Non-communicable diseases
Mit der Umwandlung unseres Instituts in das Global Health Institute Düsseldorf–Arsi (GHIDA) erweitern wir dessen Forschungsagenda über Infektionskrankheiten und die traditionelle Tropenmedizin hinaus, um das breitere Spektrum der für Äthiopien und die Region relevanten gesundheitlichen Herausforderungen anzugehen. Nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs), darunter chronische Lebererkrankungen, Krebs und Stoffwechselerkrankungen, machen einen zunehmend wichtigen Teil dieser Belastung aus und werden daher zu einem integralen Bestandteil der Global-Health-Forschungsaktivitäten des GHIDA.
Dieser erweiterte Schwerpunkt baut auf langjährigen Forschungsaktivitäten des Instituts in den Bereichen Hepatologie und chronische Erkrankungen auf. In zurückliegenden sowie laufenden Projekten wurden unter anderem die Prävalenz, die Ursachen und der Verlauf chronischer Lebererkrankungen in Asella und die Risikofaktoren für arzneimittelinduzierte Leberschäden während der Tuberkulosebehandlung untersucht. Aufbauend auf diesen etablierten Kooperationen, der klinischen Infrastruktur und dem Fachwissen strebt GHIDA an, die interdisziplinäre Forschung zu nichtübertragbaren Krankheiten weiterzuentwickeln, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf lokal relevanten Risikofaktoren, Prävention, Früherkennung und der Stärkung der klinischen Versorgung in ressourcenarmen Regionen liegt.
Berufs- und umweltbedingte Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs in Äthiopien
Speiseröhrenkrebs stellt in Ostafrika eine große gesundheitliche Herausforderung dar, wobei besonders hohe Inzidenzraten aus der Arsi-Bale-Region in Äthiopien gemeldet werden. Die Prognose ist oft schlecht, da viele Patienten erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden und der Zugang zu ressourcenintensiven kurativen Behandlungen nach wie vor begrenzt ist. Die Identifizierung modifizierbarer und lokal relevanter Risikofaktoren ist daher ein wichtiger Schritt hin zu einer wirksamen Prävention.
Das Projekt untersucht zwei weit verbreitete berufliche und umweltbedingte Expositionen, die zur hohen Belastung durch Speiseröhrenkrebs in Äthiopien beitragen könnten: die Pestizidexposition bei landwirtschaftlichen Arbeiten und die Luftverschmutzung in Haushalten durch das Kochen mit festen Brennstoffen. Beide Expositionen sind in Äthiopien weit verbreitet und betreffen Substanzen mit bekannten oder vermuteten krebserregenden Eigenschaften. Ihr individueller und kombinierter Beitrag zum Risiko für Speiseröhrenkrebs ist jedoch noch unzureichend verstanden.
Am Asella Referral and Teaching Hospital, am Adama Hospital Medical College und am St. Paul’s Hospital in Addis Abeba wird diesbezüglich eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt: Patientinnen und Patienten, bei denen Speiseröhrenkrebs diagnostiziert wurde, werden mit gematchten Kontrollpersonen verglichen. Anhand standardisierter Befragungen und Hausbesuchen werden die langfristige Pestizidbelastung, landwirtschaftliche Arbeitspraktiken, Kochbrennstoffe, Ofentyp, Küchenbelüftung sowie andere relevante Umwelt- und Lebensstilfaktoren erfasst. Besonderes Augenmerk wird auf die kombinierten Auswirkungen von Pestizidbelastung und Luftverschmutzung in Haushalten gelegt.
Über die Identifizierung von Risikofaktoren hinaus legt das Projekt einen starken Fokus auf Prävention. Es wird untersucht, ob leicht umsetzbare Maßnahmen die expositionsbedingten Krebsrisiken mindern können, z. B. persönliche Schutzausrüstung und verbesserte Hygiene beim Umgang mit Pestiziden, verbesserte Küchenbelüftung, verbesserte Herdkonstruktionen und verringerte Belastung durch Kochrauch. Die Ergebnisse könnten daher zu praktischen und kosteneffizienten Präventionsstrategien für Äthiopien und andere ressourcenarme Regionen beitragen.
Das Projekt wird vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität und des Universitätsklinikums Düsseldorf in enger Zusammenarbeit mit der GHIDA, der Arsi-Universität und den klinischen Partnern in Äthiopien geleitet und von der Forschungskommission der medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität finanziert. Durch die Bündelung von Fachwissen in den Bereichen Arbeits- und Umweltmedizin, Epidemiologie, Gastroenterologie und Tropenmedizin baut das Projekt auf der langjährigen Forschungspartnerschaft zwischen Düsseldorf und Äthiopien auf.
Arzneimittelinduzierte toxische Hepatitis während der Tuberkulose-Behandlung
Äthiopien gehört zu den Ländern mit hoher Tuberkulosebelastung. Eine große Herausforderung bei der Behandlung ist das Auftreten einer medikamenteninduzierten Leberschädigung (DILI) im Rahmen der Tuberkulose-Therapie. Diese Komplikation kann zu Behandlungsunterbrechungen führen, den Behandlungserfolg beeinträchtigen und das Risiko eines Krankheitsfortschritts oder der Entwicklung von Resistenzen erhöhen.
In einer von der Forschungskommission des Universitätsklinikums Düsseldorf geförderten Studie untersuchte GHIDA die Prävalenz, die klinischen Folgen und die Risikofaktoren von tuberkuloseassoziierter DILI. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Analyse genetischer Varianten von Gallensäuretransportern und ihrer potenziellen Bedeutung für die individuelle Anfälligkeit für medikamenteninduzierte Leberschäden.
Chronische Lebererkrankungen
Auch chronische Lebererkrankungen treten in Äthiopien zunehmend auf. Eine weitere GHIDA-Studie untersucht die Prävalenz, Ursachen und Risikofaktoren chronischer Lebererkrankungen in Asella.
Mithilfe der transienten Elastographie (FibroScan®), einer nicht-invasiven Methode zur Beurteilung von Leberfibrose und -steifigkeit, werden Patientinnen und Patienten untersucht und Faktoren identifiziert, die den Krankheitsverlauf beeinflussen. Parallel dazu finden klinische Fortbildungen zum Management chronischer Lebererkrankungen und ihrer Komplikationen statt, um die lokalen Kapazitäten im Gesundheitswesen nachhaltig zu stärken.