Sepsis und Antimikrobielle Resistenzen
Sepsis und antimikrobielle Resistenz (AMR) sind eng miteinander verbundene globale Gesundheitsprobleme. Jedes Jahr sind weltweit etwa 50 Millionen Menschen von Sepsis betroffen, und schätzungsweise 11 Millionen Menschen sterben daran. Besonders hoch ist die Belastung in Subsahara-Afrika, wo begrenzte Diagnosekapazitäten, eingeschränkter Zugang zu wirksamen antimikrobiellen Therapien und begrenzte Ressourcen für die Intensivversorgung die rechtzeitige Diagnose und Behandlung schwerer Infektionen erschweren. Die zunehmende Verbreitung multiresistenter Erreger schränkt die Behandlungsmöglichkeiten weiter ein und führt zu schlechteren klinischen Ergebnissen.
GHIDA entwickelt und evaluiert lokal angepasste Strategien zur Verbesserung der Prävention, Erkennung, Diagnose und Behandlung schwerer Infektionen und der Sepsis. Die Forschung berücksichtigt regionale Besonderheiten, darunter lokale Erreger- und Resistenzmuster, Umweltbedingungen sowie physiologische Faktoren. So zeigte beispielsweise eine in Asella durchgeführte Studie, dass die hohe Lage der Stadt auf etwa 2.400 Metern über dem Meeresspiegel die Aussagekraft etablierter Sepsis-Scores beeinflussen kann, da sich die Referenzwerte für Parameter wie Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz von denen auf Meereshöhe unterscheiden.
Die aktuellen Aktivitäten verbinden klinische Forschung mit Verbesserungen in den Bereichen mikrobiologische Diagnostik, Infektionsprävention und -kontrolle sowie Antibiotikamanagement. Die Projekte konzentrieren sich auf die Anpassung klinischer Skalen, den Ausbau diagnostischer Kapazitäten, die Charakterisierung lokaler Resistenzmuster und die Untersuchung resistenter Erreger bei nosokomialen Infektionen, Harnwegsinfektionen, neonataler Sepsis sowie in Umweltreservoirs im Rahmen des „One Health“-Ansatzes.
Gemeinsam mit regionalen und internationalen Partnern etabliert GHIDA moderne Diagnosemethoden, darunter molekulare Resistenztests und Next-Generation-Sequenzierung (NGS). Dazu gehört die Beteiligung an „EpiGen Ethiopia“, einem EU-finanzierten Projekt, das die Kapazitäten für Genomsequenzierung und Ausbruchsüberwachung in Äthiopien stärkt und zudem antimikrobiellen Resistenzen sowie die Übertragung von Krankheitserregern untersucht. In Kombination mit verbesserten kulturbasierten Methoden und digitalen Überwachungssystemen ermöglichen diese Ansätze eine schnellere Identifizierung von Krankheitserregern und Resistenzmechanismen und unterstützen eine gezieltere Antibiotikatherapie.
Durch die Integration von Forschung, dem Aufbau von Laborkapazitäten, klinischer Ausbildung und Überwachung zielt GHIDA darauf ab, das nachhaltige Management von Sepsis und antibiotikaresistenten Infektionen in Äthiopien und darüber hinaus zu stärken.