Geschichte des Instituts

Die Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie, kurz Pathologie, hatte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Grundlagenfach der wissenschaftlichen Medizin und seither zu einem immer bedeutenderen klinisch-theoretischen Fach entwickelt, mit teils großem Einfluss auf die klinische Therapie.

In Düsseldorf wurde ein Pathologisches Institut im Jahr 1907 eröffnet. Es gehörte zu der am 27. Juli des Jahres eröffneten Akademie für praktische Medizin.

Der erste Institutsdirektor, Martin Benno Schmidt (1863-1949), nahm bereits vor der Fertigstellung des Pathologischen Institutes einen Ruf an die Universität Zürich an und wurde schließlich für 22 Jahre Ordinarius für Pathologie in Würzburg.

Sein Nachfolger, Otto Lubarsch (1860-1933), übernahm das Institut zum September 1907. Unter seiner Leitung konsolidierte sich der Institutsbetrieb. Im Januar 1909 wurde Lubarsch der „geschäftsführende Professor“ der medizinischen Akademie und Direktor der Krankenanstalten. Im Januar 1909 wurde auch das Institut für experimentelle Therapie unter Lubarschs Leitung gestellt, der damit einem großen Institut vorstand, das dem von Rudolf Virchow (1821-1902) für Pathologische Institute entwickelten  Konzept folgte und auch eine bakteriologische Abteilung beinhaltete. Nach einer erfolgreichen Zeit in Düsseldorf ging Lubarsch 1913 nach Kiel und übernahm 1917 als dessen zweiter Nachfolger den Lehrstuhl Virchows in Berlin. Mehr noch als ein originaler Wissenschaftler war Lubarsch ein bedeutender Enzyklopädist der Pathologie und hat lange das nach ihm mitbenannte Handbuch der Pathologie herausgegeben.

Im  Mai 1913 wurde Johann Georg Mönckeberg (1877-1925) Direktor des Pathologischen Institutes. Mönckebergs Name ist heute noch in der Pathologie als Eponym für die arterielle Mediasklerose geläufig. Seine ebenfalls recht kurze Amtszeit stand ganz im Zeichen des Ersten Weltkrieges, während dessen er die anfallende Institutsarbeit, also hauptsächlich klinische Autopsien, großenteils alleine bewältigen musste. Im Oktober 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, nahm Mönckeberg einen Ruf auf den Lehrstuhl in Straßburg an, den er 1919 aufgeben musste. Die Situation des Instituts im Ersten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wird momentan in zwei Doktorarbeiten untersucht.

Unter einigen internen Querelen entschied man sich für Hermann Beitzke (1875-1953) als neuen Institutsdirektor, der im November 1916 berufen wurde. Während des Krieges war Beitzke zunächst als freiwilliger Arzt im Heer tätig und wurde später der „Armeepathologe“ der VII. Armee. Erst im November 1918 konnte sich Beitzke vollständig der Arbeit am Pathologischen Institut widmen, das mit den Wirren und Entbehrungen der Nachkriegszeit zurechtkommen musste. Die bakteriologische Abteilung wurde im Juni 1919 ein selbständiges Institut, wodurch die Trennung von Pathologie und Bakteriologie in Düsseldorf relativ früh vollzogen wurde. Ab dem Mai 1919 waren das Institut und sein Personal so stark von Lehrveranstaltungen beansprucht, dass die wissenschaftliche Arbeit darunter litt. Das Institut und die medizinische Akademie mussten zu dieser Zeit ihre Existenzberechtigung gegenüber anderen medizinischen Fakultäten behaupten, was gelang. Beitzke, dessen Arbeiten über Tuberkulose ihm wissenschaftliche Reputation verschafft hatten, wechselte im Oktober 1922 an die Universität Graz.

Anschließend wurde das Institut – wie bereits im Ersten Weltkrieg- kommissarisch vom damaligen Prosektor Heinrich Müller (1884-1972) geleitet. Im Januar 1923 wurde die medizinische Akademie neu konstituiert und in den Rang einer selbständigen Hochschule erhoben. Im September 1923 trat dann Paul Huebschmann (1878-1960) seinen Dienst als neuer Institutsdirektor an. Huebschmann bewirkte eine Renovierung des Institutsgebäudes und den Anbau eines histologischen Kurssaales. Er empfand die gemeinsame Unterbringung des Gerichtsmedizinischen Instituts und des Topographisch-anatomischen Instituts in den Räumlichkeiten der Pathologie eher als Nachteil, konstatierte aber die Konkurrenzfähigkeit des Düsseldorfer Instituts mit dem eines Pathologischen Instituts einer mittleren Universität. Die Anzahl an Obduktionen war zur damaligen Zeit der Gradmesser eines Instituts für Pathologie, und zu dieser Zeit wurden am Institut pro Jahr 700 bis 800 klinische Obduktionen durchgeführt. Wissenschaftlich befasste sich Huebschmann hauptsächlich mit der Tuberkulose, in Kontinuität zu dem wissenschaftlichen Oeuvre seines Vorgängers Beitzke. Huebschmann wurde 1949, nach 26 Jahren Dienstzeit emeritiert. Er war der erste Institutsdirektor, der für lange Zeit in Düsseldorf amtierte.

Das Institutsgebäude wurde bereits in den Jahren 1942 und 1943 durch Luftangriffe beschädigt. Im November 1943 musste der Bau I des Instituts einen Bombenvolltreffer einstecken, der fundamentalen Schaden anrichtete. Der Hörsaal wurde im Herbst 1945 gesprengt und die Sektionen vorübergehend im Sektionsraum des Stoffeler Friedhofes durchgeführt, während die histologischen Untersuchungen weiterhin im Institut durchgeführt werden konnten. Bis zum Januar 1953 wurde dann ein Sektionssaal in einem alten Pflegehaus in der Himmelgeister Str. genutzt.

Als Nachfolger Huebschmanns wurde im Oktober 1949 Hubert Meessen (1909-1992) berufen. Anlässlich seiner Berufung wurde der Wiederaufbau des Institutes zugesagt, der zum Jahreswechsel 1952/53 fertiggestellt wurde. In dem um die Reste des alten Instituts herum weitgehend neu erbauten Institut wurden auch die Institute für Hygiene und für Pharmakologie untergebracht. Herzstück des wiederaufgebauten Institutes ist der große Sektionssaal gewesen. Bis in die 70er und 80er Jahre war der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Pathologie die klinische Obduktion, in Düsseldorf mit ca. 1500 Sektionen pro Jahr in den späten 60er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Nordrhein-Westfälische Landesregierung beschloss 1965 die Gründung einer Universität in der Landeshauptstadt. Durch die Universitätsgründung wurde die Medizinische Akademie in die Medizinische Fakultät der Universität überführt, wobei sie weitgehend auf bestehenden Strukturen aufbauen konnte. Meessen, der in den fünfziger Jahren Rektor und zweimal Prorektor der Medizinischen Akademie gewesen war, setzte sich besonders für die Entwicklung der Akademie zu einer Universität ein und war dann der erste universitäre Lehrstuhlinhaber für Pathologie in Düsseldorf. Er war u.a. auch entscheidend am Erwerb der "Totentanzsammlung" beteiligt und der Initiator der Hochschulwochen in Düsseldorf. Seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt bildeten die Neuropathologie (ab 1977 selbständig, link), die Pathologie der Laboratoriumstiere und die Pathologie des menschlichen Herzens. Meessen wurde mit mehreren Ehrendoktorwürden und dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Unter Meessens Leitung wurde 1962 Peter Pfitzer (1929-2016) als Spezialist für Chromosomenanalysen am Institut angestellt. Er leitete ab 1967 die neu eingerichtete selbständige Abteilung für Zytopathologie, die heute ein Funktionsbereich des Instituts für Pathologie ist.

Zum 1. Oktober 1977 folgte Waldemar Hort (1925-2014) dem emeritierten Meessen als Direktor des Instituts für Pathologie nach. Auch er absolvierte eine über 20jährige, überaus erfolgreiche Amtszeit, bis er im Jahr 1990 emeritiert wurde. Hort war Gefäß- und Herzpathologe. Seine wissenschaftliche Expertise, ausgewiesen in ca. 400 Veröffentlichungen und mehrfach preisgekrönt,  brachte ihm die Wahl zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ein. Er war zudem Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Koronare Herzerkrankungen" an der Medizinischen Fakultät der HHU. Im Jahr 1990 gründete er zusammen mit seiner Frau Hedwig die nach dem Ehepaar benannte Studienstiftung, die seitdem Stipendien an Studenten der HHU vergibt. Prof. Hort hinterließ außer seinen zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten eine Fülle von Untersuchungsmaterial, ganz überwiegend aus der Kardiopathologie, das zukünftig katalogisiert und evtl. weiterverwertet werden soll.

Nach der Emeritierung Horts leitete Franz Borchard (1943-2010) das Institut für relativ lange Zeit kommissarisch. Borchard wurde später Chefarzt des Institutes für Pathologie am Klinikum Aschaffenburg. Er war einer der beiden ersten Träger des Rudolf Virchow Preises der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und er gilt als einer der "Väter" der Gastroenteropathologie in Deutschland.

Im Juli 1992 wurde Helmut Erich Gabbert (geb. 1950) aus Mainz auf den Düsseldorfer Lehrstuhl für Pathologie berufen, den er bis zum Juli 2015 bekleidete. Gabbert ist Autor bzw. Co-Autor von über 200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, mit einem Schwerpunkt auf der Pathologie und Molekularpathologie von gastroösophagelaen Karzinomen. Bereits vor seiner Amtszeit hatte sich der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Pathologie ganz entschieden von der autoptischen zur bioptischen Diagnostik verlagert, mit ca. 40 000 bioptischen bzw. operativen Untersuchungsfällen pro Jahr und dem allseits bekannten Schwund an klinischen Autopsien. Zugleich hat die Molekularpathologie in der täglichen Diagnostik stetig an Bedeutung gewonnen. Ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht abzusehen.

 

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