Krankheitsbilder

Die im Volksmund auch als "Blutkrebs" bezeichnete Leukämie ist eines der komplexesten medizinischen Probleme unserer Zeit. Hämatologen unterscheiden zwischen zwei Arten der Krankheit (Leukämien und Lymphome) mit insgesamt 15 unterschiedlichen Formen (Quelle: www.leukaemie-hilfe.de):

ALL        Akute lymphatische Leukämie

AML       Akute myeloische Leukämie

CML       Chronische myeloische Leukämie

PV          Polycythaemia vera

ET          Essentielle Thrombozythämie

PMF       Primäre Myelofibrose

MDS       Myelodysplastische Syndrome

CLL        Chronische Lymphatische Leukämie

HL          Hodgkin Lymphom

nm-NHL Niedrigmaligne (indolente) Lymphome

Morbus Waldenström / Mantelzell-Lymphom / Follikuläres Lymphom / Haarzell-Leukämie / Marginalzonen-LymphomOrgan-Lymphome

Organ-Lymphome Haut (Sézary-Syndrom, Mycosis fungoides) / Hirn / Hoden / Magen / Nasennebenhöhlen / Speicheldrüsen

hm-NHL Hochmaligne (aggressive) Lymphomediffuses großzelliges B-Zell-Lymphom / Burkitt Lymphom / periphere T-Zell-Lymphome

PMM        Plasmozytom / Multiples Myelom

AA/FAA   plastische Anämie / Fanconi Anämie

Andere Leukämien andere System- und Bluterkrankungen MGUS / Amyloidose / Diamond-Blackfan-Syndrom / Hämochromatose / Histiozytosis X / Morbus Werlhof / TTP = Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura / Mastozytose / PNH = Paroxysmale Nächtliche Hämoglobinurie / Thalassämie / v. Willebrand-Jürgens-Syndrom

Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Details und aktuelle Referate von Mitarbeitern der Universitätsklinik Düsseldorf.

Die ambulante autologe Blutstammzell- transplantation am UKD

Die autologe Blutstammzelltransplantation ist eine bewährte und sehr wirksame Therapieform bei verschiedenen Krebserkrankungen wie Lymphomen, dem Multiplen Myelom oder bestimmten Keimzelltumoren. „Autolog“ bedeutet, dass die Stammzellen vom Patienten selbst stammen und nicht von einem anderen Menschen (allogen). Das Verfahren ermöglicht es, eine besonders intensiv wirksame Chemotherapie zu geben, ohne das Knochenmark dauerhaft zu schädigen.

Bei einer normalen Chemotherapie ist die Dosierung der Chemotherapie durch das Knochenmark begrenzt. Es ist das empfindlichste Organ und die Blutbildung würde sonst zu stark beeinträchtigt. Die Blutwerte müssen sich innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder vollständig erholen, sonst drohen schwere Infektionen oder Blutungen. Durch die Entnahme und spätere Rückgabe der eigenen Stammzellen wird diese natürliche Begrenzung aufgehoben. Die zuvor eingefrorenen Stammzellen sorgen nach der Rückgabe dafür, dass die Blutbildung sich schnell wieder erholt.

Die Stammzellentnahme

Heute werden die Stammzellen nicht mehr operativ aus dem Knochenmark entnommen. Stattdessen gelingt es, sie mit sogenannten Wachstumsfaktoren aus dem Knochenmark ins Blut zu „mobilisieren“. Dort können sie mithilfe einer Apherese, einem speziellen Blutwäscheverfahren, gesammelt werden. Anschließend werden sie tiefgefroren und sorgfältig geprüft, bevor sie für die Behandlung freigegeben werden. Erst wenn sicher ist, dass die Stammzellen den Einfrierprozess unbeschadet überstanden haben und frei von Keimen sind, kann die Hochdosistherapie beginnen.

Die Vorbereitungen

Bevor die eigentliche Therapie beginnt, werden einige vorbereitende Untersuchungen durchgeführt. Dabei geht es neben einer gründlichen Untersuchung des Blutes vor allem darum, Herz und Lunge zu überprüfen und mögliche Infektionen auszuschließen. Häufig erfolgt zusätzlich eine Computertomographie. Anschließend wird ein zentraler Venenzugang gelegt, meist ein Port oder eine PICC-Line. Über dieses System können Infusionen sicher gegeben und Blutentnahmen schmerzfrei durchgeführt werden.

Die Hochdosistherapie

Beim Multiplen Myelom besteht die hochdosierte Therapie meist nur aus einem einzigen Medikament, Melphalan. Das macht es möglich, die gesamte Behandlung einschließlich der Rückgabe der Stammzellen ambulant durchzuführen. In Heidelberg, wo dieses Konzept seit einigen Jahren etabliert ist, hat es sich bewährt. Ab 2026 wird das Verfahren auch am Universitätsklinikum Düsseldorf angeboten. Speziell ausgebildete Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte betreuen die Patientinnen und Patienten dort sehr engmaschig.

Die Hochdosis-Chemotherapie selbst erfolgt ambulant. Der Patient bzw. die Patientin kommt morgens in die Behandlungseinheit, erhält Flüssigkeit und Medikamente gegen Übelkeit. Es erfolgt eine engmaschige Überwachung. Während der Gabe des Melphalans wird die Mundschleimhaut mit Eis gekühlt, um das Risiko für schmerzhafte Entzündungen im Mund zu verringern. Wenn die Behandlung gut vertragen wird, darf der Patient wieder nach Hause gehen. Für eventuelle Probleme ist rund um die Uhr ein ärztlicher Ansprechpartner verfügbar.

Die Stammzellrückgabe

Am nächsten Tag wird der Patient / die Patientin erneut ambulant untersucht und erhält einige Infusionen, die sicherstellen, dass die Chemotherapie vollständig wieder aus dem Körper geschwemmt wird. Die Rückgabe der Stammzellen erfolgt ebenfalls ambulant 2 Tage nach der Gabe des hochdosierten Melphalan. Die zuvor eingefrorenen Zellen werden langsam aufgetaut und ähnlich wie eine Bluttransfusion über den zentralen Zugang verabreicht. Währenddessen werden Kreislauf und Atmung kontinuierlich überwacht. Auch nach dieser Behandlung kann der Patient in der Regel wieder nach Hause gehen.

Das Zelltief

In den folgenden Tagen beginnt die Phase, die man „Aplasie“ oder „Zelltief“ nennt. Durch die intensive Chemotherapie verschwinden die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen fast vollständig aus dem Blut. Die Immunabwehr ist in dieser Zeit stark geschwächt, und der Körper ist besonders anfällig für Infektionen und Blutungsereignisse. Daher finden tägliche Kontrollen in der Ambulanz statt. Dabei werden die Blutwerte gemessen, die Schleimhäute untersucht und bei Bedarf Transfusionen, Infusionen oder Antibiotika verabreicht. Zu Hause müssen Patientinnen und Patienten besonders auf Warnsignale achten. Fieber ist in dieser Phase immer ein Notfall und muss sofort telefonisch gemeldet werden. Auch eine plötzliche Verschlechterung des Befindens oder neu auftretende Schmerzen sind wichtige Hinweise darauf, dass das Behandlungsteam sofort informiert werden muss.

Um Infektionen zu vermeiden, wird während dieser Zeit großer Wert auf Hygiene gelegt. Der Kontakt zu größeren Menschenansammlungen sollte vermieden werden und auch bei der Ernährung gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, über die die Ernährungsberatung bereits im Vorfeld ausführlich informiert. Eine stationäre Aufnahme ist jederzeit möglich, wenn sich Komplikationen abzeichnen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass sich viele Patientinnen und Patienten zu Hause schneller erholen, weil die Keimbelastung dort geringer ist und die vertraute Umgebung das Wohlbefinden fördert.

Die Regeneration

Etwa zehn bis vierzehn Tage nach der Rückgabe der Stammzellen beginnen die neuen Blutzellen im Blut zu erscheinen. Manchmal ist ein „Ziehen“ in Becken, Wirbelsäule und Oberschenkel erstes Anzeichen für die beginnende Regeneration der Leukozyten. Sobald die Blutbildung stabil ist und keine intravenösen Medikamente mehr benötigt werden, kann die tägliche Vorstellung in der Ambulanz beendet werden. Zunächst reichen dann ein bis drei Termine pro Woche, später in noch größeren Abständen.

Mit der Einführung der ambulanten bzw. teilstationären Transplantation verfolgt das Universitätsklinikum Düsseldorf das Ziel, die Behandlung für die Patienten angenehmer und zugleich sicherer zu gestalten. Gleichzeitig werden moderne telemedizinische Konzepte erprobt: Ein kleines, am Handgelenk getragenes Gerät soll kontinuierlich wichtige Vitalwerte wie Herzfrequenz, Temperatur und Sauerstoffsättigung messen und diese an die Klinik übertragen. Auf diese Weise kann das Behandlungsteam in Zukunft Veränderungen früh erkennen und rechtzeitig eingreifen. Aktuell befindet sich dieses System noch im Erprobungszustand.

Die ambulante autologe Transplantation stellt damit einen wichtigen Schritt in Richtung moderner, patientenfreundlicher Krebsmedizin dar. Wenn sich dieses Konzept bewährt, könnten in Zukunft auch andere intensive Therapien – etwa CAR-T-Zell-Behandlungen – vermehrt ambulant durchgeführt werden.

Prof. Dr. med. Guido Kobbe

Oberarzt, Leiter der allogenen Stammzelltransplantation

Klinik für Hämatologie, Onkologie und klinische Immunologie

Universitätsklinikum Düsseldorf


Moderne Therapieüberwachung mit monti – was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Die moderne Krebsmedizin hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Viele neue Therapien – wie die autologe und die allogene Blutstammzelltransplantation oder auch die CAR-T-Zelltherapie – können Menschen helfen, die mit bisherigen Behandlungs­möglichkeiten nicht geheilt werden konnten. Diese Therapien sind jedoch komplex und erfordern eine besonders sorgfältige Überwachung. Blutwerte müssen regelmäßig kontrolliert werden und auch wichtige Vitalfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Temperatur und Sauerstoffsättigung müssen engmaschig beobachtet werden. Nur so können Ärzte frühzeitig erkennen, wenn sich Komplikationen anbahnen.

Damit diese hohen Sicherheitsanforderungen künftig auch außerhalb des Krankenhauses erfüllt werden können, arbeiten Forschende weltweit an neuen Lösungen. Ein Ansatz dafür sind sogenannte Wearables – kleine Messgeräte, die man wie eine Uhr am Handgelenk trägt – sowie moderne Methoden der Künstlichen Intelligenz.

Was ist monti ?

Am Universitätsklinikum Düsseldorf wurde ein solches System entwickelt. Es heißt monti. monti soll in Zukunft dabei helfen, die Überwachung intensiver Krebstherapien zu verbessern und gleichzeitig mehr Behandlungen ambulant, also im häuslichen Umfeld, zu ermöglichen. Zentrales Element ist die monti App, die auf einem Smartphone installiert wird.

Noch befindet sich monti in einem frühen Forschungsstadium. Bevor das System im Alltag genutzt werden kann, muss gründlich überprüft werden, ob es zuverlässig funktioniert, ob es für die Patienten einfach zu bedienen ist und wie gut es von Patienten, Angehörigen und medizinischem Personal akzeptiert wird. Um diese Fragen zu beantworten, werden sowohl am Universitätsklinikum Düsseldorf als auch am Universitätsklinikum Aachen wissenschaftliche Studien durchgeführt.

Welche Studien gibt es?

In Düsseldorf startet dafür die sogenannte PreASSIST-Studie. In dieser Studie erhalten die teilnehmenden Patientinnen und Patienten für die Dauer der Studie ein Wearable sowie ein iPhone. Das Wearable sieht aus wie eine schlichte, schwarze Armbanduhr und misst kontinuierlich verschiedene Vitalparameter – zum Beispiel die Temperatur, die Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Atemfrequenz und auch Bewegungsmuster. Die Daten werden automatisch auf das Smartphone übertragen und mit Hilfe der monti App von dort aus verschlüsselt an besonders geschützte Server im Universitätsklinikum Düsseldorf weitergeleitet. Dort werden sie gespeichert und analysiert.

Zusätzlich können die Patienten selbst mehrmals täglich Werte wie ihr Gewicht, den Blutdruck oder ihre Körpertemperatur in die monti App eingeben. Über die App können sie außerdem Beschwerdesymptome angeben oder kurze Tests durchführen, mit denen Textverständnis, Gedächtnis und Koordination überprüft werden. Auch diese Daten werden sicher übertragen und ausgewertet. Alle Daten unterliegen einem speziellen Schutz, der von Ethikkommission und Datenschutz überprüft und freigegeben wurde. Niemand außer den Forschern hat Zugriff auf diese Daten. 

Im Hintergrund arbeitet ein System mit künstlicher Intelligenz daran, aus all diesen Informationen ein möglichst genaues Bild über den Gesundheitszustand der Patienten zu gewinnen. Die Vision ist, dass monti künftig frühzeitig Warnsignale für eine Verschlechterung des Patientenzustandes erkennt und Ärzte und Patienten automatisch informiert, sodass Komplikationen behandelt werden können, bevor sie gefährlich werden. Im aktuellen Forschungsstadium ist diese Warnfunktion jedoch noch nicht aktiviert. Die Teilnahme an der Studie bringt daher noch keinen unmittelbaren medizinischen Nutzen für die teilnehmenden Patienten und Ärzte – sie dient in erster Linie der Weiterentwicklung und Prüfung des Systems.

Wie ist die Betreuung während der Studie?

Damit niemand mit der Technik allein gelassen wird, werden die Studien von Ärztinnen, Ärzten, Pflegekräften und speziell geschulten Studierenden eng begleitet. Die Patienten erhalten eine ausführliche Einführung in die Nutzung des Wearables, in das Laden des Geräts und in die Bedienung des Smartphones. Ebenso wichtig ist aber auch, dass die Patienten rückmelden, wie sie mit monti zurechtkommen, welche Funktionen gut funktionieren und wo Verbesserungen nötig sind. Dafür werden zu verschiedenen Zeitpunkten Fragebögen ausgefüllt, deren Auswertung hilft, das System weiter zu verfeinern.

Die langfristige Idee hinter monti ist klar: In einer Zukunft, in der moderne Therapien immer wirksamer, aber auch anspruchsvoller werden, sollen digitale Systeme dabei helfen, Behandlungen sicherer, einfacher und patientenfreundlicher zu gestalten. Wenn monti funktioniert wie geplant, könnte es dazu beitragen, dass immer mehr Krebstherapien ambulant und zu Hause stattfinden können – mit der gleichen Sicherheit wie in der Klinik, aber mit deutlich mehr Komfort und Lebensqualität für die Patienten.

Prof. Dr. med. Guido Kobbe

Oberarzt, Leiter der allogenen Stammzelltransplantation

Klinik für Hämatologie, Onkologie und klinische Immunologie

Universitätsklinikum Düsseldorf

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