale Fehlbildungen – Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ausgeschlossen – sind selten und werden bei 1 auf 2.000 Neugeborene beobachtet. Das Spektrum der kraniofazialen Fehlbildungen ist breit, es gibt nicht-syndromale und syndromale Krankheitsbilder. Ein interdisziplinäres Team aus unterschiedlichen Fachrichtungen ist notwendig, um eine optimale Diagnose, Beratung und Therapie für die Patienten sicherzustellen.

Ein Expertenteam verschiedener Fachrichtungen (Humangenetik, Pädiatrie, Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Pädaudiologie, HNO) bietet die genetische Abklärung, aber auch die Durchführung verschiedener operativer und nicht-operativer Therapien an. Wir arbeiten eng mit den entsprechenden Selbsthilfegruppen zusammen und können für einzelne Fragestellungen den Einschluss in Studien (e.g. www.cranirare.eu) anbieten.

 

Krankheitsbilder:

  • Okulo-Aurikulo-Vertebrales Spektrum (OAVS)/Goldenhar-Syndrom
  • Treacher Collins-Syndrom/Franceschetti-Syndrom
  • Nager-Syndrom
  • Miller-Syndrom
  • ungeklärte kraniofaziale Fehlbildungen 

 

Sprechstunden des Zentrums für kraniofaziale Fehlbildungen:

  • nach telefonischer Terminvereinbarung unter 0211/8112355

 

Forschungsprojekte:

  • Ein integrierter klinischer und wissenschaftlicher Forschungsansatz für kraniofaziale Fehlbildungen (www.cranirare.eu)
  • FACE – Forschungsverbund Ausgewählter Craniofacialer Entwicklungsstörungen

 

Europäisches Referenznetzwerk (ERN)

  • Das Zentrum für kraniofaziale Anomalien/ das Institut für Humangenetik ist Teil des ERN on congenital malformations and rare intellectual disability (ERN ITHACA)

 

Informationsmaterial:

  • Treacher Collins Syndrom, Nager Syndrom, Miller Syndrom
  • Okulo-Aurikulo-Vertebrales Spektrum (OAVS)/Goldenhar-Syndrom (Patienten-/Elterninformation , Patienteninformation für Kinder/Jugendliche , Einverständnis Fotos )
  • Coffin-Siris-Syndrom
  • Nicolaides-Baraitser-Syndrom

 

Schwerpunkt kutane Mosaike/ Pigmentierungsstörungen & Geistige Behinderung (PD Dr. med. Silke Redler, Prof. Dr. med. Dagmar Wieczorek)

Trotz des Einsatzes neuartiger Technologien (‚next generation sequencing‘, NGS, Exomsequenzierung (ES)) ist die molekulare Ursache bei einem Großteil der Patienten mit Intelligenzminderung/ geistiger Behinderung (ID) nach wie vor unbekannt. Man geht davon aus, dass ES, die in den überwiegenden Fällen an peripheren Blutzellen durchgeführt worden ist, nur bei ca. 30% der Patienten zum Nachweis einer pathogenen Mutation geführt hat. Dies spiegelt die Komplexität der zugrundeliegenden molekularen Ursachen und die Notwendigkeit neuartiger Strategien zur Erlangung eines verbesserten Verständnisses beteiligter Krankheitsmechanismen wider. Neben neuen Auswertestrategien klassischer Technologien (z.B. Mosaikauswertung) kommt der Untersuchung unterschiedlicher Gewebe eine große Bedeutung zu.

Interessanterweise weisen eine Vielzahl von Patienten mit ID Hautveränderungen unterschiedlichster Erscheinung auf, die häufig fleck- oder streifenförmig angeordnet sind oder durch eine bizarre Konfiguration, ungewöhnliche Lokalisation oder eine außergewöhnlich hohe Anzahl imponieren. Allein 261 syndromale Krankheitsbilder mit ID und kutanen Pigmentierungsstörungen (PS) sind derzeit in zugänglichen Datenbanken gelistet. Die auffallende Assoziation von PS mit ID spricht für gemeinsame zugrundeliegende Entstehungsmechanismen und spezifische molekulare Mechanismen. Diese sind jedoch weitgehend unbekannt. Das Projekt hat die erstmalige systematische molekulare Analyse PS als Schlüssel zu einem verbesserten Verständnis der biologischen Grundlagen der ID zum Ziel.

Wir planen, bei Patienten mit ID und PS anhand von läsionaler und nicht-läsionaler Haut (Fibroblasten, Melanozyten) das somatische Mutationsspektrum systematisch zu charakterisieren. Zur Analyse epigenetischer Regulationsmechanismen (Methylom) sowie Genexpressionsmuster (Transkriptom) werden Sequenzier- bzw. Chip-basierte Technologien angewandt. Parallel soll eine trio-basierte ES mit Mosaikauswertung an Blutzellen zur Identifizierung ursächlicher Keimbahnmutationen sowie eine Charakterisierung des Transkriptoms und Methyloms durchgeführt werden. Ein Fokus soll neben klassischen Auswertungsstrategien auf der Analyse genetischer Mosaike liegen. Erhobene Befunde aus Haut und Blut werden anhand integrativer bioinformatischer Methoden korreliert, um essentielle Signalwege und metabolische Netzwerke zu charakterisieren.

 Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Informationsmaterial:

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