Klinik für Neurochirurgie

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Univ.-Prof. Dr. med. Jan Vesper

PD Dr. med. Philipp Slotty

Sebastian Gillner

Dr. med. Yousef Abusabha

 Sektion Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie Zentrum für Neuromodulation

 

Leiter: Univ.-Prof. Dr. Jan Vesper

Die Sektion Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie bietet ein umfangreiches Spektrum an Diagnose- und Therapieverfahren für neurologische Erkrankungen, insbesondere bei Hirntumoren, Bewegungsstörungen, Schmerzen und unklaren intrakraniellen Läsionen (Stereotaktische Probeentnahmen) an. Die folgenden Informationen sollen Ihnen dabei sowohl eine Übersicht als auch detaillierte Einblicke in unsere klinischen und wissenschaftlichen Aktivitäten und Leitlinien bieten.

Die Sektion gewährleistet eine regionale, überregionale und internationale Patientenversorgung. Die Aktivitäten in der Forschung dienen der Weiterentwicklung neuartiger Diagnose- und Therapieverfahren, auch für seltene Krankheitsbilder. Wir stehen gerne mit fachkundigem Rat in der ambulanten Versorgung und mit modernsten stereotaktischen und funktionellen neurochirurgischen Verfahren zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems zur Verfügung. Darüber hinaus bieten wir mehrere interdisziplinäre Konferenzen mit den benachbarten neuromedizinischen Fächern zur Behandlung von Hirntumoren und Bewegungsstörungen an.

Auf den folgenden Internetseiten informieren wir Sie über Nützliches und Wissenswertes aus der Stereotaxie und unserer Abteilung: über stereotaktische Operationsmethoden, das medizinische Leistungsspektrum, die Spezialambulanzen, die wissenschaftliche Arbeit, unsere Veröffentlichungen und vieles mehr. Darüber hinaus bieten wir für ärztliche Kollegen und andere Interessierte regelmäßige Fortbildungen

Zum Spektrum der bei uns behandelten Erkraknungen gehören unter ande­rem:

Welche Ursachen haben diese Er­krankungen?

Die Ursache dieser Erkrankungen beruht auf einer gestörten Kommunikation tief liegender Kernge­biete im Gehirn, den Basalganglien. Hier kommt es zu einem Ungleichgewicht aktivierender und hemmender Botenstoffe (Neurotransmitter). Die Wirkung kann teilweise durch Medikamente ersetzt werden. In vielen Fällen ist sie aber unzureichend oder - im Verlauf der Erkrankung - mit zunehmenden Neben­wirkungen verbunden.

Chronische Schmerzen entstehen z.B. nach Operationen an der Wirbelsäule, infolge eines Diabetes mellitus und bei peripheren Durchblutungsstörungen. Seltener können dauerhafte Schmerzen nach Nervenverletzungen oder Hirnblutungen entstehen. Manche Schmerzerkrankungen entstehen auch ohne äußere Ursache

Ziel der funktionellen Neurochirurgie ist, eine gestörte Funktion durch direkte Beeinflussung der Physiologie zu korrigieren. Hierbei wird die Funktionsstörung unterschieden von der zugrundeliegenden Pathologie (z. B. dem Untergang Dopamin-produzierender Zellen der Substantia nigra als pathologischer Befund, Tremor-Rigor-Bradykinesie als Funktionsstörung bei Morbus Parkinson).

Welche Möglichkeiten bietet die Neuromodulation?

M. Parkinson bei Tremorerkrankungen, Dystonie, Chorea Huntington und Depressionen:

Implantation von Hirnschrittmachern durch zielgesteuertes (stereotaktische) Einbringen tiefer Reizelektroden, die mit einem Stimulationssystem ver­­­bunden wer­den (Tiefe Hirnstimulation, DBS). Das System kann von außen programmiert und auf die individuellen Erfor­dernisse des Patienten angepasst werden. Je nach Erkrankung und Beschwerdebild eignen sich zur Implantation unter­schiedliche Kerngebiete des Gehirns.

Die technisch und personell aufwendige, wenngleich ungefährliche, Hirnschrittmacher-Operation wird nur an wenigen Neurochirurgischen Zentren durchgeführt. Die Tiefe Hirnstimulation wird an unserem Zentrum vorrangig in Vollnarkose durchgeführt, vormalige Wachoperationen in Lokalanästhesie können vermieden werden. Die Bildgebung im Vorfeld und elektrophysiologische Messungen geben uns sichere Hinweise auf die Zielpunkte und machen die Effekttestung während der Operation verzichtbar.

Eine intensive Kooperation mit spezialisierten Neurologen ist notwendig, um das individuelle Krankheitsbild präzise zu diagnostizieren, die Eignung eines Patienten für den Eingriff zu beurteilen, den Grad der Beschwerdebesserung vorherzusagen und die optimale Einstellung der Stimulationsparameter des Hirnschrittmachers nach der Operation festzulegen. Die meisten Bewegungsstörungen wie Tremor (unwillkürliches Zittern), Rigor (Steifigkeit), Akinese (Antriebsarmut) und auch die Fehl- und Schleuderbewegungen der Dystonie sind gut unterdrückbar. Nach der Operation können sich die meisten Patienten etwa 50-60% der Medikamente ersparen und vermindern damit ihre unangenehmen Nebenwirkungen. Im Laufe der nächsten Monate wird schrittweise die optimale Einstellung der Stimulationsparameter bestimmt. Dazu wird der Stimulator über ein spezielles Gerät telemetrisch angesteuert und programmiert. Der Patient kann mit Hilfe eines kleinen Therapiesteuergerätes selbst die Funktion des Stimulators anpassen und überprüfen.

Die Kosten für die Operation (Implantat, OP-Kosten und Krankenhausaufenthalt) werden von den Kassen übernommen. Die Nachbetreuung erfolgt gemeinsam durch den behandelnden Neurologen und den Neurochirurgen.

Chronische Schmerzen und Spastik

Je nach Ursache und Ausbreitungsgebiet der Schmerzen kommen sowohl Hirnschrittmacherbehandlungen, direkte Nervenstimulationen oder Rückenmarksstimulationsoperationen in Betracht. Bei einigen Schmerzerkrankungen oder bei Spastik kann die kontinuierliche Medikamentengabe über eine implantierte Pumpe in das Rückenmarkswasser hilfreich sein.

Welcher Behandlungseffekt darf von einer operativen Behandlung erwar­tet werden?

bei der Parkinson´schen Erkrankung:

  • Unterdrückung der Hauptsymptome (Akinese, Rigor und Tremor, Haltungsinstabilität)
  • Unterdrückung der „on-off“-Fluktuationen und Verlängerung der Phase mit guter Beweglichkeit
  • Unterdrückung der medikamentös bedingten Überbewegungen
  • Reduktion der Medikamente und deren Nebenwir­kungen
  • Verbesserung der Lebensqualität sowohl in den „on“- als auch in den „off“-Phasen

bei Tremorerkrankungen:

- Besserung bis hin zu kompletter Unterdrückung des Tremors, der auf Medikamente nicht gut anspricht

bei Dystonien und Chorea Huntington:

  • Besserung der Dystonie und Chorea, die auf Medikamente nur unzureichend ansprechen, Verminderung der Medikamentennebenwirkungen.

bei chronischen Schmerzen:

  • Besserung, teilweise Unterdrückung der Schmerzen,
  • Wiederherstellung von Selbständigkeit und Mobilität
  • Reduktion der Medikamenteneinnahme

bei Spastik:

  • Besserung der Spastik
  • Mehr Beübungsmöglichkeiten
  • Erleichterung der Pflege
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen und die soziale Beratung von Angehörigen und Patienten
  • Vermittlung von Kontakten zu bereits operierten Patienten

Stereotaktische Probeentahmen, Hirnbiopsie

Die Gewebsentnahme wird nach interdisziplinärer Entscheidung (INOK) als stereotaktische (zielgesteuerte) Hirnbiopsie in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. Die dreidimensionale Zugangsplanung erfolgt CT- oder MR-gestützt mit Hilfe einer Workstation. Die entnommenen Gewebsproben (ca. 5-10 Proben von je 1 mm³ Gewebe) werden schrittweise entlang einer Straße quer durch den Tumor entnommen (Serienbiopsie) und durch den anwesenden Neuropathologen während des Eingriffs begutachtet. Der Eingriff dauert im Mittel 75 Minuten. Anhand einer Serie von 5348 stereotaktischen Hirnbiopsien bei Gliomen (1984-1996) ergibt sich eine Morbidität von 4 % (persistierende Morbidität 1.2 %) und eine perioperative Letalität von 0,7 %. Komplikationen, vorwiegend Blutungen, treten vorzugsweise am ersten Tag nach der Operation auf. Die Patienten gehen am 2. oder 3. Tag nach Hause, weil danach das Risiko einer Komplikation äußerst gering ist. Falls ein Tumor Zysten aufweist, ist im Rahmen des stereotaktischen Eingriffs eine rasche Volumenreduktion zu erzielen.

Zu den Aufgaben der Funktionellen Neurochirurgen gehören:

  • ausführliche Anamnese und neurologische Unter­suchung
  • Beratung der Patienten und deren Angehörigen
  • Betreuung von operierten Patienten
  • Überprüfung und Anpassung der medikamentösen Therapie
  • Prüfung der Indikation zur operativen Behandlung
  • Begleitung des Patienten vor, während und im An­schluss an eine Operation
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