The Cruel Sea: Der Tod und das Meer – historische Perspektiven

Arbeitstagung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und

Ausstellung zum Thema in Kooperation mit der Universitäts- und

Landesbibliothek Düsseldorf

23.-25. April 2020

Jörg Vögele, Carola Spies, Luisa Rittershaus, Anna Schiller, Kelly G. Waap, Christoph auf der Horst, Christa Reißmann

Das Leben stammt aus dem Meer. Gleichzeitig aber war die See immer auch ein gefährlicher Ort, dem viele Leben zum Opfer fielen. Stürme und Schiffbruch sind untrennbar mit der Schifffahrt verbunden und kosteten unzähligen Menschen das Leben. Seekriege wurden mit äußerster Brutalität geführt. Die Arbeit an Bord der Schiffe zählte jeher zu den gefährlichsten Berufen. Unfälle, Meutereien und Überfälle gingen einher mit Mangelernährung und fehlender Hygiene. Skorbut, Durchfallerkrankungen und Fieber gehörten zu den häufigsten Krankheiten auf See. Aber auch an Land war man nicht gänzlich in Sicherheit vor den Gefahren des Meeres. Sturmfluten und Tsunamis bedrohten die Bevölkerung der Küstenregionen. Seuchen und Epidemien wurden über die Schifffahrtswege in die Hafenstädte eingeschleppt und verbreiteten sich von dort aus ins Hinterland. Fremde Die Ambiguität zwischen Faszination und Schrecken, Abenteuer und Desaster im Verhältnis von Mensch und Meer fand ihren Niederschlag auch in der Literatur (man denke etwa an Moby Dick) und bildenden Kunst (zahlreiche Beispiele finden sich in der Grafiksammlung ‚Mensch und Tod‘ der HHU). Und heute ist der maritime Lebensraum selbst bedroht: Erwärmung, Verschmutzung, Plastikmüll, Überfischung, etc.
Die internationale und interdisziplinäre Arbeitstagung diskutiert ausgewählte Aspekte dieses Wechselverhältnisses in kultur-, wirtschafts- und medizinhistorischer Perspektive und wird von einer Ausstellung mit Arbeiten aus der Grafiksammlung ‚Mensch und Tod‘ der Heinrich-Heine-Universität begleitet.

Die Ausstellung zeigt Werke seit dem 16. Jahrhundert bis zur Kunst der Gegenwart, unter anderem Totentänze, die den Tod auf dem Meer als eine Art zu Sterben in ihren makabren Zyklus mitaufgenommen haben. Es sind Darstellungen der Seefahrt gepaart mit Erinnerung, Hoffnung und Sehnsucht; Ansichten der Naturgewalt des Meeres und aber auch seiner Verletzlichkeit. Die Ausstellung thematisiert die Emotionen, die dieses kraftvollen Element hervorrief und immer noch weckt und zeigt über die Jahrhunderte hinweg, wie (kultur-) politische und ökologische Themen sich in den künstlerischen Werken widerspiegeln. Dazu gehören Arbeiten von  Hans Holbein. d.J., Johann Georg Meintel, Michael Rentz, Thomas Heawood, Hans Meyer, Thomas Rowlandson, Max Klinger, Hans Otto Schönleber, Walter Draesner u.a.


The Cruel Sea - Programm

Einführung und Ausstellungseröffnung

Sunk, Drowned, Shipwrecked
•    Michael Martin (Düsseldorf), Maritime Desaster. Ein kurzer Bericht über Schiffbrüche, Irrfahrten und menschliche Untiefen.
•    Mark Nuttall (Alberta), Scenes of indescribable horror: Peril, terror and shipwreck in Melville Bay, Northwest Greenland
•    Stephen R. Berry (Boston), Charon’s Crossing: Ocean Travel and Human Mortality in the Eighteenth Century.
•    John  Laurence Busch (Connecticut), “Steaming to Death: Mortal Fears at the Dawn of the First High Technology”.
•    Jochen Krebber  (Köln), Zur Mortalität auf der Transatlantikpassage im Zeitalter der europäischen Nordamerikamigration (1820‐1890er Jahre)

Politics, Economics and the Sea
•    Gijs Rommelse (Hoofddorp/Leicester), Dying for the Republic. Dutch identity and the sea, 1570-1700
•    Margrit Schulte Beerbühl (Düsseldorf), Unwägbare Blasen:  Spekulationkrisen und das Meer
•    Jeffrey Kerr-Ritchie (Washington), The Maritime Dialectic of America’s Coastal Slave Trade, 1807-1864
•    Jonathan Stafford (Nottingham), Death on the Steamer: The cruel sea and colonial brutality
•    Timo Heimerdinger (Innsbruck), The Cruel Ship. Die Gorch Fock und ihre Skandale

Hygiene, Health and Disease
•    Kay Peter Jankrift (Düsseldorf/Münster), Gefährliche Fracht. Seuchen, Prävention und das Collegium Medicum Physicorum in der Hansestadt Bremen im 17. und 18. Jahrhundert
•    Marco Kollenberg (Potsdam), Skorbut, Fieber und ‚Melancholey‘: Über Seereisen in den Tagebüchern und Berichten von Soldaten und Wundärzten der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC)
•    W. Robert Lee (Liverpool), Merchant Capital and Public Health
•    Jürgen Elvert (Köln), Risikominderung zur Vermeidung des Todes in der Seefahrt durch Beobachtung von Strömungs- und Wetterverhältnissen und systematische Auswertung entsprechender Berichte



Narratives, Poetry and Fiction
•    Joachim Fugmann (Konstanz), „Der Tod aus der Tiefe“ — Meeresungeheuer in der antiken Literatur
•    Thomas Kirstein (Berlin), „Schiffe, dem Tode willkommene Mittel…?“ Die Risiken der Seereise im Spiegel von Textquellen – Realität oder Fiktion?
•    Christoph auf der Horst (Düsseldorf), Die Um-Kodierung von Meer und Tod durch Heinrich Heines Nordsee-Prosa und –Lyrik
•    Wolfgang U. Eckart (Heidelberg), Experimentalbühne Meer – Todesnahe Gesellschaften in den Maritimromanen des Jules Verne
•    Franzika Hermes (Berlin), „The most swaggering, swearing bullies in fine weather, now the most pitiful wretches on earth, when death appeared before them.“  Das Meer in englischen shipwreck narratives des 17. und 18. Jahrhunderts
•    Junfu Wong (Cambridge), Domesticating Beasts by Female Goddess: Symbolization of Cruelty and Fatality of Sea in Contemporary Poems


Memories & Places of Remembrance
•    Norbert Fischer (Hamburg), Das Meer und der Tod in der Erinnerungskultur
•    Jürgen Hasse (Frankfurt),  Praktiken, Bestattungsorte und die diskursive ‚Zähmung‘
•    Jill Praus (Düsseldorf/Duisburg), Künstlerische und gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit der Verschmutzung des Lebensraums Meer in der Karikatur – anhand der Druckgraphiken Paul A. Webers aus der Grafiksammlung ‚Mensch und Tod‘ 
•    Michael North (Greifswald),  Kunst, Tod und Meer in historischer Perspektive
•    Ursula Richenberger (Hamburg),  Tod, Sturmflut und Naturgewalten.  Erste Ideen für den Aufbau eines Deutschen Hafenmuseums 


The End

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